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Rostock Ziemer: Rostock ist meine Heimat
Mecklenburg Rostock Ziemer: Rostock ist meine Heimat
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00:00 31.07.2018
Hannover/Rostock

Torwart Martin Ziemer wurde in Rostock geboren. Der HC Empor war der erste Klub des mittlerweile 35-Jährigen, der bei den „Recken“ von Handball- Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf zu den Leistungsträgern zählt. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit ihm.

Martin Ziemer stand mit Hannover-Burgdorf im Final Four um den DHB- Pokal. In der neuen Saison spielt er im Europapokal. Quelle: Foto: Felix König

Was verbindet Sie noch mit Rostock?

Martin Ziemer: Das ist meine Heimat, einfach eine geile Stadt. Du fährst 20 Minuten und bist im Urlaub, am Strand, am Wasser. Ich habe noch Freunde und Weggefährten in Rostock, meine Mutter lebt auch noch dort. Da bin ich groß geworden, zum Sportler geworden. Meine Eltern haben mir Sport schon früh nahegebracht, es war auch am Essenstisch ein Dauerthema. Meine Mutter war Bundestrainerin im Kunstturnen, mein Vater 2. Vizepräsident bei Hansa, hat die Nachwuchs-Amateurabteilung zehn Jahre lang geleitet und auch Toni Kroos zu Hansa geholt und seine herausragende Entwicklung vorausgesagt. Mit Marcel Ziemer bin ich aber nicht verwandt.

... und beim HC Empor haben Sie mit Handball angefangen.

Hans-Georg Jaunich war mein allererster Handball-Trainer, der ist mit meinem Onkel zusammen in eine Schulklasse gegangen. Ein Supertyp, vielleicht einer der Hauptgründe, warum ich heute Handball spiele! Er war immer ein väterlicher Freund und Wegbegleiter, dessen Rat mir wichtig war. Empor hatte damals schon eine sehr gute Jugendarbeit – ohne die wäre ich heute wahrscheinlich nicht da, wo ich bin.

Und ist es ein Traum, irgendwann noch mal für den HCE zu spielen?

Du weißt nie, was im Sport passiert. Die Idee hat schon seinen Reiz. Ich habe da natürlich auch schon mal drüber nachgedacht, aber das Thema ist noch weit weg. Mal sehen, was irgendwann mal passiert.

Ich war nie ein großer Planer, der allzu weit in die Zukunft schaut. Ich würde das nicht ausschließen, aber im Moment sehe ich mich noch in Hannover.

Sie sind 35 Jahre alt. Rückt das Karriereende näher?

Also, morgens fühlt sich der Körper schon nicht mehr so gut an, aber über den Tag verteilt wird’s besser. Ich fühle und halte mich fit. Außerdem hilft mir die Erfahrung. Ich kann mir gut vorstellen, auch mit 40 Jahren noch zu spielen. Weil ich liebe, was ich mache – mit allen wunderschönen Situationen und mit allem, was auch mal anstrengend ist oder nervt. Aber man kann ja nicht alles ganz genau planen, im Sport kann viel passieren.

... Ihr Vertrag in Hannover läuft noch ein Jahr.

Ich bin supergerne in Hannover, fühle mich total wohl. Aber natürlich müssen wir schauen und reden, ob Hannover sich auch mit mir superwohl fühlt. Das gehört zum Geschäft dazu, das ist ganz normal. Wenn alles passt, ich meine Leistung bringe und alle zufrieden sind, bleibe ich gern länger.

Sie fahren seit Jahren für die individuelle Vorbereitung in die USA nach Phoenix. Auch diesmal wieder?

Na klar! Unser letztes Saisonspiel war am Sonntag, am Montag bin ich geflogen und am Dienstag hatte ich die erste Trainingseinheit. Für mich war’s das sechste Mal in sieben Jahren, diesmal für fünf Wochen. Das ist fast schon ein bisschen Tradition, und ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Die Trainer sind erfahren, das Trainingsprogramm sehr individuell. Du besprichst die Ziele und dann wird alles auf dich angepasst. Was wir da machen, ist gar kein Hexenwerk: Du arbeitest einfach an den Basics, aber das sehr kontinuierlich. Ich mache dort immer einen Schritt nach vorn. Das ist zwar viel harte Arbeit, aber das ist gut für mich. Auch wenn ich dafür meinen Urlaub opfere und meine Freundin etwas verärgern muss. (lacht) Nein, im Ernst: Ich bin ihr sehr dankbar, dass Sie mich da so unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich, da man innerhalb einer Saison schon Abstriche machen muss, wenn man mit einem Profisportler liiert ist.

