Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Rostocker sind Marktführer für Seezeichen
Mecklenburg Rostock Wirtschaft Rostocker sind Marktführer für Seezeichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:01 30.10.2018
Christian Cammin ist Geschäftsführer der Julius Marine GmbH. Mit Seezeichen wie diesen Solarlaternen setzt seine Firma Millionen um. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock-Schmarl

Wenn Seefahrern ein Licht aufgeht und sie sicher in den Hafen leitet, dann haben womöglich ein paar Rostocker ihre Finger mit im Spiel. In einer unscheinbaren Halle, versteckt im Industriegebiet von Schmarl, bauen die Mitarbeiter die Julius Marine GmbH das, was selbst bei Nacht nicht zu übersehen ist: Seelaternen, Schleusensignale und Richtfeuer – alle erdenklichen Navigationshilfen für die See- und Binnenschifffahrt. „Wir sind der deutsche Marktführer für Seezeichen“, sagt Geschäftsführer Christian Cammin (38) stolz.

An der Warnow werden Seezeichen hergestellt, mit deren Hilfe Kapitäne auf Flüssen und Meeren sicher navigieren.

Ihre Produktionsstätte baut die Firma gerade neu auf. Noch drängeln sich in der Halle rote und grüne Schwimmkörper und Eistonnen für Wasserstraßen. In Regalen warten Linsenhauben darauf, auf Leuchtfeuern verbaut zu werden. So ruhig wie jetzt wirds nicht bleiben. Elektrotechnik, Endmontage, Stahlbearbeitung und Qualitätscheck – all dass soll künftig hier stattfinden. „Wir wollen weiter wachsen“, sagt Christian Cammin. Der Platz im Schmarler Business Park ist gut gewählt. „Hier darf man laut und schmutzig sein“, scherzt der Chef. Der Standort bietet weitere Vorteile: Stahlprofi Thyssenkrupp Schulte, Korrosionsschutz-Spezialist Krebs und weitere Fachfirmen sind in unmittelbarer Nähe und liefern, was Julius Marine für seine Produkte braucht. Elektronikkomponenten wie Leiterplatinen lässt der Rostocker Seezeichenbauer an Norwegens Südwestküste, in Bergen, produzieren. „Wir designen, die Norweger bauen“, erklärt Cammin. Die Kunststoffrohlinge für die Binnentonnen kommen lassen die Rostocker in Süddeutschland im Rotations-Guss-Verfahren herstellen. Die Montage aller Teile findet an der Warnow statt. Von hier aus treten die Navigationshilfen ihre Reise quer durch die Republik zu ihren Käufern an. Dazu zählen neben Schifffahrtsämtern auch Betreiber großer Häfen, etwa dem von Hamburg. Doch nicht nur auf den Flüssen und an der Küste Deutschlands sind die Rostocker Seezeichen im Einsatz. Erst vor wenigen Tagen hat die Julius Marine GmbH 15 Seetonnen in die Schweiz geliefert. Die Schwergewichte wiegen je 8000 Kilo und schwimmen nun im Basler Hafen.

Mittelstand statt Großkonzern

Seit 2008 ist Christian Cammin im Seezeichen-Geschäft aktiv. Die Julius Marine GmbH aber existiert erst seit Februar 2017. Zuvor war Cammin für einen seiner jetzigen Mitbewerber tätig. Als der Seezeichenproduzent von einer kanadischen Unternehmensgruppe aufgekauft wurde, stieg Cammin aus und machte sich mit eigener Firma selbstständig. Ein mittelständisches Unternehmen sei ihm lieber als ein Großkonzern. „Wir können schnell Entscheidungen treffen und müssen nicht erst beim großen Bruder nachfragen.“ Neun Mitarbeiter – hauptsächlich Elektrotechniker und Konstrukteure – sind bei Julius Marine mit an Bord. „Wir setzen auf flache Hierarchien“, betont Cammin. Das sei gut fürs Betriebsklima und den Kunden. Denn der bekomme zeitnah, was er braucht. „Wenn ein Schiff eine Tonne wegrammt, muss schnell eine neue her. Wir können unkompliziert auf individuelle Wünsche reagieren.“

