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Rostock Warum hält unser Bus nicht am Friedhof?
Mecklenburg Rostock Warum hält unser Bus nicht am Friedhof?
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00:47 14.04.2018
Wir werden uns um eine Genehmigung bemühen.Simone Zabel Geschäftsführerin Rebus

Anni Schulz-Kloske und Renate Wellert sind sauer. Die Senioren aus Elmenhorst sind auf den Nahverkehr angewiesen, um ihre verstorbenen Männer auf dem Friedhof in Warnemünde zu besuchen. Doch ihr ohnehin schon nicht leichter Weg wird den beiden noch erschwert. Denn seit 2016 ist es nicht mehr möglich, mit dem Bus 119 an der Haltestelle „Warnemünde Friedhof“ anzuhalten, obwohl der Bus direkt daran vorbeifährt. Stattdessen müssen sie an der Haltestelle „Haus Stolteraa“ aussteigen, um mit dem Bus 37 zwei Haltestellen weiter zum Ziel zu gelangen. Zehn Minuten Umsteigezeit – im besten Fall. Doch das Umsteigen ist gerade für ältere Menschen beschwerlich.

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Seit 2016 haben Fahrgäste mit Rebus keine Möglichkeit am Warnemünder Friedhof zu halten

Anni Schulz-Kloske kann über den Fahrplan nur den Kopf schütteln. Vor fast einem Jahr ist ihr Mann gestorben. Seitdem fährt sie mehrmals die Woche zum Friedhof. „Ich kann wegen des Umsteigens meinen Rollator nicht mitnehmen“, sagt die 80-Jährige. „Es ist für uns unbegreiflich, dass eine sensible Haltestelle nicht mehr angefahren wird“, erzählt die 81-jährige Renate Wellert. Seit fünf Jahren ist ihr Mann tot. „Es bedeutet mir sehr viel, das Grab zu besuchen.“ Oft würde sie nervös werden, aus Angst, dass der nächste Bus ohne sie losfährt. „Da kann man in der Hektik schnell stolpern“, spricht sie eine Befürchtung aus.

Gerade in der Saison komme es häufiger vor, den Anschluss zu verpassen. Dann müssten sie lange warten. Oft eine halbe Stunde. „Das ist sehr, sehr beschwerlich“, sagt die Rentnerin. „Wenn im Sommer viele Fahrgäste nach Warnemünde fahren, schafft es der Busfahrer gar nicht pünktlich.“

In zwei Jahren hätten sie mehrfach Briefe an Rebus und Rostock geschrieben. Immer mit der Frage, warum man die Situation nicht ändern könnte. Doch bisher würden sich die Akteure gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Renate Wellert wollte schon aufgeben, doch mittlerweile kämpft Anni Schulz-Kloske für die Haltestelle am Friedhof. „Das sehe ich nicht ein. Das ist der größte Quatsch.“

„Wir bedauern sehr, dass unsere Busse an den besagten Haltestellen nicht mehr stoppen können“, sagt Simone Zabel, Geschäftsführerin Rebus Regionalbus Rostock GmbH auf Anfrage der OZ. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit der städtischen Verwaltung, um im Interesse der Fahrgäste und bei einem entsprechenden Bedarf Verbesserungen zu erzielen.“ Einige Haltestellen würde man inzwischen wieder anfahren können. Doch der Warnemünder Friedhof gehöre nicht dazu. „Wir werden uns auch in diesem Fall um eine erneute Genehmigung der Hansestadt bemühen.“

„Stadt und Landkreis müssen sich einigen, wir sind nicht die einzigen, die es betrifft“, betont Renate Wellert mehrfach und Anni Schulz-Kloske stimmt zu. Sie können nicht verstehen, warum der Bus nicht einfach auf Knopfdruck nach Bedarf weiterhin halten darf. „Rostock hat es abgelehnt. Da liegt der Hase im Pfeffer“, sagt Renate Wellert.

Denn die Stadt Rostock sieht den Bedarf nicht. „Die im Vorfeld durchgeführte Bewertung der Fahrgastzahlen ergab für die Bushaltestelle ,Friedhof’ in Warnemünde nur drei Einsteiger am Tag und keinen Aussteiger, weshalb die Haltestelle nicht als wichtig für Nutzer der Regionalbuslinien eingestuft wurde“, heißt es von Seiten der Verwaltung. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer. Die Stadt und der Landkreis würden in Kürze beginnen, den aktuellen Nahverkehrsplan zu überarbeiten. „Auch ein Vertreter des Seniorenbeirates wird darin mitarbeiten“, teilt das Rathaus mit. Doch bis es so weit ist, schließt die Stadt aus, dass Rebus die Bushaltestelle nutzen darf.

Johanna Hegermann

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