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Südwestmecklenburg Gnatterköppe im Dauerknatsch
Mecklenburg Südwestmecklenburg Gnatterköppe im Dauerknatsch
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06:58 03.04.2014
Premiere der Fritz-Reuter-Bühne „Twei as Katt un Hund“. Quelle: Silke Winkler
Schwerin

Es hat so seine Probleme, das Künstlerleben, speziell wenn von der Kunst nichts mehr übrig ist und nur das Leben bleibt. Für Henry Sonneck ist es sehr schwierig: Vergnatzt und verlottert, in Schlafanzug und Bademantel, haust er in einer Ein-Zimmer-Wohnung, deren Wände tapeziert sind mit Fotos, die an Henrys Zeiten als Komiker erinnern. 43 Jahre trat er mit Partner Otto in den Varietes auf. Bis zu dem Abend, als Otto Perücke ab- und Hut aufsetzte, um sich ins Privatleben zu verabschieden. Seitdem haben sie kein Wort mehr miteinander gewechselt. Das ist der Einstieg in die 1972 am Broadway uraufgeführte Komödie „The Sunshine Boys“ von Neil Simon, die in der Übersetzung „Die Sonny Boys“ Erfolge feierte und nun – in einer niederdeutschen Fassung von Ulrike Stern – bei der Fritz-Reuter-Bühne angekommen ist. Dienstag war Premiere in Schwerin und das Publikum sparte nicht mit Applaus.

„Twei as Katt un Hund“ ist der plattdeutsche Titel, und genau so benehmen sich Henry und Otto, als sie auf Vermittlung von Bert aufeinandertreffen. Noch einmal sollen sie auftreten, in einer TV-Sendung. Schon bei der ersten Probe fliegen die Fetzen. Dank Berts geduldiger Vermittlung schaffen die Gnatterköppe es doch noch ins Fernsehstudio. Die Show gelingt nicht, vorher kommt es zum Showdown: Henry sackt mit Herzanfall zusammen. Natürlich erholt er sich und nimmt die Entschuldigung von Otto an.

Regisseurin Adelheid Müther inszenierte das Stück mit jenem Hauch Wehmut, der zu einer guten Komödie gehört. Joachim Bliese zeichnet den Henry als scharfzüngigen Kerl, ein alter Gockel, der sich spreizt und aufplustert. Klaus Engeroff gibt dem Otto etwas Abgeklärtes, ein distinguierter Herr mit Hut, der in seiner Landidylle versauert und sich wie Henry nach den alten Zeiten sehnt.



Karin Gustmann