Das Erbe des Julius Pintsch

An Auftraggebern mangelt’s nicht: „Es gibt auf der Welt nur eine Handvoll Unternehmen, die machen, was wir machen“, sagt Christian Cammin. Dabei sei die Nachfrage nach sofort verfügbaren See- und Binnentonnen hoch. „Auf den Wasserstraßen wird gebaut ohne Ende.“ Damit Frachter solche Hindernisse gefahrlos umschiffen können und weder Brückendurch- noch Schleuseneinfahrten verfehlen, bauen die Rostocker an passenden Navigationshilfen. Und machen damit gute Geschäfte. 3,2 Millionen Euro werde die Firma in diesem Jahr umsetzen, sagt Cammin.

Der Fimenname sei übrigens eine Hommage an den „Urvater der Seezeichen“, erklärt Christian Cammin. Julius Pintsch hatte vor mehr als hundert Jahren damit begonnen, Schifffahrtsstraßen in aller Welt mit Signalen zu beleuchten. „Seine Tonnen schwammen auch vor Feuerland“, erzählt Cammin. Allerdings habe die von Pintsch gegründete Firma später den Sprung ins LED-Zeitalter verpasst. „Wir führen die Seezeichen in die nächste Generation.“ Die Rostocker sind gewissermaßen Pintschs Erben: Die Julius Marine GmbH hat die marine Sparte des Unternehmens Pintsch Aben übernommen, ebenso wie die Geschäftsaktivitäten der Firmen IMT Marine Deutschland und Julius Signal. „Seitdem bieten wir unseren Kunden von der einzelnen Seelaterne oder Tonne bis hin zur Komplettlösung alles aus einer Hand an“, sagt Cammin.

Nordlicht – beruflich und privat

Seezeichen „made in Rostock“ sind Christians Cammins Beruf. Er selbst ist wie seine Produkte ein echtes Nordlicht. Cammin ist in Rerik aufgewachsen, hat in Wismar BWL studiert und lebt heute mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Kühlungsborn. Die ein und drei Jahren alten Mädels sind wie der Papa Feuer und Flamme für maritime Signale. „Weil sie wissen, dass am Leuchtturm immer der Eismann steht“, erzählt Cammin und lacht.

Millionen mit Seezeichen

3,2 Millionen Euro Umsatz will die Julius Marine GmbH in diesem Jahr machen. Die Firma beschäftigt derzeit neun Mitarbeiter, will sich aber personell vergrößern. Der Betrieb mit Sitz in Rostock-Schmarl produziert Schifffahrtszeichen wie See- und Binnentonnen, Seelaternen, Solarkompaktlaternen, Schleusensignallaternen, Richtfeuer und Sektorenfeuer für den deutschsprachigen Raum.

Antje Bernstein

Jahrelang ist der Eisbrecher regelrecht verwahrlost. Nun bringen Rostocks Ehrenamtler den Stahlkoloss auf Vordermann. Was sie bislang geleistet haben und wie groß die Schäden der vergangenen Jahre sind, zeigt die OZ mit einem Besuch an Bord

23.10.2018
Uni Forschung in Dummerstorf - Wie isst man sich gesund?

Das Leibniz-Institut in Dummerstorf und die Uni Greifswald erforschen, wie Krankheiten mit gesunder Ernährung behandelt werden und Medikamententests ohne Tierversuche auskommen können.

Drei Brüder aus Rostock versüßen mit ihrer Imkerei das Frühstück von immer mehr Honigfans in Deutschland. Wie aus einem Hobby ein lukratives Bienen-Business wurde – das bald so erfolgreich wie die berühmteste Schoko-Creme der Welt werden soll.

15.10.2018