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Rostock Tausende feiern die Landwirte in MV
Mecklenburg Rostock Tausende feiern die Landwirte in MV
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20:11 07.10.2018
Hunderte Besucher verfolgten den Festumzug zum Landeserntedankfest. Vorneweg wurde die Erntekrone durch den Ort gefahren. Quelle: Andreas Meyer
Dummerstorf

In diesem Jahr hatten es die Landfrauen aus Satow besonders schwer: „Es war gar nicht so leicht, genügend Ähren zusammenzubekommen“, sagt Brigitte Kuhnke. Wintereinbruch Ende März, Dürre im gesamten Sommer: Die schlechte Ernte 2018 bekamen auch die Landfrauen zu spüren. Doch am Ende – nach mehr als 200 Stunden Arbeit mit sechs Helferinnen – war es dann doch vollbracht: Pünktlich zum Landeserntedankfest konnten sie eine prachtvolle Erntekrone präsentieren – ein Sinnbild für die gesamte Feier: Auch in einem schwierigen Jahr haben die Landwirte in MV allen Grund, stolz auf ihre Arbeit zu sein.

Historischer Ort für die Landwirtschaft

Mehr als zehntausend Besucher waren am Sonntag nach Dummerstorf gekommen – mehr als die Gemeinde Einwohner hat. Für die Landwirtschaft in MV ist der Ort ein besonderer: 1939 wurde hier das Kaiser-Wilhelm-Instituts für Tierzuchtforschung gegründet, der Vorgänger des heutigen Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN). Mit mehr als 240 Mitarbeitern wird in Dummerstorf die Ernährung der Zukunft erforscht. „Vor 70 Jahren ernährte ein Landwirt zehn Menschen. Heute sind es 145“, sagt Detlef Kurreck, Präsident des Landesbauernverbandes. Moderne Strategien für Feld, Flur und Tierhaltung, innovative Technik und Maschinen, neueste Dünge- und Pflanzenschutzmittel seien der Schlüssel zum Erfolg – auch im Jahr 2018. „Wir mussten Einbußen von mehr als 30 Prozent bei manchen Getreidesorten hinnehmen“, so Kurreck. Beim Erntedankfest wollen die Landwirte zeigen, dass volle Regale in den Supermärkten keine Selbstverständlichkeit sind.

Festumzug mit Fachmann Backhaus

Im Park der Gemeinde stehen ein Riesenrad und Kirmes-Buden, vor allem aber haben Produzenten aus der Region ihre Stände hier aufgebaut: Die Brennerei aus Klein Kussewitz ist mit dabei, die Mosterei aus Satow und auch die „Honigprinzen“ aus Hinrichsdorf. Sie alle zeigen, was es Leckeres aus MV gibt. Auch das Leibniz-Institut hat seine Tore geöffnet: Die Jüngsten können hier Schafe streicheln oder sich selbst im Melken versuchen. Der kleine Louis (3) aus Laage hat nur Augen für die Schafe. Mit strengem Blick mustert er die Tiere. „Nur die Hüpfburg findet er noch toller“, sagt Papa Mirko Schmelzer.

Für Luisa (3), Alina und Damian (beide 9) sowie Hunderte Besucher an den Straßen ist hingegen der Festumzug durch die Gemeinde der absolute Höhepunkt der Feierlichkeiten: Das Landschulmuseum aus Göldenitz zeigt eine kleine Show – Schulunterricht vor 100 Jahren. Die Grundschule Dummerstorf hat ein eigenes Lied für den großen Tag geschrieben und bekommt dafür viel Applaus. Eckart Voß aus Klingendorf präsentiert das Schmiede-Handwerk – und arbeitet auf einem offenen Wagen mit offenem Feuer. Und so mancher ältere Zuschauer fühlt sich bei der Parade historischer Landmaschinen in seine eigene Vergangenheit zurückversetzt: Uralte Traktoren von Lanz Bulldog sind mit dabei, aber auch „Aktivisten“ aus DDR-Zeiten oder der Stolz der sozialistischen Landwirtschaft, der Mähdrescher Fortschritt E 512. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kennt die Gefährte alle, erweist sich als wahrer Fachmann für historisches Gerät: „Der E 512 war der beste Mähdrescher der Welt!“ Dafür gibt es Lob von Moderator Bauer Korl: „Der Minister weiß einfach alles.“

Tier, Trecker und Tausende Zuschauer

Politik und Kirchen werben für Landwirte

Beim offiziellen Festakt wurde es dann wieder ernster: „„Leider fehlt oft die Wertschätzung für das, was die Landwirte für uns alle leisten“, so Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Trotz der Wetterkapriolen habe sie bei Treffen mit Bauern gespürt, „dass niemand den Kopf in den Sand gesteckt hat und mit welch großem Engagement alle dabei waren, um das bestmögliche Ernteergebnis einzufahren“. Verluste von rund 530 Millionen Euro hätten die Landwirte in diesem Jahr hinnehmen müssen, sagt Minister Backhaus. „Bedauerlich ist, dass die Verbraucher in Zeiten des globalen Handels und des hart umkämpften Lebensmittelmarktes davon scheinbar wenig zu spüren bekommen. Auch deshalb ist es wichtig, mit dem Landeserntedankfest diejenigen deutlicher ins Blickfeld zu rücken, die hinter der Vielfalt an Lebensmitteln stehen.“

Nach der dritten enttäuschenden Ernte in Folge mahnte auch Landesbischof Andreas von Maltzahn, die Lage der Bauern zu erkennen: Die Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern hätten deshalb ihre Gemeinden aufgerufen, in Not geratenen Landwirten die Pachten für Kirchenland kostenlos zu stunden. Der Bischof hielt zudem einen leidenschaftlichen Appell gegen Lebensmittel-Verschwendung: „Vielleicht müssen wir nicht Lebensmittel ‚lieben‘, wie manche Supermarktkette es werbewirksam vorgibt. Aber Lebensmittel verdienen unseren Respekt – aus Respekt vor all jenen, die dieses Essen produziert haben und aus Respekt davor, dass es noch immer nicht für alle Menschen dieser Erde genug zu essen gibt.“ Das nächste Landeserntedankfest findet übrigens auf Hiddensee statt.

Andreas Meyer

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat mehr Respekt für die Arbeit der Bauern eingefordert.

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