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Rostock Wo Schule wieder Spaß machen soll
Mecklenburg Rostock Wo Schule wieder Spaß machen soll
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11:51 06.02.2018
Gehlsdorf

Auf dem großen Gelände der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Gehlsdorf befindet sich die Heinrich-Hoffmann-Schule. Im Sommer verschwindet der flache Bau der Klinikschule unter einem grünen Blätterdach in einer dicht bewachsenen idyllischen Anlage. Die Schule mit dem Förderschwerpunkt „Unterricht für kranke Schülerinnen und Schüler“ ist eine Übergangsschule, die auch außerhalb der Klassenzimmer Wissen vermittelt. Für Teil 15 des OZ-Schulratgebers ging es in die Schule des Struwwelpeter-Autors.

Heinrich- Hoffmann-Schule legt Förder- schwerpunkt auf kranke Schülerinnen und Schüler.

Förderangebot: LRS-Training

Schüler mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten werden in besonderen Kursen gefördert. In einem Trainingsprogramm oder 14-tägigen Coaching wird speziell auf die Förderung der Lese- und Rechtschreibkompetenz eingegangen. Außerdem gibt es ein Nachhilfeangebot. Sensomotorik, visuelle Wahrnehmung, Konzentration, Rechnen und Sprache werden ebenfalls gefördert.

Lehrer: Teamberatungen

17 Lehrerinnen und Lehrer sowie drei Erzieherinnen sind momentan an der Klinikschule tätig. Sonderpädagogen, Grundschul-, Regionalschul- und Gymnasiallehrer arbeiten an indivisualisierten Lernprozessen für die Schüler. Es gibt feste Verbindungslehrer, die an wöchentlichen Visiten und Teamberatungen teilnehmen, um den Unterricht auf den Therapieplan anzupassen.

Ausstattung: Keramikwerkstatt

Das große Gelände in Gehlsdorf ist idyllisch und ruhig. Fußballtore, ein Spielplatz und Basketballnetze stehen den Kindern zur Verfügung. Der flache Bau des Schulgebäudes ist modern und mit hellen und freundlichen Klassenzimmern ausgestattet. In einer Keramikwerkstatt arbeiten die Schüler an kreativen Projekten. Eine Lehrküche befindet sich ebenfalls im Schulgebäude.

Unterricht: Lernen im Pyjama

Bei einer schweren Krankheit müssen Kinder manchmal monatelang im Krankenhaus bleiben. Auch für diese Zeit bleibt die Schulpflicht bestehen. Die Heinrich-Hoffmann-Schule vermittelt Wissen auch Zuhause oder im Krankenhaus. Dabei wird der reguläre Schulstoff unterrichtet. Das schafft Anschluss an die Mitschüler und Normalität im Alltag eines kranken Kindes.

Die Heinrich-Hoffmann-Klinikschule ist eine staatliche Einrichtung, die kranke, schulpflichtige Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren beschult. In gleichaltrigen Lerngruppen werde hier schulartübergreifend unterrichtet. Im letzten Schuljahr waren es 900 Kinder, die an verschiedenen Standorten unterrichtet wurden. Dazu gehören Gehlsdorf, der Standort Rembrandtstraße, die Klinik für Forensische Psychiatrie, die KMG Klinik in Güstrow und die Tageskliniken in Bad Doberan und Reutershagen. „Derzeit haben wir 145 Schüler an unseren Standorten“, sagt Schulleiter Michael Burgert. Die hohe Zahl aus dem letzten Schuljahr entstehe dadurch, dass die Schüler nur übergangsweise an der Schule bleiben. „Unser oberstes Ziel ist die Haltung des Schulanschlusses und die Rückführung des Kindes an seine Heimatschule oder in eine reguläre Schule“, so Burgert.

Das ist auch der Grund, warum die Heinrich-Hoffmann-Schule keine Abschlüsse vergibt. Unterricht finde dort nach dem Rahmenplan der jeweiligen Heimatschulen und vorrangig in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch statt. Ergänzend werde die Förderung der Sensomotorik, visuellen Wahrnehmung, Konzentration und Sprache angeboten. Gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht, Naturwissenschaften und Kunstkurse gibt es ebenfalls. „15 Stunden Unterricht haben unsere Schüler wöchentlich, in den anderen Stunden haben sie Therapien in der Klinik“, erklärt Schulleiter Burgert.

Dr. Steffen Weirich ist Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor. „Zu einem längeren Krankenhausaufenthalt gehört Schule für junge Menschen unbedingt dazu. Viele psychische Erkrankungen gehen mit schulischen Problemen einher“, so Weirich. An der Klinikschule werde ermöglicht, auf Erkrankungen während der Schulzeit einzugehen, Ängste, Unsicherheiten und Mobbing–Erfahrungen unter geschützten Bedingungen aufzuarbeiten. „Als Klinik sind wir sehr dankbar für die Tätigkeit der Schule“, betont der Oberarzt. „Bei uns gehören viele Gespräche mit den Heimatschulen und eine umfassende Organisation der Aufenthalte dazu“, bestätigt auch Katja Gräfe aus dem Pflegebereich. Für die Schulen, aus denen die Kinder eigentlich kommen, müssen nämlich Krankheitsbilder übersetzt und pädagogische Aufgaben unterstützt werden.

Die insgesamt zwanzig Pädagogen der Schule müssen flexibel sein. „Jeder Tag hat neue Herausforderungen, auf jedes Kind stelle ich mich neu ein“, sagt Lehrerin Kerstin Meng. Die soziale Kompetenz der Schüler zu stärken sei ebenso wichtig wie Mathe und Deutsch. Und letztendlich solle der Schüler wieder gern zur Schule gehen. „Ich versuche den Schülern schöne Erlebnisse zu geben, sodass Schule wieder Spaß macht“, sagt auch Erzieherin Gabriele Völkel.

Kontakt: Gehlsheimer Str. 20, Telefon ☎ 0381/ 6 70 71 50, E-Mail:

schule-fuer-kranke-hro@freenet.de,

Info: www.kjpp.med.uni-rostock.de

Freizeitangebot: Ostercafé

Einmal im Jahr findet an der Schule ein Ostercafé und ein Sommerfest vom Schulverein mit Eltern, Lehrern und Schülern statt. Als Begegnungsstätte seien diese Events vor allem für die Eltern der Kinder ein besonderes Angebot. Exkursionen haben regionale Ziele wie die Kunsthalle oder die Stadt Marlow. Ein weiteres Highlight ist die jährliche Weihnachtsfeier in der Schule.

Zahlen & Fakten

900 Schüler wurden im letzten Jahr durch die Heinrich-Hoffmann-Schule unterrichtet.

Der Schulverein „5 vor 12“ hilft Kindern und Jugendlichen, die sich vorübergehend in medizinischer oder therapeutischer Behandlung befinden.

1965 wurde die Schule in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Gehlsdorf eröffnet. Seit 2003 gibt es die Heinrich-Hoffmann-Schule, die im gleichen Jahr ein neues Gebäude bezog.

Lea-Marie Kenzler

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