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Wird Blankenhäger Orgel Welterbe?

Blankenhagen Wird Blankenhäger Orgel Welterbe?

Bremer Verein will letzte 30 Schnitger-Orgeln auf Unesco-Liste setzen / Zwei Instrumente in MV

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Pastor Tobias Sarx (2.v.r.) und Vereinsvorsitzender Fritz Panke (2.v.l.) im Gespräch mit SPD-Bundestagsabgeordneter Sonja Steffen und SPD-Direktkandidat Christian Reinke.

Blankenhagen. Wenn sich Pastor Tobias Sarx an die Orgel setzt und harmonische, warme Klänge das Kirchenschiff füllen, kommt Gemütlichkeit auf in der sonst eher kühlen, stark renovierungsbedürftigen Kirche in Blankenhagen. „Die Organisten sind immer wieder begeistert von diesem Instrument“, sagt Sarx voller Stolz. Die Orgel ist ein Kleinod in seiner Kirche, ein Werk Arp Schnitgers, des bedeutendsten Orgelbauers Nordeuropas in der Barockzeit.

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Bremer Verein will letzte 30 Schnitger-Orgeln auf Unesco-Liste setzen / Zwei Instrumente in MV

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1686 hat Schnitger, Sohn einer angesehenen Tischlerfamilie in der Wesermarsch, diese Orgel für die Reformierte Kirche in Hamburg-Altona gebaut. 1833 wurde sie wegen Neuanschaffung verkauft und in die evangelische Kirche Blankenhagen überführt. 2003 wurde der Orgelschatz mit Stiftungsmitteln restauriert. Alle Prospektpfeifen wurden in der Schnitgerschen Machart neu angefertigt, doch Schnitzwerk und Prospektfront sind noch original.

170 Orgeln hat der berühmte Meister einst gebaut, nur noch etwa 30 sind erhalten. Zwei davon stehen in Mecklenburg-Vorpommern, in Blankenhagen und in Deyelsdorf (bei Tribsees). „Jetzt darf keine Orgel mehr verloren gehen“, fordert Annabel Brown, Geschäftsführerin des Vereins Arp-Schnitger-Kulturerbe. Der Verein mit Sitz in Bremen versucht, für die letzten Schnitger-Orgeln, den Status eines Unesco-Kultur-Erbes zu erreichen. „Das ist schwierig“, räumt Brown ein. Werke eines Einzelkünstlers könnten nicht geschützt werden. „Und die Werke dürfen nicht translozierbar sein, also versetzbar von einem Ort zum anderen, wie es aber bei den Orgeln theoretisch möglich wäre“, erklärt die Vereinschefin.

Das Fernziel Unesco-Kultur-Erbe bleibt. Doch zunächst will der Verein das Bewusstein der Menschen stärker auf diese historischen Orgeln lenken, vor allem angesichts des 300. Todestages Arp Schnitgers 2019. „Jede einzelne Kirchgemeinde soll ihre Schnitger-Orgel hüten und schützen, sie ist ein wichtiges historisches Zeitdokument“, sagt Annabel Brown.

Weltkulturerbe in der Blankenhäger Kirche, das könnte Fritz Panke gefallen. Der 73-Jährige hat einen Förderverein zum Erhalt der Feldsteinkirche gegründet. Dieser sammelt Gelder für die Sanierung der am 23.August 1318 erstmals urkundlich erwähnten Kirche. 4000 Euro sind bisher zusammengekommen. Doch das reicht bei weitem nicht, um das Gotteshaus wieder schick zu machen.

„Das Kirchendach trägt noch Ziegel aus DDR-Zeiten, die in den nächsten Jahren porös werden“, nennt Pastor Sarx eine teure Baustelle. Der Innenraum sei Anfang der 1960er Jahre saniert worden. „Außer ein paar kleineren Reparaturen ist seitdem nichts mehr passiert“, erklärt Sarx, der im Februar 2016 aus Ribnitz-Damgarten kommend die Pastorenstelle in Blankenhagen antrat.

„Ich möchte gern neue Leute für die Kirche gewinnen“, sagt Sarx, doch dazu müssten die Räumlichkeiten auch einladend sein. „Der Putz bröckelt, die Elektrik aus den 1960er-Jahren muss völlig erneuert, die Feuchtigkeitsschäden beseitigt werden“, zählt der 41-Jährige auf. Der gelbliche Farbton in der Kirche soll verschwinden. „Wir haben einen Restaurator beauftragt, nach den historischen Farben zu suchen“, sagt Sarx. Auch das Gestühl müsse überarbeitet, ein neues Beleuchtungskonzept entwickelt werden. „Und der ganz große Traum ist, aus dem Altarraum eine beheizte Winterkirche zu machen.“

„Ja, mit einer Glasfront, die den Blick ins Kirchenschiff auf die wertvolle Orgel freilässt“, greift Vereinschef Panke die Idee auf. Er lässt nichts unversucht, die Sanierung der Kirche anzuschieben.

So hat er gerade die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen und Christian Reinke, Rostocks SPD-Direktkandidaten für die Bundestagswahl im September, nach Blankenhagen gelockt. „Was könnten Sie tun?“, will Panke wissen.

Die Politiker verweisen auf Fördertöpfe. „Es gibt verschiedene Programme. Ich kann mich dafür einsetzen“, sagt Sonja Steffen. Christian Reinke ist beeindruckt von der tollen Choralakustik. „Die Geschichte der Orgel ist spannend“, sagt der 43-Jährige. Dass so etwas erhalten bleibt, darum wolle er sich bemühen.

„Wir wollen kein exclusives Kirchendasein führen“, verdeutlicht der Pastor. Schon jetzt habe die Kirche ihre Räume für die Schuleintrittsfeier und Weihnachtsauftritte der Grundschule geöffnet. „Mit einer sanierten Kirche könnten wir auch das Miteinander der Dorfgemeinschaft stärken“, sagt Sarx. Denn der Bürgermeister plane, den Bereich mit Schule, Kindergarten, einem neuen Dorfgemeinschaftshaus und Kirche zu einem Dorfzentrum zu gestalten.

Auch Deyelsdorf hat Orgel

Arp Schnitger (1648 – 1719) war einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit und der Vollender der norddeutschen Barockorgel. Insgesamt hat der Sohn einer Tischlerfamilie weltweit etwa 170 Orgeln neu erbaut oder umgebaut. Nach Angaben der Arp-Schnitger-Gesellschaft sind bis heute weltweit noch etwa 30 Instrumente erhalten. 17 davon befinden sich in Deutschland, die übrigen in den Niederlanden, in Portugal und Brasilien. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch zwei Instrumente, die Orgel in Blankenhagen und in Deyelsdorf (Landkreis Vorpommern-Rügen). Durch eine 2014 aufgefundene AKtennotiz im Universitätsarchiv Greifswald wurde für die Deyelsdorfer Orgel nachgewiesen, dass es sich um eine Hausorgel Arp Schnitgers für den Hamburger Hauptpastor Johann Friedrich Mayer an St. Jacobi handelt. Die 1694 von Schnitger erbaute Orgel galt lange als verloren. Nun steht fest, Mayer nahm seine Hausorgel an seine neue Wirkungsstätte in Greifswald mit. Wie sie aus dem Nachlass 1741 nach Deyelsdorf kam, ist nicht belegt. Hier wurde sie 1742 aufgestellt und zuletzt 1998 durch Rainer Wolter aus Zörbig restauriert.

Doris Kesselring

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