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Rostock „Wir müssen schneller rennen“
Mecklenburg Rostock „Wir müssen schneller rennen“
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00:05 16.05.2017
Karl-Heinz Möser (l.) und Benjamin Kuc bauen bei SEAR Lampen für einen Offshore-Windpark zusammen. Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Thomas Niebuhr (2)

Mit mehr als 220 Mitarbeitern und Millionenaufträgen in ganz Europa gehört SEAR zu den erfolgreichsten Unternehmen in Rostock. Im Jahr 2006 haben Thomas Lambusch und Mayk Wiese die Firma aus dem Verbund der Deutschen Seereederei herausgekauft. Vor allem im Bereich der Energietechnik hat sich die SEAR einen Namen gemacht.

Elektrotechnik ist überall nötig. Wir können die großen Projekte.Mayk Wiese

Geschäftsführer

Wir zahlen Tarif und bemühen uns, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Thomas Lambusch

Geschäftsführer

SEAR zieht einen Millionen-Auftrag nach dem anderen an Land. Was macht das Unternehmen erfolgreich?

Wiese: Ob Offshore-Windenergie, Batteriespeicher oder Rückbau von Kernkraftwerken – überall bedarf es elektrotechnischer Anlagen. Wir haben uns Zug um Zug hochgearbeitet und sind so zu einem namhaften Player geworden. Im Bereich der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, der HGÜ-Technik sind wir einer der Marktführer in der Anlagenerrichtung.  Wir arbeiten für die Großen dieser Welt wie Siemens oder General Electrics.

Lambusch: Wir sind Dienstleister und Realisierer. Unsere Aufträge bekommen wir europaweit.

Wie entwickelt sich SEAR weiter?

Wiese: Wir sind in der Forschung und Entwicklung aktiv, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut. Aktiv sind wir auch in der Automatisierung, ein Kunde ist beispielsweise Rotkäppchen.

Lambusch: Wir haben eine eigene Softwaregruppe mit Absolventen der Uni Rostock. Das ist unsere jüngste Abteilung. In diesem Geschäftsfeld sind wir aber noch nicht da, wo wir hinwollen.

Unsere Kunden kommen aus dem Mittelstand, der ist beim Thema Industrie 4.0 gedanklich aber noch nicht so weit.

Lässt sich jedes Geschäft von Rostock aus machen?

Wiese: Unser Hauptsitz wird Rostock bleiben.

Lambusch: Wir haben Niederlassungen in Norwegen und Schweden. Außerdem haben wir SEAR Polska gegründet. Der Energiemarkt in Polen ist in Bewegung, dort dabei zu sein ist von Deutschland aus nicht möglich. 2013 haben wir uns in Rostock an MAR beteiligt. Das ist eine hervorragende Ergänzung zu unserem Industriesoftwarezweig.

Wie veränderte sich das Geschäft durch die Energiewende?

Wiese: Große Kraftwerksaufträge sind Vergangenheit, aber als Elektriker ist es uns egal, ob es um regenerative Energie oder um Speichertechnik geht. Wir bieten Elektrotechnik plus Projektmanagement. Elektrotechnik ist überall nötig, egal, ob Umspannwerke auf dem Land oder im Wasser gebaut werden. Wir können die großen Projekte.

Lambusch: Speichertechnik wird ein großes Thema. Bei den Automobilherstellern entwickelt sich etwas. Wir haben gerade an einem Projekt für Opel gearbeitet. Batterien müssen gepflegt werden, sie lassen sich zum Beispiel als Speicher für regenerative Energien nutzen.

Wiese: Batteriespeicher ist ein Thema, das immer wichtiger wird.

Hat sich das Geschäft verändert?

Lambusch: Wir müssen schneller rennen als früher.

Was heißt das?

Lambusch: In der Spitze hatten wir vier Kraftwerksaufträge, das hat bis zu sechs Jahre Beschäftigung gesichert. Heute haben wir mehr, aber kleinere Projekte. Da liegt die Auftragsreichweite oft unter einem Jahr.

