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Rostock Wie der Großvater in der Nussschale über den Ozean
Mecklenburg Rostock Wie der Großvater in der Nussschale über den Ozean
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00:00 14.03.2013
Szene aus dem neuen Kon-Tiki-Film: 65 Jahre nach der legend�ren Pazifik-�berquerung des Norwegers Heyerdahl werden auf dem Balsaflo� mit der Holzh�tte drauf wieder die Leinen losgemacht. Quelle: Carl Christian Raabe/Nordisk Film

StadtmitteStrahlende Augen, gewinnendes Lächeln: Olav Heyerdahl, der Enkel des norwegischen Pazifik-Überquerers Thor Heyerdahl, hat den Charme seines Großvaters geerbt. Und die Abenteuerlust. Auch der 1977 geborene Enkel hat sich in einer wackeligen Nussschale auf den Ozean gewagt. So wie vor fast 70 Jahren der Großvater bei seiner Reise von Peru nach Polynesien. Die Macher des Kinofilms über Heyerdahls Abenteuer haben sich das handgezimmerte Boot des Enkels geborgt. In Norwegen ist „Kon-Tiki" so erfolgreich gestartet wie kein Film zuvor. Am 21. März kommt er in die deutschen Kinos, am 19. März ist er schon in Rostock zu sehen.

OSTSEE-ZEITUNG: Sie sehen Ihrem Großvater erstaunlich ähnlich, werden Sie oft darauf angesprochen?

Olav Heyerdahl: Ja, man sagt mir, ich sehe aus wie mein Großvater zu der Zeit, als er mit der „Kon-Tiki“ den Pazifik überquerte.

OZ: Wie finden Sie den Film?

Heyerdahl: Der Film handelt von meinem Großvater und seiner Frau. Deswegen verbinden sich damit viele persönliche Gefühle. Ich wuchs mit der Geschichte auf. Ich denke, es ist ein wunderschön gemachter, erstaunlicher Film.

OZ: Streckenweise hat man den Eindruck, eine Verfilmung der Odyssee zu sehen. Lehnt sich der Film eigentlich stark an die Realität der Expedition von 1947 an?

Heyerdahl: Ich denke, es ist tatsächlich ganz nahe an den Ereignissen von vor fast 70 Jahren.

OZ: Sie selbst sind ein Abenteurer?

Heyerdahl: Ich habe 2006 eine Expedition unternommen. Mit dem Floß, das im Film verwendet wurde, habe ich selbst den Pazifik überquert. Es ist ganz eng an das Originalfloß meines Großvaters angelehnt. Ich habe es gebaut.

OZ: Sind auch Sie unterwegs vielen Haien begegnet?

Heyerdahl: Nein, wir haben die Expedition unternommen, um zu sehen, wie sich das Meer verändert hat. Die „Kon-Tiki“ vor 70 Jahren war die ganze Zeit von einer Menge Haie umkreist worden, wir begegneten während der dreimonatigen Fahrt lediglich viermal Haien. Der Ozean ist praktisch leer. Dafür hatten wir einen breiten Gürtel mit Plastikabfällen zu überqueren.

OZ: Wer nur Thor Heyerdahls Buch über das Kon-Tiki-Abenteuer kennt, das weltweit mehr als fünf Millionen Mal verkauft wurde, weiß nicht, dass gleich nach der Expedition die Ehe Ihrer Großeltern in die Brüche ging. Verbindet Ihre Familie Kon-Tiki auch mit Tragik?

Heyerdahl: Ja, mein Vater war ungefähr neun Jahre alt, als mein Großvater aufbrach, mein Onkel war sieben. Großvater machte sich einfach auf und davon, um seine Sachen zu machen. Für meine Großmutter war das sehr schwer. Die beiden trennten sich nach der Expedition, weil mein Großvater extrem egozentrisch war. Er wollte die Dinge machen, von denen er träumte.

OZ: Ähneln Sie ihm auch darin?

Heyerdahl: Nein, ich hoffe nicht. Ich bin nicht wie er.

OZ: Wie erlebten Sie Ihren Großvater? Viele Jungs träumen davon, einen Abenteurer und Weltenbummler als Großvater zu haben.

Heyerdahl: Ich wurde 1977 geboren. Er war zu dieser Zeit bereits ein sehr berühmter Mann. Natürlich war es etwas Besonderes, sein Enkel zu sein, zum Beispiel waren wir mehrfach ins Königshaus eingeladen. Wir bereisten die Welt, um ihn in archäologischen Stätten zu besuchen.

OZ:Involvierte Ihr Großvater Sie in seine Forschungen und Expeditionen?

Heyerdahl: Nicht sehr. Über die Vergangenheit sprach er nie, er war immer auf neue Abenteuer, neue Bücher, neue Geschichten fokussiert.

OZ: Haben Sie auch das Interesse an der Wissenschaft geerbt?

Heyerdahl: Nein. Ich bin Zimmermann und habe einen Abschluss als Konstruktionsingenieur.

OZ: Sie besitzen also die perfekte Voraussetzung, um Kon-Tikis nachzubauen.

Heyerdahl: Mein Großvater war mit dem Ergebnis damals nicht zufrieden gewesen, denn er hatte das Floß nicht steuern können. Er hat dann in den Jahren nach der Expedition viele Studien gemacht. Wir bauten das Boot so, wie es mein Großvater heute gebaut hätte.

OZ: Thor Heyerdahl setzte sich in ein archaisches Floß, dessen hohle Balsaholz-Stämme lediglich mit Tauen verzurrt waren. Er begab sich damit auf hohe See, ohne schwimmen zu können. Hat er später schwimmen gelernt?

Heyerdahl: Er war nie ein guter Schwimmer.

OZ: Und Sie?

Heyerdahl: Ich liebe den Ozean, ich bin leidenschaftlicher Taucher.

Die OSTSEE-ZEITUNG verlost Karten
Vor dem offiziellen Kinostart am 21. März präsentieren das Hanse-Sail-Büro und die OSTSEE-ZEITUNG mit dem Filmverleih DCM am 19. März um 20 Uhr im Cinestar Capitol die Preview des norwegischen Spielfilms „Kon-Tiki“. Als Einstimmung wird Dominique Görlitz, langjähriger Freund und Nachfolger Thor Heyerdahls, von seiner Expedition mit dem Schilfboot „Abora“ über den Atlantik berichten. Der junge Thor Heyerdahl überquert 1947 auf einem selbst gebauten Floß aus Balsa-Hölzern, genannt „Kon-Tiki“, den pazifischen Ozean — mit ungewissem Ausgang. Die riskante Forschungsreise ist für den Norweger die einzig reale Chance, seine revolutionäre Theorie zu beweisen: Polynesien wurde vor 1500 Jahren zuerst — und zwar genau mit einem solchen Floß — von Südamerika aus besiedelt. Damit stellt er sich nicht nur gegen die gesamte Fachwelt, Heyerdahl setzt sein Leben aufs Spiel — und seine große Liebe.

Die OZ verlost heute 80 Karten für die Preview am 19. März. Wer zwei oder auch vier Karten gewinnen möchte, ruft um 11 Uhr unter ☎ 0381/365 328 an.

Interview von Johanna Di Blasi