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Rostock Wo Ehm Welk zum Zuhause gehört
Mecklenburg Rostock Wo Ehm Welk zum Zuhause gehört
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00:30 12.06.2018
Die Erschließungsarbeiten im Bad Doberaner Wohngebiet Kammerhof – nahe der Dammchaussee – gehen weiter. FOTOS (6): THOMAS HOPPE
Bad Doberan

Der Kammerhof ist nicht Kummerow, aber dieses Roman-Dorf und sein Erfinder begegnen einem hier auf Schritt und Tritt. Denn Bad Doberans Volksvertreter benannten die Straßen an den 250 Grundstücken im größten Eigenheim-Neubaubaugebiet Mecklenburgs nicht nur nach dem Pseudonym des Heimatdichters Ehm Welk, Thomas Trimm, sondern auch nach seinen Romangestalten Johannes Bärensprung (Armenjunge) und Martin Grambauer (Bauernbursche) aus „Die Heiden von Kummerow“ oder nach dem uckermärkischen Geburtsort des bekannten Erzählers (1884-1966) Biesenbrow – heute ein Ortsteil von Angermünde.

Im Heimatdichter- Viertel des größten Neubaugebiets Bad Doberans wächst nicht nur die Kamille rasant. Auch immer mehr Häuser „schießen“ hier in die Höhe.

Wer mit Anwohnern dieser neuen Münsterstädter Wege übers Land ins Gespräch kommt, kann erfahren, wie selbst ein überliefertes Zitat des in Bad Doberan gestorbenen Schriftstellers sich hier quasi mit Leben erfüllt: „Heimat ist nicht immer da, wo wir zur Welt kamen – Heimat ist, wo wir lieben“.

So ist der Bauherr eines 169-Quadratmeter-Winkelbungalows, Benjamin Höft, ursprünglich Crivitzer, der zunächst in Rostock seine Liebe fand und jetzt seit Januar mit seiner Frau Melanie Falck und den anderthalbjährigen Zwillingstöchtern am Bärensprungweg wohnt. „Wir hatten vor drei Jahren überlegt, was wir besser machen könnten, als das ganze Leben zur Miete zu wohnen und machten uns über Eigentum schlau“, schildert der 28-jährige IT-Consultant (Berater) den Weg der jungen Familie nach Bad Doberan, wo die Oma der Ehefrau – Julianne Falck (65) – und ihre Mutter Janina Falck bereits in eigenen vier Wänden wohnen. „Wir wollten Ruhe und die Nähe zur Ostsee – das ist hier auf jeden Fall erfüllt. Natürlich hat jede Bauphase so ein bisschen Höhen und Tiefen, aber im Endeffekt sind wir zufrieden und es hat alles gut geklappt“, sagt Melanie Falck. Die 25-jährige Kindergartenerzieherin hat für junge Baufreudige noch diese grundsätzlichen Tipps: „Alles gut planen und immer wieder selbst kontrollieren!“

„Sie haben alles richtig gemacht. In der heutigen Zeit, ist es auch das Beste, wenn man baut – zumal bei der heutigen Zinslage“, schätzt ihre Oma ein. Apropos Zinsen, daran hat Sascha Bebernitz nicht so gute Erinnerungen. Der ehemalige Nienhäger wohnt mit Frau und siebenjährigem Sohn seit Anfang Mai ein Stückchen weiter. „Die Erschließung hier war eine Katastrophe – sie waren über drei Monate in Verzug und wir mussten schon Bereitstellungszinsen zahlen, weil die vereinbarte Jahresfrist vorbei war. Erst war es zu nass, dann war es zu trocken, irgendwelche Rohre konnten angeblich wegen des Staubs nicht verschweißt werden, dann wurde auch noch die Straße nicht freigegeben“, berichtet der 41-Jährige. Der Servicetechniker, der gerade seinen Vorgarten schick macht („Mit dem Bau hat eigentlich alles geklappt“), verweist noch auf die Schäden der dann nach etwa zwei Wochen freigegebenen Piste: „Sehen Sie die Spurrinnen. Hier kommen Lkw mit Dachstühlen und ganzen Fertigteilhäusern lang. Dafür ist die Straße gar nicht ausgelegt. Auch der Gehweg da vorn an der Ecke ist schon kaputtgekarrt...“. Da kommt sein Piet mit dem Nachbarssohn Ben angelaufen – sie haben den neuen Spielplatz in der Nähe in Augenschein genommen: „Da gibt es ein Karussell, eine Wippe, Rutsche, Schaukel, ein Trampolin und ein Klettergerüst“, zählen die beiden zufrieden auf. Gerade noch hatten Mitarbeiter der Gartenbaufirma Alpina mit einer Umkehrfräse frische Rasensaat beim Spielplatz in den Boden gebracht. Sehnsüchtig besichtigen dort ein Mädchen und deren Mutti das Gelände, auch sie wollen endlich an die bunten Geräte, in die Zeitung aber nicht. „Es gibt hier nichts zu meckern“, meint die Frau jedoch mit leicht ironischem Unterton und ärgert sich über eine in der weiteren Nachbarschaft erlebte „Ausgrenzung“, wie sie sagt.

