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Warnemünde Robben-Forschungsstation erhält zweite Professur
Mecklenburg Rostock Warnemünde Robben-Forschungsstation erhält zweite Professur
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17:40 28.09.2018
Meeresbiologin Dr. Yvonne Krüger trainiert mit mit dem zwölfjährigen Seehund Moe. Quelle: Dana Frohbös
Warnemünde

 Eric hat nicht so recht Lust. Eigentlich soll der Kalifornische Seelöwe zeigen, inwieweit er zwei visuelle Reize voneinander unterscheiden kann. Aber er wollte lieber weiter mit seinem Bruder Teun im Wasser toben. „Der ist erst vier Jahre alt, also noch nicht ausgewachsen, und will einfach seine Grenzen austesten“, sagt Trainerin und Meeresbiologin Dr. Yvonne Krüger. „Das ist wie bei kleinen Kindern.“

Neben dem Brüderpaar leben noch ein Südafrikanischer Seebär, neun Seehunde und zwei Pinguine in der Forschungseinrichtung Hohe Düne. „Wir wollen hier herausfinden, wie die Meeressäuger Objekte wahrnehmen und wie sie diese Wahrnehmung nutzen, um sich zu orientieren“, sagt der Diplom-Physiker und Technische Leiter der Anlage Lars Miersch.

Eine Forschungsarbeit beschäftigt sich etwa mit dem Thema des Zeitempfindens. Wenn die Tiere einschätzen können, wie schnell sie eine gewisse Strecke zurückgelegt haben, können sie auch den Weg zurück finden. „Oder sie können Abkürzungen zwischen verschiedenen Punkten wählen“, sagt Lars Miersch. Die Säuger sind den Menschen in ihrem Unterwasserverhalten deutlich voraus. Sie können etwa besser hören, unter Wasser Schall wahrnehmen und auch die Quelle ausmachen. Menschen können das nicht.

Yvonne Krüger hat ihr Hauptaugenmerk auf die Barthaare der Tiere gelegt, die sogenannten Vibrissen. Und da Seelöwe Eric gerade nicht trainieren möchte, geht sie zu Filou und Moe auf die andere Seite des Schiffes. Mit dabei sind auch die beiden Studentinnen Hannah Ladig und Melanie Lilow, die kurz zuvor die Belohnung für die beiden Seehunde in Stückchen geschnitten haben.

In der Station wird hauptsächlich mit Seehunden und Seelöwen gearbeitet. Aber auch an einem Seebären und an zwei Pinguinen wird geforscht.

Auf Kommando taucht Moe in ein kleines Becken. Genau mittig ist ein Ball angebracht, den er mit seiner Nase berührt. Mit einer Augenbinde verdeckt Yvonne Krüger seine Augen und der Seehund taucht ab. Unter Wasser wird nun eine kleine Verwirbelung frontal rechts oder links des Tieres erzeugt. Nur anhand seiner Barthaare kann Moe spüren, wo sich diese Verwirbelung befindet. Er zeigt dies an und wird belohnt, wenn er richtig liegt. „Aus diesen Eindrücken können die Tiere Informationen herausziehen“, sagt Lars Miersch. Moe kann beispielsweise erkennen, ob an einer bestimmten Stelle gerade ein Fischschwarm oder ein Hering langgeschwommen ist und die Verfolgung aufnehmen –und das nur anhand seiner Vibrissen. Dieses Forschungsfeld nennt sich Hydrodynamik.

„Das, was wir hier machen, ist sehr abstrakt“, sagt Yvonne Krüger, „aber wir können hier ja keine Natur simulieren“. Im realen Leben ist diese Fähigkeit für die Tiere aber wichtig, weil sich ihre Futterquelle, also Fischschwärme, nicht immer am selben Ort befinden. Aber auch für uns Menschen hat die Forschung einen Sinn. „Bionik ist das Stichwort – von der Natur lernen“, sagt Lars Miersch. Die Barthaare der Robben haben eine geriffelte Oberfläche, wodurch verhindert wird, dass Schwingungen an ihnen entstehen. Dieses Prinzip nutzt man beispielsweise in der Architektur, damit etwa Schornsteine nicht einstürzen.

Seehunde sind alte Hasen

Während die Arbeit mit den Seelöwen Eric und Teun noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, sind die Seehunde hingegen alte Hasen. „Seit diesem Jahr haben wir außerdem zwei Pinguine aus dem Stralsunder Ozeaneum ausgeliehen“, sagt Lars Miersch. An den beiden soll das Hören erforscht werden. Sie sind in einem extra abgetrennten Bereich untergebracht. „Man weiß ja nicht, ob die vielleicht ins Beuteschema der Robben passen könnten“, sagt Lars Miersch.

Die etwa 15 Mitarbeiter der Forschungseinrichtung sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Jahresverlauf. „Wir waren wirklich gut besucht“, sagt Lars Miersch. Auch für die Forschungsarbeit seien die Bedingungen perfekt gewesen. „Besonders freuen wir uns aber darüber, dass wir für das nächste Jahr eine zweite Professur zugesprochen bekommen haben“. Gefördert wird die von dem Lichtenberg-Programm der Volkswagen-Stiftung. „Das ist schon eine kleine Auszeichnung und bestätigt uns, dass wir einen zukunftsfähigen Forschungszweig betreiben“, sagt der Diplom-Physiker.

Alle Infos, auch zu den Öffnungszeiten, gibt es auf marine-science-center.de.

Dana Frohbös