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Eisbrecher „Jantzen“ soll nach Holland

Stadthafen Eisbrecher „Jantzen“ soll nach Holland

Eine Überführungsgenehmigung wurde beantragt. Maritime Vereine fordern die Stadt zum Handeln auf.

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Bald wieder Kulturschiff „Stubnitz“ im Stadthafen?

Quelle: Archiv

Stadthafen. Nach dem Untergang der „Georg Büchner“ wird das Schicksal des Eisbrechers „Stephan Jantzen“ zur unendlichen Geschichte. Während Hafenkapitän Gisbert Ruhnke und zumindest ein Schiffseigner, Kapitän Gunther Lehmann aus Heidelberg, offiziell auf die ungeklärten Eigentumsverhältnisse verweisen, die am Landgericht Rostock noch verhandelt werden sollen, verkaufen andere das Schiff klammheimlich.

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Der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ liegt derzeit fest vertäut im Seehafen.

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Schon im Oktober 2012 war es für 625 000 Euro an einen türkischen Schrotthändler verkauft worden. Von einer Panama-Gesellschaft, hinter der ein holländischer Unternehmer aus Urk stecken soll.

Dieser habe nun erneut den Eisbrecher erworben (die OZ berichtete Anfang August) — für immerhin noch 350 000 Euro. Eine Überführungsgenehmigung von Deutschland nach Holland wurde Anfang Juli bei der BG Verkehr, Dienststelle Schiffssicherheit in Hamburg gestellt, zeitgleich mit der Verlegung des Eisbrechers vom Stadt- in den Seehafen, die auf Anweisung des Hafenkapitäns aus Sicherheitsgründen erfolgte.

Der Antrag auf Überführung stammt vom Frachtcontor Junge & Co — in wessen Auftrag, will Direktor Timo Schön nicht sagen. Er verweist wiederum auf Gisbert Ruhnke, den Hafenkapitän. Der poltert wie gewohnt los, dass der Eisbrecher den Seehafen nicht verlasse, solang nicht die Eigentumsnachweise und viele andere Papiere erbracht würden. „Und solang die Stadt nicht ihr Geld erhalten hat“, schiebt Ruhnke nach, der für Liegeplatzgebühren im Seehafen schon wieder eine Rechnung an Paolo Zampolli geschickt habe, den angeblich rechtmäßigen Besitzer.

Der Gerichtsstreit um die „Jantzen“ geht scheinbar in die Endrunde. Rechtsanwalt Lars Nümann, der das Green Institute of Polar Environment Research (Giper) New York mit Zampolli vertritt, soll bei Gericht eine Fristverlängerung von drei Wochen beantragt haben, weil er seinen Mandanten nicht mehr erreichen kann. Der Anwalt wiederum ist für Nachfragen der OSTSEE-ZEITUNG nicht zu erreichen.

Hat er den Eisbrecher verkauft? Am Eigentümer Lehmann vorbei, der Pfandrechte auf die „Jantzen“ geltend macht und sie inzwischen als Motoryacht „König Ludwig II. von Bayern“ in Regensburg registrieren ließ? Mit Rückendeckung der Hafenbehörde? Denn immerhin hat Ruhnke schon am 2. Juli in der OZ erklärt, dass der Eisbrecher verkauft sei und den Stadthafen verlasse: „Es gibt einen neuen Käufer, der hat schon zugestimmt.“

Macht der Schrottwert den Eisbrecher so interessant? Oder sollte die Stadt nicht endlich die unendliche Geschichte beenden und das historisch interessante Schiff wieder an einen ordentlichen Liegeplatz in den Stadthafen verholen? Der Eigentumsstreit läuft offensichtlich ins Leere. Keiner erbringt Nachweise. Lehmann würde die „Jantzen“ dem Verein Societät Maritim überlassen, der das Schiff bis zur Verlegung in den Seehafen bewacht hat. „Wir würden es gern betreiben“, erklärt der Vereinsvorsitzende Jochen Pfeiffer, der nun eine klare Position von Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) fordert.

Bevor die See- und Hafenstadt Rostock das nächste touristisch attraktive Schiff verliere, solle sie handeln, verlangt auch Steffen Wiechmann vom Freundeskreis Maritimes Erbe. „Die intransparente Interessenpolitik sollte schnellstens aufgeklärt werden“, so Wiechmann. Mehrere maritime Vereine in der Stadt hätten sich zum Betreiben des Eisbrechers angeboten. „Die Stadt muss es nur wollen!“

Kommt die „Stubnitz“ wieder nach Rostock?
Kehrt die „Stubnitz“ zurück nach Rostock? „Alles nur Gerüchte“, sagt der Geschäftsführer des Betreibervereins, Urs Blaser. Derzeit liegt das Kulturschiff in der Hafencity in Hamburg, mit Blick auf Elbphilharmonie und Hafen. „Und hier bleiben wir erst mal auch“, sagt Käpt‘n Blaser.

Das Verhältnis zwischen „Stubnitz“ und Hansestadt Rostock müsse neu definiert werden, meint Blaser, der nach der Sommerpause diesbezüglich auf die Fraktionen der Rostocker Bürgerschaft zugehen will.

Für 2014 hat der Verein „Stubnitz“ nämlich wieder einen Antrag auf Kulturförderung bei der Stadt gestellt. „Damit ist die Absicht verbunden, wieder in Rostock zu arbeiten“, räumt Blaser ein. Doch dazu müsse „ein Ruck durch die Kulturpolitik der Stadt gehen“.

Während in anderen Städten und Metropolen — 2012 in London, dann Dünkirchen und jetzt Hamburg — mit Konzerten und anderen Kulturangeboten auf dem Schiff ein großes Publikum angesprochen und damit auch Geld erwirtschaftet werde, „tut sich Rostock extrem schwer“. Die Werthaltigkeit des Musikangebots, die kulturelle Vielfalt müsse in der Politik überdacht werden. Blaser schiebt es auf eine „überalterte Bürgerschaft“, für die „aktuelle Musik keine Kultur ist“. Da müssten zwischen Verein und Kommunalpolitik noch einige Verständigungsprobleme ausgeräumt werden.

Für dieses Jahr hatte die „Stubnitz“ keine Förderung bei der Stadt beantragt, die ohnehin maximal zehn Prozent des Aufwands — unter 100 000 Euro — gedeckt habe, wie Blaser sagt. Mit einem guten Dutzend Ehrenamtler erhält er den Betrieb auf dem Kulturschiff aufrecht — sowohl in den Häfen als auch auf Fahrt. Doris Kesselring

 

 

Doris Kesselring

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