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Südwestmecklenburg „Geld ist nicht alles!“
Mecklenburg Südwestmecklenburg „Geld ist nicht alles!“
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15:21 23.04.2018
Er ist derzeit als Profiboxer, Trainer, Geschäftsmann und Familienvater gefordert: Jürgen Brähmer (39) aus Schwerin. Quelle: Stefan Ehlers
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Schwerin

Streit mit der World Boxing Super Series (WBSS), das Warten auf Entscheidungen und die Eröffnung des eigenen Gyms – Jürgen Brähmer hat derzeit auch außerhalb des Boxrings alle Hände voll zu tun. Der 39 Jahre alte Schweriner musste seinen Halbfinal- Kampf im Turnier um die Muhammad-Ali-Trophy gegen Callum Smith krankheitsbedingt absagen und ist deshalb aus dem Turnier geflogen. George Groves, der das zweite Semifinale gewonnen hat, hat sich an der Schulter verletzt und eine Verlegung des Finals beantragt. Die Veranstalter signalisieren Bereitschaft, dem Wunsch nachzukommen – zum Unmut von Brähmer, der keinen Aufschub erhielt.

Sie haben Ihren Anwalt eingeschaltet. Wie ist der Stand der Dinge?

Jürgen Brähmer: Dazu werden wir in Kürze etwas veröffentlichen. Ich bin mit der Kommunikation mit dem Veranstalter WBSS nicht zufrieden. Und auch die Tonart, die die Verantwortlichen anschlagen, gefällt mir nicht.

Rechnen Sie mit einer schnellen Lösung?

Das liegt leider nicht in meinen Händen, sondern an den Verantwortlichen der WBSS. Das hängt manchmal auch von der Tagesform und Erreichbarkeit eines Kalle Sauerland ab, der mein Ansprechpartner bei der WBSS ist. Ich werde abwarten. Ich hatte zwei sehr gute Angebote. Die musste ich absagen. Das halte ich den Verantwortlichen vor. Sie wollten bis Juni Exklusivität. Die haben sie von mir bekommen. Und jetzt versuchen sie, sich rauszuwinden. Das funktioniert nicht. Dass sie Kämpfer mit zweierlei Maß bewerten, ist nicht in Ordnung. Wir haben ihnen einen Lösungsvorschlag angeboten.

Und der sieht so aus, dass Sie gegen Smith boxen?

Ja, und dass der Sieger unseres Duells gegen Groves boxt, sobald er wieder fit ist. Das wäre eine einfache und logische Konsequenz und würde dem Turnierverlauf entsprechen. Aber ich glaube, da spielen Eitelkeiten eine Rolle.

Das eine Angebot, das Sie sausen lassen mussten, war ein Duell gegen IBF-Halbschwergewichts-Weltmeister Artur Beterbiev. Und das andere?

Das möchte ich noch nicht verraten, weil wir schauen wollen, ob es im Nachgang noch zu realisieren ist.

Aber Sie werden auf jeden Fall noch mal in den Ring steigen?

Das ist Fakt! Wir loten mehrere Sachen aus, aber es wäre schön, die WBSS zu Ende zu führen. Ich bin ja einer, der solche Dinge gern zu Ende bringt und bis dato alle vertraglichen Pflichten erfüllt hat.

Sie hätten gegen Smith in den Ring steigen können, hätten die Antrittsprämie kassiert und eine Verletzung vortäuschen können. Warum haben Sie die Millionen-Börse sausen lassen?

Das ist nicht mein Prinzip! Nur damit ich mir zwei oder drei Millionen einstecken kann? Mir geht’s dadurch nicht besser oder schlechter. Die hätten mir 20 Millionen bieten können - ich hätte es nicht gemacht. Die Gesundheit geht vor, Geld ist nicht alles.

Sondern?

In erster Linie geht’s um Erfolg. Ich habe in Schwerin gegen Rob Brant einen guten Kampf gemacht. Und so wollte ich mich auch gegen Smith präsentieren. Wenn ich gesund bin und den Kampf verliere, dann ist das so. Aber dann weiß ich, dass ich alles gegeben habe. Wenn ich mich körperlich nicht fit fühle und in den Ring steige, kann ich den Leuten nicht das bieten, wozu ich imstande bin. Das habe ich zwei-, dreimal in meiner Karriere gemacht – und es ist nie gut ausgegangen. Ich habe jetzt, auch durch meine Familie, eine ganz andere Verantwortung als früher. Und ich versuche unnötige Risiken zu vermeiden. Dazu gehört, körperlich angeschlagen einen Boxkampf auf diesem Niveau zu bestreiten.

Ihr Verhältnis zu Sauerland Event ist offenbar angespannt. Wie funktioniert das mit Blick auf Tyron Zeuge, der ja noch vier Jahre Vertrag beim Hamburger Boxstall hat?

Das muss man prüfen, ob die Vertragsbindung überhaupt besteht oder noch besteht. Klar ist, dass Tyron Zeuge in Hamburg einen tollen Kampf gemacht hat und ich sehr zufrieden mit ihm bin. Wir planen als Team die gemeinsame Zukunft. Jetzt ist Sauerland am Zug. Ich denke, es ist auch eine Grundsatzentscheidung, ob man sich wettbewerbsfähig für die Zukunft aufstellen möchte. Dazu gehört dann aber auch die entsprechende Unterstützung – finanziell und in der Kommunikation, weil ich momentan die Trainer- und Managerarbeit alleine leiste. Sonst muss man eben eigene Wege gehen.

