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Rostock Leuchtturm macht Kasse für den ganzen Ort
Mecklenburg Rostock Leuchtturm macht Kasse für den ganzen Ort
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00:00 14.03.2013
Vorsitzender Klaus M�ller
Warnemünde

In zwei Wochen öffnet der Leuchtturm zum Osterfest wieder seine Tür für Besucher — zum 20. Mal.

Damit setzt sich eine Geschichte fort, „wie es sie in Rostock niemals zuvor gegeben hat“, betont Gerhard Lau (76). Er gehört zu den Initiatoren der Leuchtturmöffnung und zu den Gründungsmitgliedern des Betreiber-Vereins. Gerade hat er den Vorsitz an den Warnemünder Klaus Möller (61) übergeben.

So gibt es dank der Initiative Anfang der 90er Jahre nun seit 20 Jahren eine touristische Attraktion mehr in Warnemünde, und das ostdeutsche Pilotprojekt hat dazu geführt, dass heute eine ganze Reihe von Leuchtfeuern an den deutschen Küsten zugänglich sind. Vor allem aber profitiert halb Warnemünde von den Leuchtturm-Einnahmen.

„Wir haben als Verein bisher 655 090 Euro an Fördergeldern ausgereicht“, zieht Gerhard Lau Bilanz. Profitiert haben davon weit mehr als 160 Einrichtungen, Vereine, Personen, Baudenkmäler, Kunstwerke und Publikationen. Der Warnemünde-Verein bekommt für sein großes Sommerfest mit dem „Ümgang“ jährlich eine Zuwendung, aber auch das Heimatmuseum und die Warnemünder Kirche wurden mehrfach bedacht. An der Sicherung und Sanierung von Kunstwerken im öffentlichen Raum hat sich der Verein wiederholt mit Zuschüssen beteiligt, und er gibt seit 1997 das Bäderjournal „Tidingsbringer“ heraus.

Alle zwei Jahre gibt es am Turm auch eine Benefizveranstaltung, deren Einnahmen unter anderen dem Michaelshof, den Opfern der Oder-Flut, der Kunsthalle, dem Zoo, der Rostocker Marienkirche, der Warnemünder Kirche und der Freiwilligen Feuerwehr im Ostseebad geholfen haben. In der DDR stiegen jährlich bis zu 160 000 Besucher auf den Turm. Das war zu viel für den Turm, er wurde 1980 geschlossen und schrittweise saniert. Nach 1990 durften Seezeichen nach bundesdeutschem Recht nicht bestiegen werden. Doch das Rostocker Denkmalamt wollte ihn unbedingt wieder öffnen. 1992 verhandelten Gerhard Lau als Amtsleiter, Dieter Schröder (SPD) als Rostocks Oberbürgermeister und Falk Meyer als Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes intensiv, steckten Rechte und Pflichten ab.

Der technische Bereich blieb gesperrt. Der Förderverein Leuchtturm Warnemünde wurde gegründet, und 1994 strömten die ersten Besucher auf den Turm. Folge: Im selben Jahr gab es die ersten 5000 Mark für die denkmalgerechte Sanierung der Warnemünder Mühle mit Holzschindeln.

Jährlich steigen seitdem rund 70 000 Besucher auf die beiden Plattformen. Gefragt sind auch die symbolischen Eheschließungen. Die Leuchtturmmänner organisieren nach der standesamtlichen Trauung eine Zeremonie auf dem Turm. Um die 15 Eheschließungen, so Walter Vogt vom Leuchtturm-Verein, gebe es dort pro Jahr. Sogar eine Goldene Hochzeit wurde 2011 in luftiger Höhe gefeiert.

Wahrzeichen
Das Wahrzeichen von Warnemünde ist der 1897/98 erbaute Leuchtturm. Er ist 31 Meter hoch und reicht bis 39 Meter über dem Meeresspiegel. 135 Stufen führen auf die obere Aussichtsplattform in 25 Meter Höhe. Die Lichtzeichen des Leuchtfeuers sind bis zu 37 Kilometer (20 Seemeilen) weit auf der See zu sehen. Seit 1978 gibt es keinen Leuchtturmwärter mehr.


Der Turm gehört der Bundesrepublik. Zuständig für das noch aktive Seezeichen ist das Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund. Das Amt betreut fünf historische Leuchttürme. 2009 war der Warnemünde-Turm Motiv für eine Briefmarke. Der Leuchtturm-Verein ist der Betreiber und sorgt dafür, dass die Plattformen öffentlich zugänglich sind.

Thomas Sternberg