Wiese: Die Marktentwicklung ist schneller. Dem müssen wir uns stellen.

Läuft die Energiewende zu langsam?

Lambusch: Aus politischer Sicht könnte es zügiger gehen. Aber die Firmen auf dem Markt könnten die vielen Aufträge gleichzeitig gar nicht wuppen. Unser Problem ist das Hin und Her bei den Offshore-Windparks.

Wiese: Ein Zukunftsfeld für uns wird der Rückbau von Kernkraftwerken sein.

Lambusch: Der Rückbau ist ohne Endlagerung komplizierter. Beim Bau der deshalb notwendigen Zwischenlager hoffen wir dabei zu sein.

Ein großes aktuelles Thema in der Wirtschaft ist die Gewinnung von Nachwuchs und Fachkräften. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Lambusch: Das läuft in Rostock besser als in Hamburg, wo wir nur einer von vielen wären. Die Menschen hier sind sehr mit der Region verbunden. Die Fluktuation ist niedrig. Das Thema Fachkräfte betrachte ich unter Marktbedingungen. Wer die besten Angebote macht, wird gewinnen.

Wiese: Inklusive der Niederlassungen haben wir 220 Mitarbeiter. Wir sind permanent auf der Suche nach Nachwuchs und stellen ständig ein.

Hat Rostock einen Standortvorteil?

Lambusch: Wir können Nachwuchs von den Hochschulen in Rostock, Wismar und Stralsund gewinnen. Das ist sicher ein Standortvorteil.

Wie halten sie die Mitarbeiter?

Wiese: Wir sind da sehr aktiv und bieten zum Beispiel freiwillige Gratifikationen und eine betriebliche Altersversorgung, zahlen Kindergartenzuschüsse und investieren sehr viel in Weiterbildung. Wir müssen uns von anderen unterscheiden. Unser Geschäft läuft europaweit, aber wir wollen die Mitarbeiter hier akquirieren. Wir sind recht flexibel bei der Gestaltung der Arbeitszeiten.

Lambusch: Wir zahlen Tarif, aber Geld ist nicht alles. Wir bemühen uns, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Viele Mitarbeiter sind in der Montage unterwegs, da versuchen wir, attraktive Arbeitszyklen zu schaffen.

Sollten sich für die Arbeitswelt die Rahmenbedingungen verändern?

Lambusch: Jetzt spreche ich mal als Arbeitgebervertreter und Nordmetall-Chef. Das Arbeitszeitgesetz setzt enge Grenzen und geht an der Realität vorbei. Da müssen wir flexibler werden.

Das geht nur mit der Gewerkschaft...

Lambusch: Wir diskutieren mit der IG Metall. Zum Thema Geld lässt sich in Tarifverhandlungen immer ein Kompromiss finden. Bei Industrie 4.0 haben wir die Chance, etwas Neues zu vereinbaren, was allen gerecht wird. Wir erwarten, dass die Politik den passenden Rahmen setzt.

Was muss die Stadt für den Wirtschaftsstandort Rostock tun?

Lambusch: Wir sind etabliert und machen unser Geschäft. Rostock muss dafür sorgen, dass die Stadt ein attraktiver Standort zum Wohnen und Leben ist. Auch bei der Verkehrsinfrastruktur gibt es noch etwas zu tun.

Unternehmensgeschichte reicht bis 1904 zurück

220 Mitarbeiter beschäftigt SEAR nach eigenen Angaben aktuell. Der Hauptsitz befindet sich in Schmarl. Arbeitsfelder sind Energieverteilung und -technik, Kraftwerke, kerntechnische Anlagen, Prozessautomatisierung, Sicherung kritischer Infrastruktur und Industriesoftware.

1904 begann die Unternehmensgeschichte als Siemens-Schuckert- Werk Rostock. Ab 1948 wurde die Firma zum VEB Starkstrom-Anlagenbau Rostock, 1991 übernahm Siemens und ab 2003 war das Unternehmen Teil der Deutschen Seereederei (DSR). 2006 kam es dann zum Management-Buyout durch die Geschäftsführer.

Thomas Niebuhr

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