Was war Ihr schönstes Spiel in der vergangenen Saison?

Wir hatten unfassbar viele Spiele, die gut gelaufen sind. Aber das Halbfinale beim Final Four (um den Pokal/d. Red.) war ganz besonders. Der Sieg hat die Quali für den Europapokal gebracht. Es drohte ja, dass wir den trotz einer wirklich guten Saison und vieler Höhepunkte noch verpassen. Das wäre ein Alptraum und eigentlich auch nicht auszudenken gewesen. Aber so konnten wir uns belohnen, und ich habe auch ganz gut gespielt.

Ganz gut? Sie haben in der ersten Halbzeit nur vier Gegentore bekommen ...

Das war eines dieser Spiele, wahrscheinlich meine beste Leistung der Saison – vier Gegentore gegen eine Bundesligamannschaft, Handball-Deutschland guckt auf dich, wir spielen vor 11000 Leuten, unsere Fans rasten völlig aus. Das hat mich wirklich beeindruckt, wie laut und wie geil die Stimmung war.

Mit Carlos Ortega kam ein Coach mit internationalem Format. Einer, der nur auf Englisch coacht. War das eine große Umstellung?

Also, ich mag das sehr gerne, habe mich total drauf gefreut. Im Deutschen neigt man schon auch mal dazu, zwischen den Zeilen Dinge zu hören oder falsch zu interpretieren. Das ist auf Englisch alles irgendwie klarer und cooler, auch emotionsloser. Damit meine ich nicht, dass keine Emotionen transportiert werden. Aber es geht mehr um die Sache als um die Sprache. Die Kommandos, die du brauchst, hast du auch schnell raus. Wir haben viele Spieler aus unterschiedlichen Nationen, die damit alle auf ein sprachliches Level gehoben wurden. Es schärft die Sinne, wenn man sich auch mal aus der Komfortzone bewegen muss.

Sie haben einen neuen Torwartkollegen: Urban Lesjak kam aus Celje und ersetzt Malte Semisch, der nun in Berlin spielt. Der erste Eindruck von ihm?

Ein offener, netter Kollege. Wir hatten gute Gespräche und werden richtig gut miteinander auskommen.

Wie eng ist denn die Zusammenarbeit zwischen Torhütern?

Ziel ist es natürlich immer für jeden, so viel wie möglich zu spielen. Ist doch klar. Im Alltag wirst du mal aufgestellt und bist mal als Teamkollege gefragt. Wir brauchen alle – was wir nicht brauchen, sind Leute, die eingeschnappt sind, wenn sie mal nicht spielen. Es gibt im Training einen gesunden Konkurrenzkampf, aber wir sind keine Konkurrenten. Denn das sind die in den anderen Trikots. Über allem steht immer der Erfolg der Mannschaft.

Mit 17 von Empor zum SC Magdeburg

Martin Ziemer wurde am 14. April 1983 in Rostock geboren. Das Handballspielen begann er in der Jugend des HC Empor. Von dort wechselte Ziemer im Jahr 2000 im Alter von 17 Jahren zum SC

Magdeburg.

Von 2001 bis 2004 spielte Martin Ziemer im Bundesliga-Team des SCM. Danach ging er für zwei Jahre zu Anhalt Bernburg und anschließend zum damaligen Zweitligisten ASV Hamm, mit dem er 2010 in die Bundesliga aufstieg. Über die HBW Balingen-Weilstetten wechselte Ziemer zur Saison 2012/13 zum TSV Hannover-Burgdorf. Dort hat der Torwart einen Vertrag bis zum Saisonende.

Seit April 2011 gehört Martin Ziemer zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft, sein erstes Länderspiel bestritt er am 16. April 2011 gegen Norwegen. Insgesamt kommt er bislang auf 15 Einsätze.

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