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Rostock Zeitreise: Zwischen Bandprobe und Fahnenappell
Mecklenburg Rostock Zeitreise: Zwischen Bandprobe und Fahnenappell
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06:42 24.03.2014
ISG-Schüler holen die DDR als Theaterstück zurück: Jonas Lemma, Tom Schulz (vorne links), Lucie Block, Hanna Boegel, Silvia Sikora (M.) sowie Louise Boog, Mina Wannewitz und Leonie Seyboth (vorne rechts) proben im FDJ-Hemd die Szene für den Fahnenappell. Quelle: Annemarie Gelse

Zwischen Fahnenappell und Bandprobe: 25 Jahre nach dem Mauerfall versetzen sich Schüler der Klassen neun bis zwölf des Innerstädtischen Gymnasiums (ISG) in die Zeit der DDR zurück. Das sozialistische System des Staates trifft auf Liebe, Freundschaft und die Leidenschaft für Rockmusik. Fünf Freunde einer Erweiterten Oberschule machen gemeinsam Musik nach ihrem Geschmack und philosophieren über Fragen von Freiheit und Zukunft. In dem Rocktheaterstück „Bataillon d‘amour“ tauchen die Teilnehmer in die jüngere deutsche Geschichte ein. Untermauert wird das Geschehen mit Songs von Bands wie Silly, City oder den Puhdys, die live von der Schülerband „Agitator“ gespielt werden.

„Kann ich mich frei entscheiden, für den Sozialismus zu sein — oder muss ich das?“, fragt Mina Wannewitz in einer Szene. Die vorletzte Probe wird als Sprechprobe durchgeführt. Der Text und die Abläufe sitzen. Zustimmend nicken Markus Riemer und Ines Gottwald den Schauspielern zu. „Sehr schön, nur der Kaugummi muss bei der Vorstellung raus“, sagt Lehrerin Ines Gottwald zwinkernd.

Geschichtslehrerin Anke Menz und Musiklehrer Markus Riemer schrieben das Stück für ihre Schüler. „Es vereint lebendigen Musik- und Geschichtsunterricht. Die Schüler machen sich Gedanken darüber, welchen Wert die Freiheit hat, die wir heute oft als selbstverständlich ansehen“, sagt Riemer. In den Pausen haben sich Schüler und Lehrer viel über die DDR unterhalten. „Wir haben ein bisschen aus unserer Jugendzeit geplaudert, damit die Inhalte für die Schüler greifbarer werden. Mit der Zeit haben sie sich immer mehr mit ihren Rollen identifiziert“, so Ines Gottwald.

Seit Anfang des Schuljahres üben die Teilnehmer das Stück ein. Begriffe wie Staatsbürgerkundeunterricht, Freie Deutsche Jugend oder Sozialistische Einheitspartei Deutschlands umgeben die Schüler des Innerstädtischen Gymnasiums jeden Donnerstagabend, an Sonnabenden und in den Ferien. „Viele Abkürzungen oder Witze haben wir anfangs nicht verstanden. Unsere Lehrer haben uns viel erklärt und somit ist die DDR für uns nachvollziehbarer geworden“, sagt Louise Boog. Die Schüler machen sich mit den Lebensumständen und dem sozialistischen System vertraut. „Früher habe ich mich nicht für das Thema interessiert. Durch das Stück ist mir bewusst geworden, dass es ein Teil des Lebens unserer Eltern gewesen ist“, sagt Lucie Block. Sie seien froh, nicht in einem System von Überwachung und Einschränkung leben zu müssen.

Zur Generalprobe am Sonnabend sollte alles perfekt sitzen. Kurz vor der Aufführung kommen detailliertere Probleme zutage. Welche Hose soll getragen werden? Welche Schuhe passen dazu? Wie sollen die Haare sitzen? Gefühle von Aufregung und Vorfreude mischen sich bei den Teilnehmern. „Wir freuen uns auf die Vorstellungen. Es ist toll, am Ende Teil eines besonderen Theaterstücks zu sein“, so Mina Wannewitz.

Die Teilnehmer des Stücks sind stolz auf ihre Leistung und wissen, worum es geht. „Das Stück vermittelt etwas von dem Gefühl und dem Wert der Freiheit“, sagt Tom Schulz. Malwina Millahn sieht noch einen weiteren Aspekt als wichtig an: „Das Stück hat uns verdeutlicht, dass die Menschen- und Freiheitsrechte das Wichtigste für einen Menschen sind.“

Theater-Termine
Am 25. und 26. März jeweils um 19 Uhr wird das Theaterstück „Bataillon d‘amour“ in der Aula des Innerstädtischen Gymnasiums am Goetheplatz aufgeführt. In einer zusätzlichen Ausstellung stehen zentrale historische Begriffe im Fokus. Interessierte sind willkommen. Die Schüler der Abiturstufe sorgen mit einem Solibasar für das leibliche Wohl.

Eintritt: fünf Euro als Spende für die technische Ausstattung der Aula
Durch das Stück ist mir bewusst gewor- den, dass es ein Teil des Lebens unserer Eltern gewesen ist.“Lucie Block, Schülerin



Annemarie Gelse

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