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Rostock Schönheitskur für Kreuz und Wetterhahn
Mecklenburg Rostock Schönheitskur für Kreuz und Wetterhahn
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00:00 03.04.2014
Noch gut in Schuss: Kustos Martin Heider (r.) und Bauingenieur Frank Thoms am Wetterhahn des Münsters — angebracht im Jahr 1841. Quelle: Lennart Plottke

Mit flinken Schritten eilt Martin Heider die schmalen Stufen des Baugerüsts empor. Dabei hat der Kustos die Spitze des Doberaner Münsters fest im Blick.

Schließlich, in 72 Metern Höhe, gibt es einen kurzen Augenblick des Durchatmens. „Ich mache das seit vergangenem Freitag zum fünften Mal“, sagt Heider und lacht. „Ich bin voll im Training.“ Denn endlich haben sich die Gerüstbauer der Firma Werdermann bis zum Wetterhahn vorgekämpft. Ab sofort können Fachleute Turmspitze und Dachreiter unter die Lupe nehmen.

„Ich habe selten eine so gute Konstruktion gesehen“, sagt Frank Thoms vom BTZ-Ingenieurbüro Rostock, der die Sanierungsarbeiten am Münster betreut. „Und ich bin schon auf vielen Baugerüsten gewesen.“

Gefragt sind in den kommenden Wochen Restauratoren und Dachdecker. „Das dürfte kein Problem sein“, sagt der Wolgaster Metallrestaurator Wolfgang Hofmann, seit Jahren für Metallarbeiten am Münster zuständig. „Mittlerweile kenne ich die Handschrift von Baurat Gotthilf Ludwig Möckel.“

Und so steht nach einer ersten Begutachtung des Kreuzes in luftiger Höhe fest: „Das muss runter — immerhin wurde daran seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr Hand angelegt“, macht Hofmann deutlich. In seiner Werkstatt sollen das Schmuckstück aufgearbeitet sowie fehlende Teile nachgefertigt werden. „Vor allem die Halterungen weisen doch einige Korrosionsschäden auf, Verzierungen drohen abzufallen“, erklärt der Restaurator. „Deshalb wollen wir dem Kreuz einen möglichst dauerhaften, traditionellen Korrosionsschutz geben.“ Dabei dürfte die Demontage gar nicht so einfach werden. „Ich habe das mal grob ausgemessen“, sagt Martin Heider. „Das Kreuz hat eine Länge von gut fünf Metern — ganz schön gewaltig.“

Eine weitere Überraschung: „Auf dem Wetterhahn haben wir die Jahreszahl 1841 gefunden“, erklärt Heider. „Damit ist er älter als der jetzige Turm von etwa 1890.“ Ob der Hahn ebenfalls vorübergehend abgebaut und in der Werkstatt restauriert werden muss, stehe noch nicht fest, sagt Wolfgang Hofmann. Erstaunlich: „Dafür, dass das tragende Material schon mehr als einhundert Jahre auf dem Buckel hat, ist es noch ziemlich gut erhalten.“

Absolut schwindelfrei müssen auch die Mitarbeiter der Bad Doberaner PGH Dachdecker, Bauklempner und Installateure GmbH sein. Denn neben den Restaurierungsarbeiten soll auch die Turmeindeckung erneuert werden. „An einigen Stellen fängt das Dach an zu beulen“, erklärt Bauingenieur Frank Thoms. „Ein Zeichen für mögliche Feuchtigkeit.“ Darüber hinaus soll die Sanierung der Schallluken sowie des Blitzschutzes in Angriff genommen werden. „Wir wollen das Gerüst nicht unnötig lange stehen lassen“, sagt Martin Heider. „Da geht es bei den Terminen jetzt Schlag auf Schlag.“

Etwa zwei Monate sind für die Arbeiten in luftiger Höhe eingeplant — daneben sollen beispielsweise auch das Chorgestühl im Innenraum untersucht, der Westgiebel eingerüstet sowie das Schlagwerk der Uhr wiederhergestellt werden. Gesamtinvestitionen: 288 000 Euro.

Ganz vorn mit im Sanierungsboot: die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. „Von dort erhalten wir allein 150 000 Euro“, freut sich Heider. Dass die Anziehungskraft des Münsters offenbar auch über die Grenzen Doberans hinaus geht, habe der jüngste „Tag der offenen Tür“ gezeigt: „Da konnten wir mehr als 1500 Besucher aus der gesamten Region begrüßen — eine stolze Zahl.“

Sein kostenloses „Fitness-Programm“ zur Spitze des Turms dürfte Martin Heider in den kommenden Wochen noch öfter absolvieren — ganz ohne schwere Beine. Kein Wunder: „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, das alles so hautnah zu sehen“, sagt der Kustos — und seine Augen leuchten.

Zwei Monate Sanierung
288 000 Euro umfassen die Gesamtinvestitionen für die Sanierung des Dachreiters und der Turmspitze sowie weitere bauliche Maßnahmen.
150 000 Euro — diese Summe stellt allein die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zur Verfügung. Dazu kommen weitere 68 000 Euro Eigenmittel.
72 Meter — so hoch ist die Turmspitze des Doberaner Münsters. Vier Wochen hat das Anbringen des Gerüstes gedauert — für die Sanierung des Dachreiters sind etwa zwei Monate geplant.
Mittlerweile kenne ich die Handschrift von Möckel.“Metallrestaurator
Wolfgang Hofmann



Lennart Plottke

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