Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Hering satt trotz niedriger Fangquote
Mecklenburg Rostock Hering satt trotz niedriger Fangquote
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:24 02.04.2014
Fischer Ingo Pinnow (l.) und Marktleiter Karl-Heinz Wendland freuen sich auf das Fest. Quelle: Thomas Sternberg

Der Hering ist da und auch bald wieder verschwunden. Vor der Küste tummelt er sich gerade so reichhaltig, dass am Sonnabend und Sonntag das traditionelle Marktspektakel, das 11. Warnemünder Heringsfest, steigen kann. Wie lange es den Hering danach noch fangfrisch gibt, ist offen, denn die in diesem Jahr drastisch reduzierte Fangquote ist schnell abgefischt.

„Hering ist genügend da, und ich habe extra mit Blick auf das Fest meine Fangquote noch nicht abgefischt“, sagt Berufsfischer Ingo Pinnow. Ihn ärgert, wie auch alle anderen zehn Warnemünder Fischer, das Absenken der Fangquote um 23 Prozent. „Gerade im April, wenn der Dorsch Schonzeit hat, sind wir auf den Hering angewiesen“, erläutert Pinnow das Dilemma um die Fangquote. Doch an diesem Sonnabend und Sonntag gibt es die Silberlinge erst mal satt auf der Mittelmole — frisch, eingelegt, gebraten, geräuchert. Einige Fischer werden sogar zweimal rausfahren, um Nachschub zu holen. „Das Fest hat sich gut etabliert, und neben den Rostockern strömen auch immer viele Berliner und Lübecker auf die Mittelmole“, sagt Jörg Vogt, Geschäftsführer der Rostocker Großmarktgesellschaft. Sie veranstaltet das Heringsfest.

Auch wenn es wieder rappelvoll wird, schiebt sich Charly Frommke mit seiner Drehorgel durch das Gewühl. Er sorgt nicht nur für gute Laune, sondern verlost ab 10 Uhr auch sechs Marktkörbe mit frischem Räucherfisch. Jeder Korb hat etwa einen Wert von 20 Euro. „Die Körbe werden von den teilnehmenden Händlern spendiert“, informiert Marktmeister Karl-Heinz Wendland, der für den regelmäßigen Warnemünder Fischmarkt auf der Mittelmole zuständig ist. Er weiß, dass diesmal wieder mehr als 20 Verkaufsstände dabei sind.

Renner ist immer der frisch gebratene Hering aus den Großpfannen. Einige braten ihn direkt am Stand, andere bringen, weil der Platz nicht ausreicht, den Brathering mit. „Es ist Hering, wie er sein soll, die Qualität stimmt“, schätzt Uli Karnatz, Chef von „Min Herzing“ ein.

Wer Frühaufsteher ist und schon gegen sieben Uhr auf der Mittelmole ist, kann noch zusehen, wie die Fischer den Hering aus den Netzen pulen. „Um acht Kisten mit Hering zu füllen, das sind 160 Kilogramm, muss man gut 2,5 Stunden pulen“, berichtet Pinnow. Ein Heringspulen durch interessierte Marktbesucher wird es — wie noch vor zwei Jahren — diesmal nicht geben. „Es ist einfach zu eng“, begründet Pinnow, warum die Aufgabe in den Händen der Fischer und deren Frauen bleibt.

Schnee zur 10. Auflage
Das Heringsfest findet am Sonnabend und Sonntag jeweils von 8 bis 18 Uhr statt. Von 10 bis 16 Uhr wird auch Musik und ein Quiz angeboten. Es ist die 11. Auflage, und nur einmal, im vergangenen Jahr, musste das Heringsfest wegen der anhaltenden Schneefälle verschoben werden. In vier Wochen startet dann mit dem Fest „Stromerwachen“ die diesjährige Saison.



Thomas Sternberg

Anzeige