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Wirtschaft App-solut clever: Wenn mein Haus weiß, was ich will
Mecklenburg Rostock Wirtschaft App-solut clever: Wenn mein Haus weiß, was ich will
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20:00 09.10.2018
Mit ihrer App Naon wollen Jan Krog (34, l.) und Elmar Zeeb (39) Smart Home auch für jene erlebbar machen, die sich mit modernen Technologien schwertun. Quelle: MATHIAS PERLET
Südstadt

Die Deutschen sind Smart-Home-Muffel. Zwar finden hierzulande aktuellen Studien zufolge immer mehr Menschen Gefallen am vernetzten Zuhause. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Europas aber ist die Nation für die neuen Technologien noch vergleichsweise wenig aufgeschlossen. „Das größte Problem sind nicht die Preise für entsprechende Geräte. Für viele ist das Thema Smart Home schlichtweg zu kompliziert“, sagt Jan Krog (34). Mit seinem Start-up Pipesbox wollen er und Co-Gründer Elmar Zeeb (39) das ändern. Mit ihrem Team haben sie die „Naon Smart Living“-App entwickelt. Die Anwendungssoftware soll Smart Home zum Kinderspiel machen und damit massenmarkttauglich sein. „Unser Anspruch ist es, Smart Home für jeden nutz- und erlebbar zu machen, ohne dass man dafür ein Technik-Freak sein muss“, sagt Krog.

Das Licht weiß, wann es angehen soll

Eine erste Beta-Version der Naon-App können sich Nutzer von Android- und IOS-Geräten ab sofort kostenfrei auf ihr Smartphone laden. Jan Krog nutzt die Testversion schon jetzt. Sein Smartphone spricht mit seinem Zuhause und das kennt dadurch Krogs Vorlieben und Gewohnheiten genau. Sein Flur weiß, wann er nach Hause kommt und schaltet selbstständig das Licht an. Und wenn er sich abends ins Bett legt, geht die Lampe aus, ohne dass er dafür einen Finger rühren müsste. Die gesamte Beleuchtung in Krogs vier Wänden ist mit smarten Glühbirnen bestückt. Wann die sich an- oder ausschalten, steuert die Naon-App. Die hat dafür zuvor Jan Krogs Verhaltensmuster studiert und kann nun seinen Tagesablauf simulieren.

Digitaler Marktplatz für App-Nutzer

Die Naon-App funktioniert wie ein Marktplatz: Aus unterschiedlichen Anwendungsszenarien wählt der Nutzer die aus, die er braucht. Soll sich das Licht bei meiner Ankunft einschalten und dimmen, um Strom zu sparen? Oder soll das Haus, während ich im Urlaub bin, zu einer bestimmten Tageszeit erleuchtet werden, um Einbrecher abzuschrecken? Soll die Flurlampe, wenn ich morgens zur Arbeit gehe, blau leuchten, wenn sich Regen ankündigt, damit ich einen Schirm mitnehme? „Diese Smart Cases sind leicht und mit wenigen Klicks zu installieren. Damit kann jeder sein Zuhause sofort und ohne großen Aufwand vernetzen“, sagt Jan Krog. Frei nach dem Motto „Konfigurierst du noch, oder lebst du schon.“ Krog: „Der Kunde muss nur die smarten Glühbirnen reinschrauben, einen Nutzeraccount beim Hersteller einrichten. Den Rest übernehmen wir. Der Kunde behält aber jederzeit die Kontrolle und das letzte Wort.“

Deutsche vernetzen ihre Häuser

Jeder Sechste benutzt Smart-Home-Anwendungen, in der Altersgruppe 35 bis 44 Jahre ist es sogar ein Viertel. Und bis 2022 erwartet das Statistische Bundesamt eine jährliche Umsatzsteigerung von 20 Prozent in diesem Bereich. Trotz der zunehmenden Verbreitung smarter Anwendungen begegnen viele Verbraucher der Technik mit Skepsis. Laut einer Umfrage der Deutschen Energie-Agentur beklagen 60 Prozent der Befragten unzureichende Anbieterinformationen zu Datenschutz und IT-Sicherheit. Befürchtungen hegen viele zum Beispiel wegen der Gefahr von Datendiebstahl oder Fernsteuerung von Geräten durch Hackerangriffe. Ihre Daten mit Smart-Home-Anbietern uneingeschränkt zu teilen, können sich nur 14 Prozent der Verbraucher vorstellen.

Entwickler wollen Angebot erweitern

Zum Start ist mit der App nur die Beleuchtungssteuerung möglich. „Jeder vierte Deutsche hat ein smartes Gerät zu Hause. Oft handelt es sich dabei um die Beleuchtung. Darauf wollen wir aufsetzen“, sagt Inga Linow vom Pipesbox-Team. Auf lange Sicht soll das Angebot erweitert werden – zum Beispiel mit einer selbstlernenden Heizungs- oder Fenstersteuerung. Die Naon-App helfe zwar dabei, Energie und Kosten einzusparen, sagt Jan Krog. „Aber Smart Home ist letztendlich kein Produkt für Sparfüchse. Es geht um Komfortgewinn.“

Apropos Gewinn: Die App ist für Endverbraucher zwar kostenlos, soll seinen Entwicklern aber trotzdem Geld einspielen. Mit einem namhaften, deutschen Kommunikationsunternehmen arbeitet Pipesbox bereits zusammen. Mit einer der bekanntesten Firmen aus dem Beleuchtungssektor laufen konkrete Gespräche über eine Kooperation. „Unser Ziel ist es, dass unsere Terminologie in Geräten bekannter Unternehmen drinsteckt“, sagt Jan Krog.

Die Pipesbox GmbH ist 2012 als eine Universitätsausgründung entstanden. Inzwischen zählt das Team sieben Leute. Einer der Gesellschafter ist Mobile Ventures, ein Unternehmen, das zum Internetdienstanbieter 1&1 gehört.

Antje Bernstein

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