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Rostock Wie ich mich in die Schneekönigin verwandle
Mecklenburg Rostock Wie ich mich in die Schneekönigin verwandle
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19:16 30.11.2018
Maskenbildnerin Michaela Schroeckh verwandelt Schauspielerin Juschka Spitzer in "Die Schneekönigin". Quelle: OVE ARSCHOLL
Hansaviertel

Das hat die Märchenwelt noch nicht gesehen: Die Schneekönigin sitzt, eingemummelt im rotkarierten Bademantel, auf einem Schminkstuhl und lässt sich die goldblonde Mähne zu kleine Dutts am Kopf aufstecken. Die sonst so unterkühlte Schönheit lacht und ist zum Plaudern aufgelegt. Was bitte läuft denn hier verkehrt? Nichts! Denn hier lässt sich eine Frau aufbrezeln, die erst noch Märchenfigur werden will: Juschka Spitzer (49) ist Schauspielerin am Rostocker Volkstheater und gibt im diesjährigen Weihnachtsmärchen „Die Schneekönigin“ die Titelrolle.

Damit ihr Anblick das Publikum schön frösteln lässt, muss Michaela Schroeckh reichlich Schminke auftragen. Mit Pinsel und Schwämmchen tupft die Maskenbildnerin helles Make-up auf Juschka Spitzers Stirn. Der Teint wird bleich wie Alabaster. Die Augenlider werden in Silber- und Eisblau schattiert. Jeder Pinselstrich ist wohl überlegt. „So viele Proben für eine Maske hatte ich bislang noch nie“, erzählt Julia Spitzer und lacht. Die Detailliebe hat ihren Sinn. Die Maske hilft der Schauspielerin dabei, sich in ihre Rolle als Schneekönigin einzufühlen. „Wir wollten, dass sie fremd wirkt, ein bisschen wie von außerhalb der Erde.“ Eine Gratwanderung. Wenn die Kinder sie über die Bühne schweben sehen, sollen sie fasziniert sein. „Aber ich will sie nicht erschrecken.“

Juschka Spitzer ist schon in manch märchenhafte Rolle geschlüpft. Seit vier Jahren gehört sie zum Ensemble des Volkstheaters. Zuletzt machte sie als böse Stiefmutter Aschenputtel das Leben schwer. Wobei die gar nicht so böse sei, meint Juschka Spitzer. „Sie setzt ihre Interessen durch.“ Das habe sie mit der Schneekönigin gemein. „Ich mag solche starken Charaktere. Sie zu spielen, macht viel mehr Spaß, als die Prinzessin zu sein.“

Im diesjährigen Weihnachtsmärchen kann Juschka Spitzer beides haben: ein willensstarkes Wesen und Glamouroptik wie bei Hofe. Für Letzteres klebt Michaela Schroeckh der Darstellerin falsche Wimpern an, die wie Lametta glänzen. Die Wangen werden mit Glitter bestäubt, die Lippen bekommen roten Gloss. Nach einer Viertelstunde ist das Make-up perfekt. Die Krone, die im Regal überm Schminktisch auf einem Puppenkopf funkelt, aber muss warten. Mit Bademantel und Perückenhaube eilt Juschka Spitzer zum Soundcheck auf die Bühne, um kurz darauf in der Garderobe zu verschwinden. Im knielangen Paillettenkleid und mit strasssteinbesetzen Pumps geht’s dann wieder in die Maske, zur Krönung.

So sieht es aus, wenn die Schauspielerin in der Maske in ihre Rolle schlüpft.

Juschka Spitzer liebt Märchen. „Sie geben auch uns Erwachsenen die Chance, mal wieder Kind zu sein.“ Mit den Erzählungen verbindet sie schöne Erinnerungen. „Ich hab’ sie früher oft meinem Sohn vorgelesen. Mittlerweile ist er 17, also in einem Alter, wo das nicht mehr so spannend ist. Aber das kommt wieder.“ Sie selbst tauche gern in Fantasiewelten ab, im wahrsten Sinne des Wortes. „Die kleine Meerjungfrau ist mein Lieblingsmärchen.“ Aber auch für weihnachtliche Film-Klassiker aus Russland wie „Vätchen Frost – Abenteuer im Zauberwald“ schwärmt sie. „Ich schalte den Kinderkanal ein, mache es mir auf der Couch gemütlich, dazu eine Tasse Kaffee – wunderbar. Dabei kann ich gut entspannen“, verrät sie. Viel Zeit dafür wird ihr in den kommenden Wochen jedoch nicht bleiben.

Bis einschließlich erstem Weihnachtsfeiertag gibt sie bis zu drei Mal täglich die Schneekönigin. Und nicht nur die: Die Rolle der Blumenfrau und der Räubermutter übernimmt sie ebenfalls. Drei Mal muss sie sich während des Stückes umziehen. Dafür bleiben ihr nur Minuten. Zum Umschminken reicht das nicht. Die Theaterleute tricksen völlig unverfroren. Als Räubermutter tauscht Juschka Spitzer die Krone gegen Chapka und Sonnenbrille ein, als Blumenfee trägt sie eine grüne, mit Kunstblüten besetzte Perücke. „Ich bin gespannt, ob die Kinder merken, dass hinter den drei Figuren ein und die selbe Person steckt“, sagt Juschka Spitzer. Bei der Premiere hat sich das Publikum verzaubern lassen. Am 1. Advent soll das erneut gelingen. Dann heißt es zum zweiten mal: Bühne frei für „Die Schneekönigin“.

Spielplan für „Schneekönigin“

„Die Schneekönigin“ – das Weihnachtsmärchen nach Hans Christian Andersen – wird im Großen Haus des Volkstheaters Rostock aufgeführt und ist dort bis 26. Dezember zu sehen. Die nächsten Termine:

Sonntag, 2.12., ab 11 Uhr und 16 Uhr; Montag 3.12., ab 9 Uhr; Dienstag, 4.12., ab 10 Uhr; Mittwoch, 5.12., ab 10 Uhr; Donnerstag, 6.12., ab 10 Uhr; Freitag, 7.12., ab 9 Uhr; Montag, 10.12., ab 9 Uhr, 11 Uhr und 13 Uhr

Karten gibt es ab 17,21 Euro (Kinder 10,61 Euro) im OZ-Service-Center (Richard-Wagner-Str. 1a), bei der OZ-Tickethotline unter 0381/38303017 und online im OZ-Ticketshop www.oz-tickets.de

Weitere Vorstellungen: www.volkstheater-rostock.de

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