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Rostock Leuchtturm: Mit Fleiß gegen den Verschleiß
Mecklenburg Rostock Leuchtturm: Mit Fleiß gegen den Verschleiß
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00:00 06.03.2013
Hoch auf dem Wahrzeichen: Die Männer des Leuchtturmvereins sanieren das Gebäude. Quelle: Karsten Wilke
Warnemünde

Zehn Vereinsmitglieder schwingen derzeit Pinsel und Schleifpapier im Seebad. „Wir müssen das gute Wetter nutzen“, sagt Heinz-Jürgen Marnau, der von seinen Vereinskollegen schlicht „Atze“ gerufen wird. Die Zeit in diesem Jahr ist knapp: „Es ist ein großes Problem für uns, dass Ostern in diesem Jahr so früh stattfindet“, erklärt der 77-Jährige. Denn am Ostersonnabend startet, wie auch in den Vorjahren, die neue Leuchtturmsaison. Bis dahin haben die ehrenamtlichen Leuchtturmwärter noch alle Hände voll zu tun.

„Wir müssen vor allem gegen die Blasenbildung durch Salpeter und das Abblättern der Farbe angehen, denn das ist nicht schön, wenn das unseren Gästen auf die Kleidung fällt “, erklärt Marnau. Erst müssten die Blasen aufgestochen, dann geschliffen und schließlich wieder zugespachtelt werden. „Unsere Farbe braucht vier bis fünf Tage zum Trocknen“, erklärt er. Auch deshalb sei die Zeit so knapp.

Doch auch die Geländer, Treppenstufen und Bodenbeläge werden überarbeitet. „Es ist eben der Verschleiß durch 140 000 Füße pro Jahr“, sagt Heinz-Jürgen Marnau nicht ohne Stolz. Denn jedes Jahr erklimmen rund 70 000 Besucher den Turm. Neben der normalen Abnutzung des Bauwerks beschäftigt die Leuchtturmtruppe aber noch ein weiteres Problem. „Wir haben hier sehr mit Schmierereien zu kämpfen. Das ärgert uns ganz besonders. Am schlimmsten finde ich so doofe Sätze wie ,I was here‘. Das ist unnötig, passt nicht zum Bauwerk und macht uns zusätzliche Arbeit“, schimpft Marnau.

Die Schmierfinken kämen dabei zumeist ungestraft davon. „Wir haben zwar immer zwei Leute auf dem Turm, aber wir können ja nicht hinter jedem Gast stehen. Wir sind ja kein Überwachungsverein“, sagt er.

Nicht nur der Turm selbst, sondern auch sein informatives Innenleben wird zur neuen Saison herausgeputzt. „Wir fertigen unsere Schautafeln und Objekte alle selbst an. Alle zwei bis drei Jahre müssen sie ausgetauscht werden. Denn durch die Feuchtigkeit hier im Turm leiden die Objekte natürlich“, erklärt er. Auch die Infotafeln würden ständig aktualisiert. „Wir bieten beispielsweise zusätzliche Informationen auf Englisch. Das muss man heute einfach machen“, befindet er.

Warum sich die Mitglieder in ihrer Freizeit so viel Arbeit machen, erklärt Marnau so: „Unsere Besessenheit rührt daher, dass wir unseren Gästen ein ordentliches Haus bieten wollen.“

Wahrzeichen hatte schon eine Million Besucher
Eigentümer: Der Leuchtturm wurde 1897/98 erbaut und ist 30 Meter hoch. Der Turm gehört der Bundesrepublik. Zuständig für das immer noch aktive Seezeichen ist das Wasser- undSchifffahrtsamt in Stralsund. Das Amt betreut fünf historische Leuchttürme. 2009 war der Warnemünde-Turm Motiv für eine Briefmarke.


Betreiber: Der Leuchtturm-Verein als Betreiber sorgt dafür, dass die Plattformen des Turms öffentlich zugänglich sind. Die Crew um Gerhard Lau und Walter Vogt übernahm das Wahrzeichen 1994. Seitdem sind rund eine Million Besucher auf den Leuchtturm gestiegen.

Karsten Wilke

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