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Kleine Höfe brauchen große Ideen: Landwirt sucht Nische

SANITZ Kleine Höfe brauchen große Ideen: Landwirt sucht Nische

Christian Zehe bewirtschaftet einen 170-Hektar-Hof mit Pferdepension und Reithalle. Den Betrieb will er für die nächste Generation fit machen.

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Ilka Bütow geht dem Reitsport in der hofeigenen Reithalle in Sanitz nach.

Quelle: Rainer Schulz

Sanitz. Zu tun ist immer etwas auf einem landwirtschaftlichen Gehöft, vor allem wenn es viele Tage geregnet hat, eine Wurzel durchs Abwasserrohr gewachsen ist und das Wasser sich staut. Das muss Christian Zehe, Landwirt in Sanitz, dann zuerst erledigen. Und von Winterruhe kann überhaupt nicht die Rede sein. Der 47-Jährige hat im Jahr 2008 den Hof von seiner Mutter übernommen und bewirtschaftet nun 170 Hektar Fläche, eine Reithalle und eine Pferdepension.

Aufgebaut hat den Betrieb Christel Zehe, die als Wiedereinrichterin in den Jahren 1997/1998 den damals leerstehenden Schafstall der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft von der Treuhand erwarb, „der damals eine ziemliche Ruine war“, sagt Christian Zehe. Sechs bis sieben Jahre wohl, so vermutet er, hatte der Komplex leergestanden.

Auf seinen Flächen, von denen 40 Hektar Grünland sind, baut Zehe in einer vierjährigen Fruchtfolge Raps, Weizen, Kartoffeln und dann wieder Weizen an. Heu, Stroh und Hafer werden oft für die Pferde in der Pension verwendet oder an die eigenen Pferde verfüttert. Zehe selbst ist ein bekannter Vielseitigkeitsreiter und steht noch immer in enger Verbindung zum Reitsport — auch als Landwirt: „Die Halle und die Stallungen werden von mir und meinen zwei Mitarbeitern bewirtschaftet“, sagt der Sanitzer. Und damit ist ein Problem, wie es alle Landwirte kennen, gelöst: „Wir haben damit auch im Winter unsere Arbeit“, wenn es eben auf den Äckern und Wiesen nichts zu tun gibt.

Das ist auch die Zeit, in der Christian Zehe über seinen Betrieb nachdenkt und wie er für die nächste Generation fit gemacht werden kann. „Wir sind ja kein großer Hof“, sagt er, und deswegen muss er auf der Suche nach neuen Ideen sein. Keineswegs neu, aber bewährt und erprobt ist die Nachbarschaftshilfe. Zehe will sich keine teuren Maschinen in die Halle stellen. „Ich kooperiere mit Kollegen und Nachbarn, die die gleiche Qualität und Philosophie an den Tag legen.“ Zehe bringt in die Runde seinen Kartoffelroder ein und weiß genau: „Kooperation zahlt sich auf Dauer ja immer aus.“

Bei den Kartoffeln, die er anbaut, ist das nicht immer der Fall — „Pflanzkartoffeln mache ich nicht mehr“, da hat Zehe Defizite zu beklagen gehabt. Auf seinen Felder wachsen noch Industrie- und Stärke-Kartoffeln. Und da beginnen Christian Zehes Überlegungen zur Zukunft des Hofes, vielleicht mit Direktvermarktung. Mit seiner Tochter hat er beim Edeka in Sanitz Kartoffeln verkauft, „das hat Spaß gemacht und einen besseren Preis gebracht als bei der Industrie“. Aber eine Befürchtung beschlich Zehe, als seine Leute Schlepperzug um Schlepperzug mit Kartoffeln Richtung Lagerhaus fuhren: Die Masse muss bewältigt werden, er hatte mit seiner Tochter gerade 500 Kilo verkauft. Er hat den Versuch auch gestartet, „weil der Bauer sonst schon nichts mehr direkt zum Essen anbietet“, sagt Zehe.

Deswegen hat er nun einen weiteren Schritt gemacht und sagt mit einem Lächeln: „Seit 2014 bin ich auch Gemüsebauer.“ Erst einmal ganz vorsichtig, in alte Siloteile hat er Boden gefüllt und baut dort Gemüse an, „weil der Mensch sich immer mehr von der Selbstversorgung entfernt“.

Und vielleicht ist das ein Ansatzpunkt bei der Suche nach einer Marktnische für einen kleinen Hof. Aber das weiß Zehe noch nicht. Klar aber ist ihm, dass es mit seinen 170 Hektar „schwierig wird, mit Massenprodukten Geld zu verdienen“. Denn es sei oft so, dass man als Urerzeuger auch bei den Preisen gedrückt wird, sagt Christian Zehe, der darauf hofft, dass sich irgendwo eine Lücke auftut, „in die man den Fuß stecken kann“.

Bei einem Projekt in der Regionalschule haben die Kinder die Kartoffeln direkt verkauft und dafür 200 Euro für die Klassenkasse eingenommen.“

Christian Zehe,
Landwirt

 



Michael Schißler

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