Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Wie sicher sind Innenstadt und Wallanlagen?
Mecklenburg Rostock Wie sicher sind Innenstadt und Wallanlagen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 18.05.2018
Polizeieinsatz am KTC: In der Vergangenheit gab es mehrere Gruppenschlägereien, wie hier im Januar 2017. Quelle: Foto: Stefan Tretropp
Stadtmitte

Trauen Sie sich noch in die Wallanlagen? Der gerade erst frisch sanierte Park kommt nicht zur Ruhe. Massenschlägereien von Jugendlichen vor dem KTC, Verhaftungen von Drogendealern in der Grünanlage. Wie groß ist das Problem wirklich? Und wird genug dagegen getan? In der Kommunalpolitik gehen die Meinungen weit auseinander, wie eine Diskussion am Mittwochabend in der Rostocker Bürgerschaft zeigte.

Die Kriminalität steigt laut Polizei / Alles halb so schlimm, meint die Stadt

Außerhalb des Rathauses ist die Stimmung ebenfalls geteilt: „Nein, wir haben keine Angst“, sagt Monika Prach, die mit ihrem Mann Günter im Park unterwegs ist. Das Rentnerpaar (76, 75) spaziert regelmäßig durch die Wallanlagen. „Die rücksichtslosen Radfahrer in der Kröpeliner Straße stören uns viel mehr“, sagt Günter Prach. Gegen die sollte die Polizei etwas unternehmen. Dass regelmäßig ein Polizeiauto vor dem Park steht, störe ihn nicht. Er sei schon Zeuge einer Verfolgungsjagd gewesen, fühle sich dennoch nicht bedroht.

„Nachts würde ich nicht allein durch die Wallanlagen gehen“, meint Katrin Schumann. Das sei aber nichts Neues, so die Rostockerin. Früher sorgten „die nackten Männer“ für Unbehagen – der Park hatte den Ruf, nachts Treffpunkt für homosexuelle Männer zu sein, die schnellen Sex suchen. Nun die Dealer. Bewusst wahrgenommen habe sie die noch nie, sagt die 31-Jährige, die täglich durch die Wallanlagen geht.

Wird ein Problem sichtbar, das es an anderen Orten der Stadt schon immer gab, weil sich Jugendliche, darunter viele Flüchtlinge, jetzt in der Innenstadt treffen? Mehrere Gruppenschlägereien am KTC registrierte die Polizei seit 2017. Straftaten in der Innenstadt nehmen zu, insbesondere die Drogendelikte. Zahlen will die Polizei Anfang Juni vorlegen. Eine offene Drogenszene gebe es in den Wallanlagen aber nicht.

„Gewalt und Straftaten haben massiv zugenommen“, meint Citymanager Peter Magdanz. Die Stadt dürfe nicht hinnehmen, dass sich Drogenhandel und Gewalt ausbreiten. „Das schadet dem Image der Innenstadt“, sagt Magdanz. Die „Aufenthaltsqualität“ nehme ab, wenn ständig Polizeibeamte da sein müssen, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Das schrecke die Leute ab, in die Rostocker Innenstadt zu fahren. Der Citykreis wandte sich an die Bürgerschaftspräsidenten mit der Bitte um Hilfe.

Auf Antrag der CDU diskutierte die Bürgerschaft das Thema. Es gebe „große Sorgen in Teilen der Bevölkerung“, sagte Unionsfraktionschef Daniel Peters. Straftaten dürften nicht verharmlost werden.

Videoüberwachung könne helfen.

„Hier hat jeder das Recht, einen Asylantrag zu stellen, aber die Bürger haben auch das Recht, sich frei in der Stadt zu bewegen“, sagte Frank Giesen (CDU), was für „Wie von der AfD“- und „Populismus“-Zwischenrufe sorgte. Ältere Leute trauten sich nicht mehr, sich in den Wallanlagen auf eine Bank zu setzen. Von der Stadtverwaltung vermisse er konkrete Schritte.

Sybille Bachmann (Rostocker Bund) und Hennig Wüstemann (B’90/Grüne) warnten vor Panikmache. „Neu ist, dass Migranten im Stadtbild zu sehen sind“, meinte Eva-Maria Kröger (Linke). In Dierkow, wo sie aufwuchs, gab es „Gewalt an jeder Ecke“. Auch sie erlebe zunehmende Verunsicherung und berichtete von Seniorinnen, die zu viel Angst hätten, um im Südstadtcenter den Geldautomaten zu benutzen.

Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) blieb betont gelassen. Junge Menschen würden nun mal Grenzen überschreiten. Die registrierten Drogendelikte nehmen zu, weil mehr kontrolliert wird, so Innen-Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD). Videoüberwachung bringe nichts.

Mehr Drogendelikte

Kriminalität nimmt laut Polizei in der Innenstadt zu. Insgesamt geht die Zahl der Straftaten allerdings zurück – in Rostock laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2017 um 9,6 Prozent. Ein Rückgang gab es unter anderem bei Einbrüchen und Ladendiebstahl. Die Zahl der erfassten Drogendelikte und Fälle von Rauschgiftkriminalität stiegen dagegen – von zusammen 1743 Fälle auf 2043.

Gerald Kleine Wördemann

Mehr zum Thema

Der parteilose Kai Uwe Ottenbreit aus Wolgast hat visionäre Ziele für den Landkreis Vorpommern-Greifswald. Er ist einer von sieben Kandidaten, die am 27. Mai zur Wahl antreten.

17.05.2018

Der parteilose Kai Uwe Ottenbreit aus Wolgast hat visionäre Ziele für den Landkreis

16.05.2018

Zu Pfingsten wird landesweit vom 19. bis 21. Mai zu „Kunst:Offen“ eingeladen. In Mecklenburg öffnen 178 Galerien und Werkstätten.

17.05.2018

Maik Müller holt die „Movement Culture“ nach Rostock / OZ schaut auf einen Sprung bei ihm vorbei

18.05.2018

Am kommenden Mittwoch wird mit den kleinen Studenten philosophiert.

18.05.2018

Jungtiere schlüpfen derzeit im Wildpark MV in Güstrow

18.05.2018