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Wassersportler gefangen auf der Warnow

Stadtmitte Wassersportler gefangen auf der Warnow

Angelvereine und Kanuten in Angst vor einem Mühlendamm ohne Schleuse — Hilfe ist derzeit nicht in Sicht.

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„Wir wären doch komplett von unserem Angelrevier abgeschnitten“, sagt Gerhard Mund (76) und zeigt die Petition.

Quelle: OVE ARSCHOLL

Stadtmitte. Der Bund will die Schleuse am Mühlendamm nicht mehr sanieren. Sie wird aus seiner Sicht nicht mehr benötigt. Auch das Land scheint an der Wasserstraße nicht interessiert zu sein — und die Hansestadt hat kein Geld, um die Schleuse zu sanieren. So bleibt sie wohl dicht. Darüber sind die Mitglieder der zahlreichen Sport-, Angel- und Freizeitvereine entlang der Warnow maßlos empört.

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„Wir wären doch komplett von unserem Angelrevier abgeschnitten“, sagt Gerhard Mund (76) und zeigt die Petition.

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Die Vertreter der drei Angelvereine „Mühlendamm“, „Warnowinsel“ und „Oberwarnow“ geben in der kommenden Woche eine Petition mit den Unterschriften aller Vereinsmitglieder im Rathaus ab. Sie fordern den Zugang zur Unterwarnow. Denn sonst sei ihre Vereinstätigkeit, ihr Angelsport in Gefahr.

„Ich bin fassungslos, das geht doch nicht, wir wären doch komplett von unserem Angelrevier abgeschnitten“, fasst Gerhard Mund das Dilemma zusammen. Der 76-Jährige gehört zu denen, die den Verein mit aufgebaut haben, er war selbst 25 Jahre lang Vereinsvorsitzender. Die 76 Boote nur dieses einen Vereins wären quasi auf der Warnowinsel gefangen, denn auf der Oberwarnow dürfen nun mal keine Motorboote fahren. Martin Hein, Vorsitzender des Kreisanglerverbands der Hansestadt, schätzt die Situation ähnlich ein. „Die Angelvereine von der Oberwarnow würden festsitzen, eine solche Einschränkung ist nicht zu akzeptieren“, sagt er.

Der Schnitt zwischen Ober- und Unterwarnow trifft auch die Kanu- und Rudervereine. „Wir haben 350 Mitglieder, davon sind 60 Kinder, die können nicht einfach ihr Kanu schultern und über die vielbefahrene Straße laufen“, sagt Mathias Everartz, Vorsitzender des Rostocker Kanu-Clubs. „Für uns zählt nur eine Schleuse, sie kann auch gern etwas kleiner sein“, sagt Everartz deutlich — die Schleuse sei für seinen Verein alternativlos. Die Kanuten kämen sonst nicht mehr zu den vermessenen Regattastrecken auf der Unterwarnow. Und die Motorboote, die zum Training der Wettkampfsportler benötigt werden, kämen von ihren Plätzen auf der Unterwarnow nicht hinter die Schleuse. Sie zu schließen, sei schlichtweg eine „Sauerei“. Zumal seit Jahren der Zuspruch für den Kanu- und Rudersport wachse. „Uns wird das Ruderrevier erheblich beschnitten“, sagt auch Olaf Schwittlick, der die Abteilung Rudern der Hochschulsportgemeinschaft (HSG) leitet. Die Schleuse mache die Ruderer unabhängig, denn man weiche auf die ruhigere Oberwarnow aus, wenn das Wetter nördlich der Schleuse zu rau sei.

Auch der Verein Kanufreunde Rostocker Greif schleust vor allem seine Kinder gern auf die obere Warnow. Dort ist es naturbelassener, ruhiger, und dort gibt es eben auch keine Motorboote.

Sorge auch in der Kommunalpolitik. „Wenn der Kinder- und Jugendsport beeinträchtigt wird, können wir uns mit einer geschlossenen Schleuse nicht abfinden“, so Barbara Cornelius (SPD), Chefin im Sportausschuss der Bürgerschaft. „Wenn der Damm steht, ist es endgültig.“ Die Stadt sei bereit, versichert Tiefbauamtsleiter Heiko Tiburtius, eine sanierte Schleuse zu übernehmen und zu betreiben.

„Dazu stehen wir nach wie vor.“ Doch da der Bund kein Geld mehr in die Schleuse stecken will, werde sie wohl dauerhaft zubleiben.

Die OZ lädt zum Forum ein
Zu einem öffentlichen Forum über die mögliche Zukunft der Schleuse am Mühlendamm lädt die OSTSEE-ZEITUNG am Donnerstag, 25. April, ab 18 Uhr ein. Ort: das Areal des Rostocker Kanuclubs direkt neben der Schleuse. Wir wollen mit Vertretern aus Politik und Verwaltung, von Wasser- und Schifffahrtsamt sowie Vereinen darüber diskutieren, welche Varianten für die Bebauung möglich sind — und welche Konsequenzen eine Schließung der Schleuse hätte. Interessierte sind willkommen! Ein öffentlicher Parkplatz befindet sich direkt gegenüber vom Flussbad.
Täglich 47 000 Autos
Die geplante Warnowbrücke am Mühlendamm ist das größte noch offene städtische Straßenbauprojekt. Sie soll vier bis fünf Millionen Euro kosten. Täglich fahren rund 47 000 Autos über diese Verkehrsader von der Autobahn 19 in Richtung Innenstadt. Ein einfacher Damm wäre kostengünstiger, aber auch sehr teuer, denn die Gründung des Bauwerkes ist aufwendig.

Die Schleusenbrücke wurde in den letzten Kriegstagen gesprengt und riss dabei einen russischen Panzer mit ins Wasser. Auf die rund 135 Jahre alten Fundamente wurde nach dem Krieg eine neue Brücke gebaut, die seit Jahren nicht mehr voll belastet werden durfte.

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Thomas Sternberg

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