Der Geschäftsführer der hier die Grundstücke erschließenden und vermarktenden Ostsee-Wohnpark GmbH, Arno Gutzmer, sagt zur aktuellen Nachfrage im sogenannten B-Plan-12-Gebiet des Kammerhofs: „Die Liste ist voll, selbst wenn welche abspringen, ist die gleiche Liste noch einmal voll. Also Interessenten sind genügend da und neue Interessenten werden nicht mehr zum Zuge kommen.“

Den Verzug bei der früheren Erschließung des Baufeldes 4 bestätigt der Mann: „Da spielte uns die Witterung immer wieder rein.“ Zu einer von der OZ erwünschten Prognose für die noch anstehenden Erschließungen, fragt er: „Bin ich Gott?!“ Auch Schäden an den neuen Straßen räumt er ein und bittet Anwohner, bei der Ermittlung von Verursachern „etwa durch Fotos“ zu helfen. Dann blickt er voraus und betont: „Bis Ende Juni wird der erste Abschnitt der Außenanlagen fertiggestellt, mit Spielplatz, Grünanlagen und Gehwegen – bis zur Querungsstraße.

„Die Häuser wachsen hier doch wie die Fliegen“, meint ein Dachdecker, der seinen Namen hier allerdings nicht lesen will. Der Wahlrostocker Mehmet Göksen kommt dagegen extra von seinem Gerüst am Grambauer-Weg heran und sagt, dass er allein im Kammerhofgebiet schon sechs Eigenheime verputzt hätte, aber auch Häuser beim Doberaner Penny. „Wenn ich darauf gucke, bin ich stolz: Das habe ich gemacht“, sagt der 50-Jährige, der in Adana geboren wurde und seit 22 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet – insgesamt habe er in dieser Zeit schon an rund 200 Häusern mitgebaut.

Unweit dieser Baustelle wohnt seit Ende Februar Karin Friedrich mit ihrem Mann. Die ehemalige Wirtschaftswissenschaftlerin von der Humboldt-Uni Berlin stammt ursprünglich aus Krakow am See und wollte wieder nach Mecklenburg zurück: „Wir suchten die Nähe zur Ostsee, weil wir beide Angler sind“. Sie hätten alles richtig gemacht, auch wegen der Natur und vor allem wegen der Kinder, die um Schwerin herum leben würden: „Das ist eine knappe Stunde Entfernung“, sagt die gerade 65 gewordene Wahldoberanerin und ergänzt: „Wenn sie sich fürs Alter etwas aufbauen, muss es so sein, wie sie sich es vorstellen. Das kann man aber nur, wenn man neu baut!“

Genauso lief es auch bei Birgit Müller-Klaes die aus Wiesbaden stammt. Die 58-jährige Lehrerin für medizinisches Quigong im Nebenberuf erzählt: „Ich wohnte in den 90ern in Schmadebeck, dann in Rostock und suchte ein Objekt für Mehr-Generationen-Wohnen. Hier am Biesenbrower Weg passt nun alles mit insgesamt 344 Quadratmetern Wohnfläche. Wir sind drei Parteien verschiedener Generationen, werden einen Gemeinschaftsbereich nutzen und planen eine Begegnungsstätte mit gesundheitlichen Themen.“

Thomas Hoppe

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