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Rostock Was bitte ist ein Entlastungsbetrag?
Mecklenburg Rostock Was bitte ist ein Entlastungsbetrag?
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16:16 13.04.2018
Zu „Niedrigschwellige Betreuungsangebote“ gehört zum Beispiel Bastel in der Tagespflege-Einrichtung. Quelle: Patrick Pleul
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Rostock

Wer sich im Internet über Pflege und Pflegeleistungen schlau macht, erhält viele Informationen. Tauchen aber konkrete Fragen auf, wird es oft unübersichtlich.

Speziell ist dies der Fall, wenn es um die sogenannten Entlastungsleistungen geht.

Konkret handelt es sich dabei monatlich um 125 Euro, die Pflegebedürftige (Pflegegrad 1 bis 5) seit Januar 2017 erhalten können. Und zwar für verschiedenste unterstützende Tätigkeiten, beispielsweise im Haushalt. Doch sieben von zehn betroffenen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern nutzen dieses Angebot nicht.

Laut einer Studie des Berliner Zentrums für Qualität und Pflege fühlen sich viele Menschen von den Informationen und aktuellen Regularien überfordert (siehe Kasten). Doch auch hierfür gibt es Hilfsangebote, beispielsweise spezielle Pflegeberatungen, die derzeit 15 Pflegestützpunkte in MV beraten die Bürger an 22 Standorten kostenlos. „Sie sind die ersten Anlaufstationen für alle Fragen rund um die Pflege im Land und helfen Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigkeiten in vielen Fragen“, erklärt die Schweriner Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen handelt es sich um zusätzliche Unterstützungsleistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Konkret übernehmen „Geschulte Ehrenamtliche“ oder professionelle Pfleger für einige Stunden pro Woche verschiedene Aufgaben. „So sind die Pflegebedürftigen gut versorgt und die Angehörigen können neue Kraft tanken“, sagt Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale MV.

Die Juristin erläutert die zwei Möglichkeiten. Zum einen können Pflegebedürftige selbst entscheiden, für welche Leistungen sie das Geld ausgeben möchten. Sie müssten dabei allerdings in Vorleistung gehen, die Rechnungen sammeln und sie dann bei der Pflegekasse einreichen. Zum anderen können die Betroffenen mithilfe einer Abtretungserklärung einen Pflege- oder Entlastungsdienst beauftragen.

Dieser rechnet die Leistungen direkt mit der Pflegeversicherung ab. Die Erkrankten müssten in diesem Fall nicht in Vorkasse gehen.

„Empfehlenswert ist jedoch die erste Variante. Dadurch können die Pflegebedürftigen sowie deren Angehörige Angebote umfassender vergleichen“, sagt die Fachfrau. Konkrete Leistungen können unter anderem Hilfe im Haushalt (beispielsweise Abwasch, Treppenreinigung, Fenster putzen), Spaziergänge im Park, Rehasport, aber auch Angebote in Tageseinrichtungen, wie Basteln, Singen und Buchlesungen, darstellen. Ebenso gehören das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten und das Tischdecken dazu.

Mit dem neuen Pflege-System rücken vor allem Pflegebedürftige mit demenziellen Erkrankungen, Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten stärker in den Blickpunkt. Vor 2017 wurden nur die körperlichen Gebrechen berücksichtigt. „Deshalb ist es beispielsweise für einen Demenzkranken heute einfacher, einen Pflegegrad und demnach mehr Hilfe zu bekommen“, erklärt die Verbraucherschützerin.

Welchen Pflegegrad der Betroffene erhält und somit Anspruch auf finanzielle Leistungen hat, entscheiden Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). Sie sollen überprüfen, ob eine Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes vorliegt.

„Der Besuch des MDK sollte gut vorbereitet sein. Zum Beispiel ist es ratsam, dass Betroffene und Angehörige alles aufschreiben, was in den vergangenen Wochen mit der Pflege des Patienten zu tun hatte“, erklärt Wiebke Cornelius. Auch Kopien von medizinischen Dokumenten zu Erkrankungen und Therapien sollten parat liegen.

Beratungen bieten die Pflegestützpunkte im Vorfeld an. Dort erfahren Ratsuchende, was für jeden noch so speziellen Fall zu beachten ist.

Pflegestärkungsgesetz II
Seit Anfang 2017 gilt das zweite Pflegestärkungsgesetz mit verbesserten Leistungen für Pflegebedürftige.
Die wichtigsten Änderungen betreffen die Einführung der Pflegegrade, eine grundlegend veränderte Form der Begutachtung und verbesserte Leistungen.
Bürger mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen sowie vor allem demenziell erkrankte Menschen erhalten nach dem geänderten Gesetz einen gleichberechtigten Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung.
Die Pflegebedürftigkeit orientiert sich seit 2017 nicht mehr daran, wie viel Zeit ein Mensch am Tag an Hilfe benötigt, sondern im Wesentlichen daran, wie selbstständig der Alltag bewältigt werden kann, welche Fähigkeiten noch vorhanden sind und wie viel personelle Unterstützung dafür notwendig ist.

Fünf Pflegegrade
Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten (Beispiel: motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten)
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung (Beispiel: Wie selbstständig kann der Begutachtete noch seinen Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen?)
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung (Beispiel: Selbstständigkeit wenig vorhanden)
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung (Beispiel: Selbstständigkeit kaum vorhanden)
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (Beispiel: Einschränkung der Alltagskompetenz und gleichzeitig hochgradig körperlich beeinträchtigt)

Übergangsregel
Eine Übergangsregel gilt für nicht in Anspruch genommene Entlastungsleistungen aus den Jahren 2015 und 2016. Diese können noch bis zum 31. Dezember 2018 genutzt werden. Pflegebedürftige, die in den Jahren 2015 und 2016 den Entlastungsbetrag von ehemals 104 Euro beziehungsweise 208 Euro nicht vollständig ausgeschöpft haben, können diesen Überschuss also noch in diesem Jahr für Unterstützungsleistungen im Alltag ausgeben.

Mathias Otto

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