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Rostock Warnemünder Woche soll Hanse Sail überflügeln
Mecklenburg Rostock Warnemünder Woche soll Hanse Sail überflügeln
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08:00 03.12.2018
Die Segelregatten sind das Herzstück der Warnemünder Woche. Einen Großteil der Organisation sollen nun Profis übernehmen (Symbolbild). Quelle: Pepe Hartmann
Rostock

Nur die Hanse Sail und der Weihnachtsmarkt locken noch mehr Besucher noch Rostock: Mit knapp 650 000 Besuchern ist die Warnemünder Woche seit Jahren eine der größten und wichtigsten Veranstaltungen in ganz MV. In der Segel-Szene zählt das Fest sogar international zu den ganzen große Events. Und das Besondere daran: Organisiert wird das Ganze von Ehrenamtlern. Bisher jedenfalls: Denn nun soll der Warnemünder Segler-Club die Verantwortung für „seine“ Woche abgeben. Die Organisation sollen „Profis“ übernehmen, in der Tourismuszentrale der Stadt. Das Ziel: Wachstum für die Warnemünder Woche und – in ferner Zukunft – olympisches Segeln vor Rostock.

Mehr als 700 000 Gäste haben die Festwoche im Ostseebad besucht. Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit.

Ehrenamtler stoßen an ihre Grenzen

Dass sich bei der Warnemünder Woche etwas verändern muss – das ist den Verantwortlichen auf allen Seiten seit Jahren klar. Immer wieder gab es Diskussionen über das Landprogramm, die Festmeile, die Regatten und auch die Struktur. Bereits Ende vergangenen Jahres wurde über die Gründung einer eigenen Gesellschaft für die Segel-Woche beraten – über eine gemeinnützige Regatta GmbH. Doch gegen diesen Schritt gab es rechtliche Bedenken, vor allem aus dem Schweriner Innenministerium. Also soll nun die Tourismuszentrale stärker als bisher für das Segel-Fest Verantwortung übernehmen. Dort gibt es bereits ein „Warnemünder Woche“-Büro, besetzt mit einer Vollzeitstelle und vor allem mit dem Marketing der Veranstaltung sowie der Koordination der vielen ehrenamtlichen Akteure an Land befasst. In diesem Büro sollen nun weitere Stellen geschaffen werden, finanziert mit 150 000 Euro pro Jahr aus der Stadtkasse.

Wer nun aber glaubt, die Segler fühlten sich „ausgebootet“, der irrt. Der Warnemünder Segel-Club (WSC) selbst ist treibende Kraft hinter dem Schritt: „Die Organisation der Warnemünder Woche ist ein riesiger logistischer Aufwand. Jedes Jahr ein Kraftakt“, sagt WSC-Vereinschef Torsten Schranck erst vor wenigen Tagen vor dem Tourismusausschuss der Bürgerschaft. „Wir befassen uns fast das ganze Jahr über ,nur’ mit der Segel-Woche und pfeifen aus dem letzten Loch.“ Dadurch komme der eigentlich Sport im Verein und auch die Jugendarbeit zu kurz. Tourismuschef Matthias Fromm: „Wir wollen den Ehrenamtler nichts wegnehmen, sondern sie entlasten. Organisatorisch und finanzielle Aufwand wird von Jahr zu Jahr größer.“ Im vergangenen Jahr nahmen 2000 Sportler aus 36 Nationen an den Regatten teil.

Rund eine Millionen Besucher werden zur Hanse Sail 2018 im Stadthafen und in Warnemünde erwartet. Wir haben in einer Galerie die schönsten Impressionen vom Fest eingefangen.

Kurs: Wachstum

Ausrichter der Regatten werden weiterhin die Verein – der WSC zum Beispiel – sein. „Anders geht es nicht. Nur Vereine dürfen offizielle Wettfahrten ausschreiben und Startgeld verlangen“, sagt WSC-Chef Schranck. Rund 200 000 Euro nimmt der Verein pro Warnemünder Woche ein – Teilnehmergebühren, Sponsoren-Gelder. Dieses Geld geht künftig an die Tourismuszentrale. Damit dort die Organisation übernommen wird. „Dieser Weg ist der effizienteste“, sagt Tourismuschef Fromm. „Wir bauen auf bestehenden Strukturen auf, geben unser Geld nicht für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus – sondern für die Warnemünder Woche.“ Bei einer GmbH wäre das zumindest zum Teil anders gewesen.

Doch: Das „Warnemünder Woche“-Büro soll sich nicht allein auf den Ist-Zustand konzentrieren. „Unser Ziel ist Wachstum“, sagt Fromm. Der Segelsport sei ein perspektivisch ein großer Wachstumsmarkt – auch für den Tourismus in Rostock. Zwei Millionen Euro zusätzliche Einnahmen bringt die Warnemünder Woche schon jetzt der Wirtschaft in der Hansestadt. Geld, das die Besucher in Hotels und Restaurants, aber auch im Einzelhandel ausgeben. Fromm ist überzeugt: Da ginge noch mehr. Mehr Besucher, mehr Sport, mehr wirtschaftlicher Erfolg. „Die Warnemünder Woche muss der Hanse Sail in Nichts nachstehen. Sie kann für Rostock auch touristisch und wirtschaftlich genau so bedeutend werden.“ Um das zu erreichen, sei eine hauptamtliche Organisation geradezu zwangsläufig nötig. Das beweise schließlich auch das Hanse Sail-Büro.

Mehr Regatten und Olympia

Auch sportlich soll die neue Struktur den Segel-Sport in Rostock voranbringen: „Wir haben eines der schönsten Segel-Reviere der Welt“, so Fromm und Schranck unisono. Das „Warnemünder Woche“-Büro soll deshalb mehr Segler und mehr Regatten in die Hansestadt und das Ostseebad holen. „Auch außerhalb der einen Woche des Jahres“, sagt Fromm. Bereits 2020 sollen bis zu drei überregionale Regatten zusätzlich ausgerichtet werden. Ab 2021 soll dann mindestens eine Europa- oder eine Weltmeisterschaft pro Jahr in Rostock ausgetragen werden. „Wir müssen nur auf Rostock stärker aufmerksam machen.“ Auch die anderen Segel-Vereine in der Stadt will Fromm einbeziehen: „Uns geht es um den Segelsport als Ganzes. Wir werden alle Vereine unterstützen. Sie sollen sich auf das Sportliche konzentrieren können.“

Am Ende des Prozesses steht ein großes Ziel, von dem die Hansestadt bereits vor mehr als zehn Jahren geträumt hat – leider vergebens: „Wir wollen uns als weltweit als Top-Regattastandort etablieren. Nur so haben wir auch eine Chance darauf, eines Tages vielleicht doch olympische Segelwettbewerbe bei uns austragen zu dürfen.“ Sowohl der Tourismus- als auch der Hauptausschuss der Bürgerschaft haben den neuen Plänen bereits zugestimmt. Das letzte Wort hat in dieser Woche aber die Bürgerschaft selbst.

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Andreas Meyer