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Rostock Am Petridamm mahlt die letzte Mühle Rostocks
Mecklenburg Rostock Am Petridamm mahlt die letzte Mühle Rostocks
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00:17 14.01.2015

In dritter Generation ist Müller Michael Knull der Inhaber der letzten an der Küste noch produzierenden Mühle. Vor 25 Jahren schloss der Maschinenbauingenieur sein Fernstudium der Getreideverarbeitung in Greiz ab.

Am Petridamm, der einstigen Ausfallstraße nach Bentwisch und heutigen Sackgasse, steht linkerhand als letztes Gebäude die Knull-Mühle. Elektrisch betrieben, lässt das äußere Bild kaum eine Mühle erkennen. Fünf Sorten Weizenmehl und sieben Sorten Roggenmehl werden hier ermahlen. Bäcker und Konditoren in und um Rostock bis zum Fischland werden beliefert. „Der Futtermittelhandel als zweites Standbein macht 50 Prozent aus“, sagt der 52 Jahre alte Müller, wobei Kleie, Quetschhafer oder Futterschrot aus der eigenen Produktion kommen und an Agrarshops geliefert werden. Vom Pferd bis zur Meise: Für alle Tierarten ist der Tisch gedeckt.

Erster in der Müller-Dynastie Knull war Hans Knull, der in der heute nicht mehr vorhandenen Conrady-Mühle an der Schwaaner Landstraße das Müllerhandwerk erlernte. Er ging auf Wanderschaft, besuchte die Fachschule und erlernte den Mühlenbau in Parchim. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb er Speicher und Stallungen am Petridamm.

Diese gehörten zuvor zur 1913 abgebrannten Bartelsdorfer Windmühle, die auf der Dierkower Anhöhe stand. 1924 konnte die mit einem Gasmotor betriebene neue Mühle in Betrieb genommen werden. Das Gas wurde im Generator selbst erzeugt. Hans Knull war um die ständige Modernisierung der Technik besorgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er auf Elektrobetrieb um.

Ernst Knull, heute 81 Jahre alt, trat in die Fußstapfen des Vaters Hans Knull. Nach Lehre und Fachschule in Berlin wurde er 1956 Mitinhaber und 1960 Alleininhaber der Mühle. Die Knull- Mühle war nach dem Krieg, als es im damaligen Kreis Rostock noch über 50 Mühlen gab, vor allem Anlaufpunkt für Kleinanlieferer, die ihr erstoppeltes Korn zu Mehl tauschten.

1995 übernahm Michael Knull den Mühlenbetrieb, nachdem er bereits seit 1990 Mitinhaber war. Ein Mitarbeiter unterstützt ihn heute im Tagesgeschäft. Vater Ernst Knull hat sich zurückgezogen, ist aber als Tenor noch aktiv im Bäckerchor.

„Ausbildungsstätten zum Müllerhandwerk gibt es in Deutschland nur noch bei Stuttgart und bei Braunschweig“, sagt Michael Knull, der als einziges Mitglied aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg der Müller-Innung im Eichsfeld angehört.

Der Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet heute etwa 120 Windmühlen und 300 Wassermühlen, die oftmals in liebevoller und aufwendiger Arbeit restauriert und erhalten wurden.

Vielfach wurden sie zu Wohnstätten, Hotels, Restaurants oder, wie die Schwaaner Wassermühle von 1791, zu Museen.



Jürgen Falkenberg

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