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Rostock Windräder direkt am Naturschutzgebiet
Mecklenburg Rostock Windräder direkt am Naturschutzgebiet
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00:05 01.08.2017
Benitz’ Bürgermeister Rainer Mohsakowski (v. l.), Frank Conrad, Steffen Marklein (Bürgermeister in Bröbberow) und Hans Maurer wollen keine Windräder am Rand des Naturschutzgebiets „Brooksee“. Die Anlagen sollen auf dem Acker (im Hintergrund) auf der anderen Straßenseite stehen. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Benitz/Bröbberow

Idyllisch die Zufahrt zur 420 Seelen-Gemeinde Benitz. Links der Straße weist das Schild mit der Eule auf das angrenzende Naturschutzgebiet Brooksee hin, einem Vogelparadies für geschützte Arten wie Roter und Schwarzer Milan, Rohrdommel, Storch, Seeadler und Co.. Rechts wiegt sich das Korn in Ernteerwartung. Genau auf diesem Acker unweit der Kreuzung Benitz-Bröbberow will die Deutsche Großwälzlager GmbH zwei Windenergie-Versuchsanlagen errichten, um hier künftig Wälz- und Kugellager zu testen. Ein Vorhaben, das die Gemeinden Bröbberow und Benitz, sowie der Naturschutzbund Nabu vehement ablehnen.

Bröbberow und Benitz wehren sich zusammen mit dem Nabu gegen zwei Testanlagen

„Etwa zwei Meter werden die 55 Meter langen Flügel der geplanten Windkraftanlage noch über die Straße streichen“, sagt Bröbberows Bürgermeister Steffen Marklein. Seine Gemeindevertretung hat die Ablehnung des Projekts beschlossen. Der Standort befinde sich nicht in einem vom Land ausgewiesenen Windeignungsgebiet. „Es sollte direkt am Naturschutzgebiet nie eines werden“, sagt Marklein und verweist auf abgelehnte Anträge um die Jahrtausendwende. „Damals ging es um Anlagen, die etwa 100 Meter hoch sind, heute kommen wir auf 200 Meter und nun hat das Energieministerium plötzlich großes Interesse daran“, erklärt Marklein. „Es muss jetzt auch mal Regelwerk gelten“, fordert der Bürgermeister.

Seine Nachbargemeinde Benitz wurde am Genehmigungsverfahren erst auf Antrag indirekt beteiligt. „Die rund 200 Meter langen Anlagen auf dem Berg werfen bei tief stehender Sonne Schatten auf Benitz und Brookhusen“, nennt Bürgermeister Rainer Mohsakowski ein ablehnendes Argument. Die Bürger beider Dörfer fürchten zudem eine hohe Lärmbelästigung, auch wenn die Werte der Schallimmission laut Antragsstellung angeblich unterschritten werden. „Das Genehmigungsverfahren beruht auf einer zum Teil veralteten immissionsrechtlichen Grundlage“, kritisiert Mohsakowski und verweist auf Länder wie Großbritannien oder Dänemark die die Mindestabstände zu Wohnbebauungen auf 3000 Meter hochgesetzt haben. In Benitz stünde das nächste Wohnhaus angeblich 1081 Meter ab.

Nur etwa 150 Meter entfernt vom ersten Windrad liegt das Naturschutzgebiet Brooksee. „Das stellt seit 1999 einen Lebensraum für Fledermäuse, Wasservögel und streng geschützte Vogelarten dar“, erläutert Mohsakowski. „Wie können so dicht dran Windkraftanlagen genehmigt werden“, empört sich der Bürgermeister. Das widerspreche den Richtlinien des Landes zu Eignungsgebieten für Windenergieanlagen aus dem Jahr 2012. Mohsakowski zitiert das „Helgoländer Papier“, das einen Mindestabstand vom zehnfachen der Anlagenhöhe empfiehlt. „Das wären in diesem Fall 2000 Meter.“

Hier schaltet sich auch der Nabu ein. Als „unglaublich“ bezeichnet Martin Graffenberger vom Nabu-Landesvorstand das Vorhaben. „Von den Behörden wurden wir als betroffener Flächeneigentümer im Brooksee-Gebiet nicht über die Pläne informiert. Wir haben kurzfristig von Mitgliedern davon erfahren“, kritisiert er: „Wir sind durch die Vorgehensweise sehr irritiert.“ Inzwischen hat der Nabu eine 14-seitige Stellungnahme zum Projekt beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt eingereicht. „Dass ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit dem Bau von zwei Windkraftanlagen in einem so sensiblen Gebiet ausgeführt werden muss und kein anderer Standort dafür möglich sein soll, ist nicht nachvollziehbar“, sagt Graffenberger. Das Vorhaben könne auch in einem ausgewiesenen Gebiet umgesetzt werden.

Auch Graffenberger verweist auf Mindestabstandsempfehlungen. Der Nabu erwarte, „dass zuständige Behörden beschrittene Sonderwege zur Privilegierung der Wirtschaftsinteressen der Windkraftindustrie aufgeben und sich primär an den Maßstäben des Helgoländer Papiers orientieren“. Der Nabu fordert in der Stellungnahme eine Prüfung der Artenschutzbelange, „keine Mußmaßungen“. Eine Klage auf dem Rechtsweg wird angekündigt.

Firma will Wälzlager testen

Die Deutsche Großwälzlager GmbH (DGWL) hat die Errichtung von zwei Windenergieanlagen auf dem Gebiet der Gemeinde Bröbberow beantragt. Das betroffene Areal gehört dem Land. Die Windräder haben eine Nabenhöhe von 143,5 Metern, die Flügel sind 55 Meter lang. Zusätzlich wird für zwei Jahre eine Windmesseinrichtung (Gittermast) auf Nabenhöhe errichtet. 20 Jahre lang werden hier Wälz- und Kugellager getestet. Entscheidend für die Standortwahl sei nach Angaben der DGWL auf einer Info-Veranstaltung am 5. Juli die Nähe zum Produktionsstandort im Fischereihafen Rostock und die Möglichkeit, die Fläche pachten zu können. Das Werk wurde im Frühjahr 2016 eröffnet, gebaut von der russischen Kirov-Gruppe.

Doris Deutsch

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