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Rostock Sittich-Zoff: Stadt lenkt ein
Mecklenburg Rostock Sittich-Zoff: Stadt lenkt ein
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00:00 12.04.2013
Er ist der Vogel des Anstoßes: Nymphensittich „Josy“. Quelle: Stefan Tretropp
Warnemünde

Wer hätte das gedacht? Im monatelangen Streit um den angeblich zu kleinen Käfig von Nymphensittich „Josy“ hat die Hansestadt nun ein Zugeständnis gemacht.

Gestern überbrachte ein Gerichtsvollzieher die Neuigkeiten. Die Geldstrafe wird ausgesetzt, der Vogel darf in seiner Voliere in einer Warnemünder Galerie bleiben.

Gestern Mittag: Ulrike und Peter Möller erwarten den „Geldeintreiber“, wie sie ihn nennen. „Zwischen elf und 17 Uhr hat er sich angekündigt“, sagt Peter Möller. Mit dem Ehepaar warten zwei Fernsehteams. Seine Nachrichten sind von bundesweitem Interesse. Denn: Der Fall „Josy“ flimmert mittlerweile in ganz Deutschland über die Bildschirme.

11.30 Uhr ist es soweit. Klaus Boeckenhauer betritt die Galerie, eine Aktentasche unterm Arm. Spannung liegt in der Luft. Die Kameras sind auf ihn gerichtet. „Ich habe eine gute Nachricht“, sagt er.

Das inzwischen aufgelaufene Bußgeld von 220 Euro sei vorerst auf Eis gelegt. Und die Stadt strebe eine Einigung mit dem Ehepaar Möller an.

Erleichterung. „Wir sind erstaunt, dass man endlich mal Vernunft walten lässt“, sagt Peter Möller. Trotzdem sei es traurig, dass es so weit kommen habe müssen. Das Beste: Sittich „Josy“, dessen Käfig laut behördlicher Einschätzung 0,08 Kubikmeter zu klein ist, darf in seiner Behausung bleiben. Obwohl er — in Behördendeutsch — „dauerhaftem Stress“ ausgesetzt ist.

Der Streit begann Ende 2012, als ein Unbekannter das Ehepaar Möller beim Rostocker Veterinäramt anzeigt. „Wir sind diesem Hinweis nachgegangen und haben den Käfig daraufhin vermessen“, erzählt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Obwohl die Voliere in Breite und Höhe größer als gefordert ist, mangelt es an Tiefe. Ganze 0,08 Kubikmeter. „Wir können kein Auge zudrücken. Es ist und bleibt ein Verstoß

gegen das Tierschutzgesetz“, so Kunze. Nachdem das Veterinäramt einen größeren Käfig für den „gestressten Nymphensittich“ forderte und das Ehepaar dem nicht nachkam, flatterte das erste Bußgeld ins Haus. 200 Euro plus 20 Euro Verwaltungskosten. Möllers legten Widerspruch ein, der sofort abgewiesen wurde. Inzwischen ging ein weiterer Gebührenbescheid über den Besuch der Amtstierärztin ein — noch einmal 54 Euro. „Wir haben diese Leistung überhaupt nicht gewollt und niemanden zu uns bestellt“, sagt Peter Möller. Stadt und Veterinäramt blieben hart. Möllers aber auch. Der Streit wurde zur Posse. Viele Galeriegäste kommen doch nur wegen „Josy“.

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Geschöpfe schützen
Das Tierschutzgesetz regelt, dass jeder Mensch das Leben und Wohlbefinden aller Tiere als Mitgeschöpfe zu achten und zu schützen hat. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder andere körperliche Schäden zufügen. Werden Tiere gehalten, müssen sie nach ihren artgemäßen Bedürfnissen versorgt werden. Jeder hat eine moralische und gesetzliche Verpflichtung, Tiere vor Schäden und Schmerzen zu bewahren. Bei Nichteinhaltung drohen Sanktionen.

Stefan Tretropp

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