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Wirtschaft will bezahlbare Wohnungen

Stadtmitte Wirtschaft will bezahlbare Wohnungen

Seit 15 Jahren arbeitet Rainer Schau als geschäftsführender Gesellschafter der Marine- und Automatisierungstechnik in Rostock-Warnemünde. Von einem kleinen Unternehmen hat sich die Firma zu einem großen mittelständischen Arbeitgeber mit 27 Angestellten gemausert.

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In Rostock hätten wir Platz für eine halbe Million Leute.“ Frank Roller, Kopf des Wirtschaftsrats

Stadtmitte. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet das Unternehmen einem Umsatz von vier Millionen Euro im Jahr. Doch Schau hat ein Problem: Er findet nicht genügend Fachkräfte für sein Haus. Der Haken sei, dass die künftigen Arbeitnehmer in der Hansestadt keine geeignete Wohnung fänden, erzählt er.

„Ich wollte vor kurzem einen jungen Mann als Automatisierungstechniker einstellen, doch er hat für sich und seine junge Familie keine passende Wohnung gefunden“, sagt Schau beim gestrigen Wirtschaftsfrühstück im Steigenberger Hotel Sonne. Dieser Bewerber zog sein Angebot zurück und arbeitet nun ab 1. April in Bremen. Schau bedauert das sehr, denn er hatte anderen Bewerbern zuvor eine Absage erteilt. Nun stehe er mit leeren Händen da.

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In Rostock hätten wir Platz für eine halbe Million Leute.“ Frank Roller, Kopf des Wirtschaftsrats

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Auch das Rostocker Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises kämpft mit dem Problem des Wohnungsmangels. „Jedes Jahr kommen 100 Kollegen hinzu. Zu Beginn schlafen viele in Hotels oder Appartements, weil es auf die Schnelle keine freie Wohnung gibt“, bemängelt Sprecher Hansjörg Kunze.

Rainer Schau appelliert an die Politiker, bezahlbare und attraktive Wohnungen zu schaffen. „Die Leute sind heutzutage flexibler. Schnell sind junge Leute weg und finden in anderen Regionen einen Job.“ Auch andere „weiche“ Wirtschaftsfaktoren müssten geschaffen werden. „Heute arbeitet man, um zu leben. Früher war das Verhältnis anders. Jeder hat gelebt, um zu arbeiten.“ Das Umfeld und die Freizeitangebote der Arbeitnehmer müssen stimmen.

Dagmar Horning, Pressesprecherin der Wiro, bestätigt den Wohnungsmangel in Rostock. „In der Innenstadt ist nichts mehr frei. In Dierkow und Toitenwinkel haben wir mit 3,8 Prozent den höchsten Wohnungsleerstand.“

Und genau dies ist das Problem von Unternehmer Rainer Schau, dass es freie Wohnungen nicht in attraktiver Lage gibt. Für ihn ist der Wirtschaftsstandort Rostock noch ausbaufähiger. „Rostock braucht ein neues Theater, denn Kultur zieht auch junge Leute in die Stadt“, sagt Schau.

Frank Roller, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU, versteht nicht, wie man als junge Familie keine passende Wohnung in Rostock finden kann.„Rostock hätte meiner Meinung nach Platz für eine halbe Million Menschen.“ Als Stadt in einer Region zwischen Hamburg, Berlin und der Ostsee sei für ihn der Hafen einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Region. Er geht davon aus, dass Rostock, als einer der wenigen Städte in Mecklenburg-Vorpommern, in den nächsten Jahren immer weiter wachsen wird. Dennoch sagt er, dass die Stadt an der Warnow weit unter ihren Möglichkeiten liegt.

„Wir haben ein sehr attraktives Umland und sind das Tor zur Ostsee. Das sollte viele Leute anlocken.“

Roller meint, dass die Innenstadt noch mehr verdichtet werden kann, das Verkehrskonzept besser durchdacht werden muss. „Ostdeutsche Städte wie Leipzig, Potsdam und Dresden machen es vor. Wir müssen die Städte nicht abkupfern, aber ein paar Ideen können wir uns holen“, sagt er.

Wenig Leerstand
1,7 Prozent beträgt der Wohnungsleerstand des städtischen Wohnungsunternehmens Wiro in Rostock.

Die gefragtesten Wohngegenden sind die Innenstadt und Kröpeliner-Tor-Vorstadt. 2000 Wohnungsuchende stehen auf den Wartelisten.

3,8 Prozent Leerstand gibt es in den Stadtteilen Dierkow und Toittenwinkel.

Bei der Bundeswehr-Marine mit ihrem Standort in Warnemünde-Höhe Düne kämpfen derzeit Hunderte Soldaten samt ihren Familien um geeignete Wohnungen in Rostock. „Das ist hier schon nicht so einfach. Dieses Problem schreckt aber niemanden ab herzuziehen“, sagt Vize-Admiral Axel Schimpf, der in Speyer am Oberrhein geboren wurde. Im Gegenteil: Die Verkehrsanbindung sei sehr gut, und im unmittelbaren Umland fänden sich „sehr schöne Fleckchen“. Rostock sei für ihn einer der großen Gewinner der Bundeswehrreform.

Hannes Ewert

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