Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Landwirte in MV hoffen auf den Weltmarkt
Mecklenburg Rostock Wirtschaft Landwirte in MV hoffen auf den Weltmarkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:17 28.09.2018
Insgesamt 16 Silos – bis 36 Meter hoch – gehören zum neuen Getreideterminal Rostock. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Manchmal kommen sogar Großprojekte ganz schnell voran – und das sogar in Rostock: In nur 13 Monaten ist im Seehafen eines der größten und teuersten Bauprojekte der vergangenen Jahre in der Hansestadt umgesetzt worden. Die Unternehmen Beiselen (Ulm), Trede & von Pein (Itzehoe), Ruldolf Peters (Winsen/Luhe) und J. Stöfen (Wesselburen) haben am Freitag ihr gemeinsamen, neues Getreideterminal übernehmen. Es ist eine der größten Export-Anlagen in ganz Europa – und auch die Landwirte in MV sollen von dem Projekt profitieren: Der Landesbauernverband hofft bereits auf steigende Exporte.

200 Lastwagen pro Tag

Es ist ein geradezu gigantisches Projekt, dass nun nach in Betrieb gehen wird: 16 neue Silos gehören zum Getreideterminal Rostock. Zwölf sind bereits fertig. „Die anderen vier werden in den kommenden Wochen errichtet. Wir warten auf die Bauteile des englischen Herstellers“, so der Niederländer Ron Verhorevoort, der Leiter der neuen Silo-Anlage. Bis zu 36 Meter sind die Lager hoch. Insgesamt 160 000 Tonnen können ihnen gelagert werden. Und das alles kann binnen kürzester Zeit gefüllt werden: „Wenn alles fertig ist, sind wir in der Lage pro Stunden 900 Tonnen Getreide von Lastwagen und 300 Tonnen von Güterzügen anzunehmen“, so Verhorevoort. Von jeder Lieferung werden Proben gezogen und im Terminal-eigenen Labor analysiert.

In den Erntemonaten sollen bis zu 200 Lastwagen pro Tag ihre Ladung am Terminal abliefern. Dieses Getreide soll vornehmlich aus MV kommen. „Aber spätestens, wenn der Gleisanschluss in Betrieb geht, wird das Terminal auch überregional Bedeutung gewinnen. Wir werden zur Getreide-Drehscheibe an der Ostsee“, so Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Die Investition der Partner –30 Millionen Euro für die neuen Silos und Anlage plus zehn Millionen Euro für einen zweiten Belader an der Kai-Kante – sei ein positives Signal für das Land. „Unser Hafen ist für ganz Deutschland wichtig – und auch für die Nachbarländer.“ Angedacht ist nämlich, auch Getreide aus Süddeutschland sowie aus Tschechien per Bahn nach Rostock zu bringen, um es zu verschiffen. „Der Gleisanschluss ist in Planung, aber noch nicht gebaut“, sagt Christian Hardt, Sprecher des Hafenbetreibers Rostock Port. Möglicherweise kann die Bahn-Anbindung aber bereits zur Ernte 2019 in Betrieb gehen.

Rostock hilft der Welt

Für Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) hat das neue Terminal, in dem 13 Mitarbeiter arbeiten, auch eine soziale Komponente: „Rostock trägt seinen Teil dazu bei, dass Menschen überall auf der Welt ernährt werden können.“ Allein die 160 000 Tonnen, die in den Silos gelagert werden können, würden reichen, um ganz Nigeria eine Woche lang zu ernähren. Schon heute ist Deutschland der drittgrößte Getreide-Exporteur der Welt. „Wir haben in Deutschland und Europa das Potenzial, die wachsende Bevölkerung weltweit zu ernähren“, sagte bei der Übergabe des Terminals auch Gastredner Dr. Klaus-Dieter Schumacher, seines Zeichens renommierter Agrar-Wissenschaftler.

Auch die Landwirte in MV können auf neue Geschäfte dank des neuen Hafens hoffen: „Wir sind davon überzeugt, dass die Bauern im Nordosten hochkonkurrenzfähig sind. Sonst wären wir nicht hierher gekommen“, sagt Terminal-Geschäftsführer Hans-Bernhard Overberg. Worte, die dem Präsidenten des Landesbauernverbandes gut taten: „2018 war ein beschissenes Jahr für die Bauern in MV. Es wird Narben hinterlassen“, so Detlef Kurreck wörtlich. Umso wichtiger sei der Vertrauensvorschuss, den die Gesellschafter des neuen Hafens dem Agrarstandort MV entgegenbringen würden: „Voller Selbstbewusstsein kann ich Ihnen sagen: Gemeinsam werden wir Erfolg haben. Wir Landwirte in MV schaffen das.“

Auch HaGe baut aus

Mehr als zehn Prozent des gesamten Hafenumschlags macht in Rostock bereits Getreide aus –im Schnitt 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Mit Beiselen und seinen Mitstreitern sind nun fast alle großen Land- und Getreidehändler Deutschlands im Seehafen vertreten. Und das neue Terminal ist nicht die einzige Investition: Auch die Kieler HaGe will ihre Aktivitäten im Seehafen ausbauen, plant in direkter Nachbarschaft zum neuen Getreideterminal den Bau von sieben weiteren Silos. Investitionsvolumen: knapp sechs Millionen Euro. Dass Getreidehändler auf Rostock und nicht auf die Konkurrenz in Kiel und Lübeck setzen, hat einen einfachen Grund: „Die Schiffe werden immer größer. Wir beladen mittlerweile Frachter der so genannten Panmax-Klasse. Rostock ist der einzige Tiefwasserhafen an der deutschen Ostsee, hier können die Schiffe auch mal 60 000 Tonnen laden. In Kiel gehen maximal 15 000 Tonnen“, so Torsten Weidmann, Leiter Standortlogistik bei der HaGe.

Andreas Meyer