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Rostock Wassermühlen klappern lange nicht mehr
Mecklenburg Rostock Wassermühlen klappern lange nicht mehr
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00:05 14.01.2015
Die Vicke-Schorler-Rolle aus dem 16. Jahrhundert zeigt eine ganze Reihe von Windmühlen in Rostock.

Das Klappern von Wassermühlen in Rostock ist lange verstummt. Nur wenige Windmühlen sind in ihrer technischen Schönheit in und um die Hansestadt herum zu sehen. Ihre Mahlwerke, wenn noch vorhanden, haben den Dienst aufgegeben. Das Müllerhandwerk ist fast ausgestorben und industrielle Großmühlen, elektrisch betrieben, produzieren das Mehl.

Bereits aus dem 13. Jahrhundert gibt es Kunde über sechs und mehr Wassermühlen am Mühlendamm. 1871 werden zwei Mühlen mit vier und acht Gängen genannt. Die heute zu einem exklusiven Wohnstandort umgewandelte Mühle stammte von 1857. In dieser Zeit werden auch drei Windmühlen vor dem Kröpeliner Tor mit zehn Mehl- und drei Graupengängen genannt. Auch vor dem Steintor stand eine.

Vicke Schorler, der von 1578 bis 1586 die „Wahrhaftige Abcontrafractur . . .“ seiner Heimatstadt schuf, zeichnete auch die Wassermühlen vor dem Kröpeliner Tor, die vier Holländerbockmühlen auf dem Kalvarienberg und die Kayenmühle in Bramow. Letztere arbeitete vom 14. bis ins 20. Jahrhundert. Viele Windmühlen in und um Rostock stammten aus dem 19. Jahrhundert. So wurde die Neversche „Küstenmühle“ am Fischländer Weg vor Neu Hinrichsdorf 1832 errichtet.

Meyers Galerieholländer in Warnemünde von 1866 ist heute ebenso Gaststätte wie die Dierkower Holländermühle von 1880. Diese, an Stelle des abgebrannten Vorgängers errichtet als „Mühle Anna-Maria“, war bis 1995 im Betrieb. Sie trägt auch den Müllergruß „Glück zu!“ als Schriftzug. Die beiden Lichtenhäger Mühlen von 1836 und 1897 sind heute Atelier und Wohnung.

Für das 17. und 18. Jahrhundert werden für Mecklenburg und Vorpommern etwa 3000 Mühlen genannt, in und um Rostock 38. Noch in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden 50 gezählt. Auch in Graal-Müritz, bei Rövershagen und in Neu Thulendorf sind sie noch zu finden.

In Blankenhagen wird die Holländermühle, zu DDR-Zeiten Sternwarte, privat erhalten. Nicht mehr vorhanden ist der Galerieholländer in Rostocks Schwaaner Landstraße. Die Conrady-Mühle, nach Müller Carl-August Conrady benannt, wurde 1864 errichtet und arbeitete zunächst als Knochen- und Lohmühle.

Als modernste Getreidemühle mit acht Walzenstühlen war sie bis 1993 in Betrieb, wobei 1987 bis zu 20 Tonnen Getreide am Tag vermahlen wurden. Für ein Wohnviertel erfolgte 2001 der Abriss der Mühle.

In letzter Sekunde konnte der untere Teil, der „Achtkant“, gerettet werden. Er steht nun bei Eckernförde in einem Mühlenpark.



jf

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