Als Veranstalter?

Warum nicht? Ich habe zwei, drei Partnerschaftsangebote. Eigentlich möchte ich es nicht machen, weil es jetzt schon viel Arbeit ist und der Tag nur 24 Stunden hat. Wir müssen schauen, ob wir uns mit Sauerland einig werden. Wir haben mit Tyron und Araik Marutjan zuletzt in Hamburg ein deutliches Statement abgegeben. Der Sport wird immer schneller und athletischer. Der Fußball-Weltmeister von 1990 würde gegen die aktuelle DFB-Elf wahrscheinlich zweistellig verlieren. Genauso ist es beim Boxen. Das Training ist heute viel anspruchsvoller und vielseitiger geworden. Wenn man früher 30 Schläge in der Runde hatte, waren das Tempo-Kämpfe. Jetzt sind wir bei fast 100.

Sauerland möchte, dass die Sportler die Trainer bezahlen…

Sauerland möchte auch so wenig Geld und Verbindlichkeiten haben wie möglich, aber man bekommt nicht immer, was man will. Manchmal muss man Kompromisse machen. Insbesondere dann, wenn man den deutschen Boxsport wieder nach oben bringen und wettbewerbsfähig machen will. Ich glaube, dass wir mit Tyrons Kampf gezeigt haben, wo der Weg hingehen kann, aber dazu ist einiges nötig.

Sie sind offizieller Partner des Deutschen Boxverbandes (DBV). Was beinhaltet das?

Wir haben eine ganz klare Zielsetzung – die nächste olympische Medaille für die Amateure. Dazu gehört gemeinsames Training. Wenn zum Beispiel Timmi (Michael Timm, Cheftrainer am Schweriner Olympiastützpunkt/d. Red.) auf Wettkampfreisen ist, trainieren ab und zu auch seine Sportler bei uns mit. Da sind wir im ganz engen Austausch. Ich möchte, dass wir das internationale Niveau halten und noch stärker werden. Mit Tyron Zeuge haben wir einen Weltmeister. Da sehen die Amateure, wie man trainieren muss, um auf so ein Niveau zu kommen. Auf Landesebene pflegen wir ja schon lange eine derartige Partnerschaft. Ich arbeite ganz eng mit dem Sozialministerium zusammen. Frau Hesse (Bildungsminsterin/d. Red.) ist sehr sportbegeistert und führt die Arbeit von Innenminister Lorenz Caffier weiter, der den Sport gefördert hat. Das ist auch dringend notwendig. Jetzt muss auf Bundesebene mehr passieren. Die haben finanzielle Mittel für alle möglichen Sachen und der Sport wird extrem vernachlässigt und muss mit immer mehr Kürzungen zurechtkommen.

Welchem Schweriner Amateur trauen Sie den Sprung in die Spitze zu?

Artur Beck-Ohanyan. Das ist noch ein ganz junger Mann. Er hat eine sehr gute Veranlagung und ist fleißig im Training. Von dem verspreche ich mir ganz viel.

Zurück zu den Profis. Sie haben ein Duell Tyron Zeuge vs. Vincent Feigenbutz ins Gespräch gebracht. Wie realistisch ist das?

Das ist sehr realistisch. Sauerland möchte laut Aussage von Nisse Sauerland und Frederick Ness den Kampf veranstalten. Ich gehe also davon aus, dass der Kampf zustandekommt und das Management von Feigenbutz den Kampf auch will. Jetzt liegt es eigentlich nur noch am Team Feigenbutz.

Wann wird Araik Marutjan wieder boxen?

Ich hoffe schon bald. Araik hat sich nach seiner Verletzung toll zurück gekämpft. Man merkt, dass er mit jedem Kampf besser wird. Er hat eine unglaubliche Kraft für seine Gewichtsklasse und wird uns noch große Freude bereiten.

Sie haben ein altes Wasserwerk zu einem modernen Gym umbauen lassen. Wann ist Eröffnung?

Wir sind in der Endphase. Die Geräte sind da, der Boden liegt und der Ring kommt auch bald. Ich hoffe, dass wir die letzten Sachen in den nächsten Wochen bekommen und dann loslegen können.

Planen Sie weitere Neuzugänge?

Ich habe eine Reihe von Anfragen, aber ich werde genau gucken, wer bei uns reinpasst und wer nicht. Ich möchte keine Stinkstiefel haben. Ich hatte auch schon vorher Angebote, zum Beispiel Manuel Charr zu trainieren, aber es muss einfach passen. Jeder soll die Aufmerksamkeit bekommen, die er für seine Entwicklung braucht. Wir möchten Klasse statt Masse.

Interview: Stefan Ehlers

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8 der besten Boxer ihrer jeweiligen Gewichtsklasse kämpfen seit September um insgesamt 50 Millionen Euro Preisgeld. In der ersten Saison der World Boxing Super Series um die Muhammad-Ali-Trophy werden der beste Cruiser- und Super-Mittelgewichtler ermittelt.Das Finale im Cruisergewicht wird am 11. Mai in Saudi-Arabien ausgetragen. Dabei trifft IBF- und WBA-Champion Murat Gassiev (Russland) auf den Ukrainer Oleksandr Usyk, Titelträger der WBC und WBO.Der finale Kampf im Super-Mittelgewicht ist für den 2. Juni in London geplant.

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