Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Wie ich mit Marteria vor 32 000 Fans rappte
Mecklenburg Rostock Wie ich mit Marteria vor 32 000 Fans rappte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 17.09.2018
Als Teenies haben sie zusammen im Kinderzimmer gerappt, jetzt brachten sie im Ostseestadion 32000 Fans zum toben: Gabreal und Marteria Quelle: privat
Rostock

Der Beat knallt derbe. 32 000 Fans gehen ab. Das ausverkaufte Ostseestadion bebt. Marteria heizt die Massen an. Sie sollen seine Homies feiern – die Jungs, mit denen Rostocks Lieblingsreimer seine Hip-Hop-Karriere begann. Gabriel Rath aka Gabreal läuft durch den Tunnel zur Bühne, das Mikrofon in der Hand, im Kopf die Zeilen, die er gleich rappen soll. Jetzt gilt’s – raus da und den Leuten geben, was sie hören wollen. Jedes Wort schlägt ein, dann rappen alle: „R-O-S-T-O...C-K!“

Rapper, Blogger, Familienvater, Sparkassen-Mann: Gabrial Rath aka Gabreal „lebt lieber ungewöhnlich“. Als Teenie hat er mit Marteria im Kinderzimmer die ersten Freestyles aufgenommen. Jetzt standen sie gemeinsam auf der Bühne - vor 32000 Fans.

„Das war ein absoluter Traum. Es hat sich angefühlt wie ein Fallschirmsprung: Der Körper sagt nein, aber der Kopf sagt ja.“ Gabriel Rath schmunzelt, als er an diesen „epischen Abend“ zurück denkt. Wer ihn an diesem Morgen – rund zwei Wochen nach der Show seines Lebens – sieht, erkennt den Rapper erst auf den zweiten Blick. Der 38-Jährige trägt Anzug und Hemd, als er im Café Lotte sitzt und Zucker in seinen Kaffee Crema rührt. Er muss gleich zur Arbeit – in der Ostseesparkasse. Wo bitte? „Ja, das überrascht viele“, sagt der Rostocker und lacht. Mancher Kollege wiederum könne ihn sich schwer als Gabreal vorstellen.

Rapper ohne Gangster-Attitüde

Dabei hat er sich in der Hip-Hop-Szene längst einen Namen gemacht. Zwei Alben und vier Mix-Tapes hat Gabreal bislang rausgebracht, gab Gigs vor bis zu 2000 Leuten. Seine Fans feiern ihn für seinen Flow, wie sich das perfekte Zusammenspiel von Stimme, Beat und Melodie im Hip-Hop-Jargon nennt, und seine glaubwürdigen Texte. Letztere sind aus dem Leben gegriffen. „Ich will Geschichten erzählen“, sagt Gabriel Rath. Gemein haben diese eine Botschaft: „Egal, wie es gerade bei dir läuft, du kannst dein Leben jederzeit ändern, wenn du willst. Die Welt gehört dir“, sagt Rath. Gangster-Attitüde? Nicht sein Ding. „Ich muss heute niemandem mehr was beweisen. Aber früher sind wir tatsächlich alle rumgelaufen, als kämen wir aus der Bronx“, scherzt er.

Freestylen im Kinderzimmer mit Marteria

Früher – das ist Mitte der 1990er. US-Hip-Hop erlebt gerade seine zweite goldene Ära und in seinem Kinderzimmer rappt der 15-jähriger Gabriel Rath die Texte von Ice-T und Warren G mit. Er beginnt, selbst zu texten. Wenig später sitzt er mit einem gewissen Marten Laciny vor der Hifi-Anlage und nimmt mit ihm eigene Freestyles auf Kassetten auf. Die Kumpels nennen sich Gabreal und Marteria und gründen die Rapcrew „Warn Direct“. Der Rest ist Musikgeschichte, die mit dem spektakulären Auftritt im Ostseestadion ihren vorläufigen Höhepunkt findet.

„Unglaublich, wie weit wir gekommen sind.“ Gedankenversunken lächelt Gabriel Rath in seine Kaffeetasse. „Als Jungs haben wir davon geträumt, dass wir groß rauskommen. Ich freu’ mich extrem für Marten, dass er es geschafft hat. Bei mir hat’s nicht gereicht, aber ich bin trotzdem glücklich.“

Das Netz ist seine zweite Bühne

Kein Wunder, über Langeweile kann er sich nicht beklagen. Das Leben meint es gut mit ihm. Gabriel Rath ist verheiratet, hat zwei Töchter (5 und 8), das dritte Mädchen wird im Januar geboren. „Ich hab’ jetzt schon nichts zu melden“, lacht er. Am Familienleben lässt der Herzblutpapa die ganze Welt teilhaben – durch seine Musik und online in seinem Blog „Daddymodus“. Die Worte scheinen dem Rostocker nie auszugehen. Auf gabrealness.com bloggt er über sein Musikerleben, auf gabrielrath.com über seinen Berufsalltag.

Das spielt sich gleichfalls digital ab. Bei der Ostseesparkasse kümmert er sich um den Bereich soziale Medien, baut den firmeneigenen Instagram-Kanal auf und reist auch schon mal mit Roboter Pepper zu Konferenzen. Das Biedermann-Klischee, das Sparkassenleuten oft anhaftet, will auf Gabriel Rath partout nicht passen. Cooles Rap-Konzert im Club, seriöser Geschäftstermin, Netzwerken mit anderen Papa-Bloggern – Rath lebt in drei Welten. „Ich denke nicht in Schubladen. Ich lebe lieber ungewöhnlich und mache, worauf ich Bock hab.“ 

Neues Album im Dezember

Dazu zählt definitiv die Musik. Im Dezember bringt Gabreal sein neues Album „Leinen los“ raus. Worauf dürfen sich die Fans freuen? „Auf zehn Songs, nachdenklich, aber mit Power nach vorn, wie man es von mir gewohnt ist.“ Von der Reimer-Rente hält Gabriel Rath nichts. „Wenn man etwas so sehr liebt, hört man damit nicht auf. Und schau’ dir Dr. Dre und Snoop Dogg an. Die sind immer noch dabei.“

Mit Marteria trifft er sich nur noch selten – mal zufällig am Warnemünder Strand. „Er ist so viel in der Weltgeschichte unterwegs.“ Für Gabriel Rath wäre das nichts. „Ich bin froh, wenn ich abends zu meiner Frau und den Kindern nach Hause kommen kann. Sie sind das Wichtigste für mich.“ Deshalb waren sie selbstverständlich mit dabei, als Gabreal im Ostseestadion seinen großen Auftritt hatte. „Von dem Abend werde ich noch meinen Enkeln erzählen.“

Die Kassetten von damals, auf denen er mit Marteria die ersten Reime aufnahm, hat Gabriel Rath übrigens noch immer im Schrank liegen. „Die dürften doch was wert sein. Meine Rente“, scherzt er. Die Erlebnisse von den Anfängen im Kinderzimmer bis zum Kracher-Konzert im Ostseestadion dagegen, die sind für ihn unbezahlbar.

„Live im Ostseestadion“

23000 Fans haben das schon jetzt legendäre Konzert, das Marteria am 1. September im Ostseestadion gab, live erlebt. Highlight des Abends: Rostocks Vorzeige-Rapper holt seine alten Weggefährten Gabreal, die Underdog Cru, Pussi aka Käpt’n Hook, Marlow, Hägi und Mauler auf die Bühne. Wer es verpasst hat oder nochmal abfeiern möchte, sollte sich den 30. November vormerken: Dann erscheint die Show auf DVD, Blu-Ray und CD.