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Weniger Firmen an Bord — dafür mehr Radler

Warnemünde Weniger Firmen an Bord — dafür mehr Radler

Unternehmen passen sich veränderten Bedingungen an. Die Saison 2013 war für sie jedoch erfolgreich. In den Wintermodus wird im November umgeschaltet.

Warnemünde. Reiner Möller, Inhaber der Fahrgastschifffahrt „Käpp‘n Brass“, kann die zu Ende gehende Saison nur in höchsten Tönen loben. „Was das Wetter und den Zuspruch der Gäste betrifft, war es ein Supersommer“, sagt er. Und dennoch sieht er sein Geschäft in schwerer werdendem Fahrwasser. Sein Geschäft ändert notgedrungen die Gestalt: „Wir haben früher regelmäßig Gruppenreisen von Unternehmen veranstaltet. Doch die Betriebe werden zurückhaltender.“ Seien es vor wenigen Jahren noch regelmäßig zwei bis drei Betriebsausflüge pro Woche gewesen, die seinen Umsatz mitbestimmten, so ständen inzwischen nicht mal zwei bis drei pro Monat im Kalender.

Möller ist vor allem sauer, dass Betriebe Dampferausflüge nicht von der Steuer absetzen können. „Wenn ein Unternehmer mit seinen Gästen zu einem Hansa-Spiel geht, dann kann er das absetzen. Einen Ausflug mit uns nicht.“

Ungeachtet dessen habe er den Neubau des zurzeit größten und modernsten Schiffs am Alten Strom, der „Ostseebad Warnemünde“ aber nicht bereut. Die Kapazität des Fahrzeugs zielt besonders auf Gruppenfahrten. Seit der Indienststellung vor wenigen Monaten ziehe die „Ostseebad Warnemünde“ die Massen regelrecht an, und auch der Reeder selbst gerät noch immer ins Schwärmen, wenn die Rede aufs Schiff gelenkt wird. Wie sich die Indienststellung allerdings wirtschaftlich auswirkt, kann Möller noch nicht sagen. „Wir müssen dazu erst einmal das Jahr abwarten“, sagt Silvia Grahl, Büro- Chefin der Reederei. Große Fahrgastzahlen seien schließlich nicht der alleinige Faktor der betriebswirtschaftlichen Rechnung. Das Schiff sei eine Neuanschaffung, und seine Größe bedeute auch höhere Kosten.

Ein erheblicher Faktor des unternehmerischen Erfolgs der Branche seien auch die Fahrgastpreise. „Nirgendwo rundherum ist eine Hafenrundfahrt für die Gäste so günstig wie in Warnemünde“, sagt er. Als Grund nennt er die Konkurrenz-Situation. „In Wismar gibt es nur einen Anbieter. Hier sind mehrere Unternehmer mit einer ganzen Reihe von Fahrgastschiffen.“ Der lachende Dritte? Sei der Fahrgast.

Ein wenig anders bewertet Achim Krüger, Inhaber der Baltic Schifffahrt und Touristik GmbH, die Saison. Am Ende könnte das Jahr zwar aus seiner Sicht zu den besseren zählen. „Doch denken wir mal zurück. Ostern hatten wir noch Schnee, es lief alles sehr schleppend an.“ Wenn das Wetter weiter so gut bleibe wie seit Wochen, könnten die Defizite am Ende wettgemacht sein.

Krüger gehört nicht zu den unmittelbaren Konkurrenten Möllers. Er bietet Fahrten mit der MS „Baltica“ zwischen Kühlungsborn und Warnemünde an. „Die Verbindung ist etabliert, und wir denken nicht daran, etwas zu verändern“, so Krüger. Worauf er sich aber zunehmend einstellen müsse, seien die Gäste, die eine Tour mit dem Schiff bewältigen und die andere mit dem Rad fahren wollten. „Das hat stark zugenommen. Wir haben zum Glück die Möglichkeit, bis zu 50 Räder mit an Bord zu nehmen.“

Für die Dampferfahrer beginnt nun eine etwas ruhigere Zeit. In den Wintermodus wird aber erst im November umgestellt. Dann fährt die „Baltica“ nicht mehr täglich ins benachbarte Ostseebad.

 

Achim Treder

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