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Rostock Zahl der Vermissten in Rostock steigt
Mecklenburg Rostock Zahl der Vermissten in Rostock steigt
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22:28 27.11.2018
Fast täglich verschwinden Menschen in Rostock. Vor allem Kinder und Jugendliche aus Betreuungseinrichtungen werden vermisst gemeldet. Quelle: Johanna Hegermann
Reutershagen

Für die Eltern ist es ein Schock: Plötzlich kommt ihre zehnjährige Tochter nicht mehr von einer Verabredung aus der Rostocker Innenstadt zurück. Gegen 14 Uhr verließ das Mädchen am Montag die Wohnung im Komponistenviertel, um sich mit einer Freundin zu treffen. Von dieser verabschiedet sich die Tochter gegen 15 Uhr und fährt mit einer Straßenbahn am Steintor wieder in Richtung Zuhause – wo sie aber nicht ankommt.

Die Eltern alarmieren die Polizei. Die Beamten geben sofort eine Vermissten-Anzeige über die Medien raus: Gesucht wird ein blondes Mädchen, das mindestens zwei Jahre älter wirkt, als es tatsächlich ist, heißt es. Aus dem Umfeld der Tochter bekommt die Polizei am Dienstag dann den entscheidenden Tipp: Die Vermisste könnte sich im Keller des Hauses aufhalten, der als Treffpunkt dient. Und tatsächlich hat sie sich dort auch versteckt.

Jeden Tag mehrere Anzeigen

Für die Betroffenen war es eine Ausnahmesituation, für die Beamten ist es hingegen längst Alltag: „Bei uns gehen jeden Tag mehrere Vermissten-Anzeigen ein“, sagt Polizei-Sprecherin Yvonne Hanske. Noch nie sind so viele Menschen in Rostock verschwunden wie in diesem Jahr: „Wir liegen aktuell bei 1453 Vermissten-Meldungen“, sagt Hanske. Erst im vergangenen Jahr erreichte die Entwicklung mit 1007 Anzeigen einen neuen Höchststand. Nun gibt es einen weiteren Anstieg um voraussichtlich rund 50 Prozent.

Es komme vor, dass Kinder stiften gehen, wenn es in der Familie Konflikte gebe, berichtet die Polizeisprecherin. So soll es nach OZ-Informationen auch bei dem zehnjährigen Mädchen gewesen sein. Sie hatte unter anderem Handy-Verbot. Viele der vermissten Kinder in Rostock seien schon mehrfach ausgerissen. „Ein Zwölfjähriger aus Rostock rennt zum Beispiel jede Woche vier- bis fünfmal von Zuhause weg“, sagt Hanske. Das zehnjährige Mädchen sei bei der Polizei jedoch das erste Mal als vermisst gemeldet worden.

Dramatische Fälle in der Vergangenheit

Verschwinden Kinder oder Jugendliche, wachsen bei den Eltern die Sorgen und böse Erinnerungen werden wach: Im Jahr 2012 hielt die dramatische Entführung der damals 17-jährigen Rebecca aus Rostock ganz Deutschland in Atem. Vier Tage lang war das Mädchen in der Gewalt des Serienvergewaltigers Mario B. – bis ihr die Flucht gelang.

Landesweit gesucht worden ist auch die 21-jährige Maria. Tagelang war die junge Frau aus Rostock Anfang 2017 verschwunden. Sie sollte am ersten Arbeitstag des neuen Jahres einen Job als Kellnerin antreten – doch sie erschien nicht zum Dienst. Plötzlich tauchte sie dann wieder auf. Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten, weil sie entführt worden sein soll.

Durchgängig hohe Zahlen

Rund 70 Prozent der Vermissten in Rostock sind Kinder und Jugendliche aus Betreuungseinrichtungen. „Die meisten kommen heil und selbstständig zurück – oft nach einigen Stunden, einer Nacht oder wenigen Tagen. Andere sind länger weg“, sagt Hanske. Im Sommer sei die Zahl besonders hoch. Schließlich animiere das schöne Wetter dazu, länger draußen zu bleiben.

Aber auch in der kalten Jahreszeiten gebe es laut Hanske durchgängig viele Vermisste. Einige von ihnen sind allein unterwegs, andere in Gruppen, was die Zahlen dann in die Höhe treibt. Auch die Technik spielt eine Rolle: Die Jugendlichen nutzen die Möglichkeiten, sich per Handy zu vernetzen und sich zu verabreden.

Beamte folgen Muster

Elf Mitarbeiter sind bei der Polizei in dem zuständigen Sachgebiet „Leben und Gesundheit“ im Kriminalkommissariat tätig. Die Suche nach Vermissten ist dabei nur ein Teil ihrer Aufgaben. Die Beamten gehen bei jedem Fall nach dem gleichen Muster vor und klären zunächst Fragen wie: „Welche Gefahr besteht? War das Kind schon öfter weg? Wo ist das Kind schon einmal aufgefunden worden? Wo sind mögliche Aufenthaltsorte?“, sagt Sprecherin Yvonne Hanske. Und auch wenn der Vermisste schon häufiger abwesend gewesen sei, die Polizei nehme jeden Fall ernst und suche auch noch das 101. Mal nach ihm.

Ein Anstieg um mehr als das Sechsfache

Seit dem Jahr 2009 hat sich die Zahl der Vermissten mehr als versechsfacht. Damals wurden 242 Menschen vermisst. Im laufenden Jahr sind es bereits 1453. Tendenz steigend.

9 Langzeitvermisste sucht die Polizei derzeit in der Hansestadt Rostock. Davon sechs ausländische Mitbürger, die vermutlich weitergereist sind.

Zudem wird ein Segler vermisst und eine Bulgarin, die bereits im Jahr 2014 von einem Schiff verschwunden ist. Außerdem wird ebenfalls seit dem Jahr 2014 nach Barbara Ploetz gesucht.

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