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Jonathan Pang sieht Zukunft von Air Berlin in Parchim

Berlin/Parchim Jonathan Pang sieht Zukunft von Air Berlin in Parchim

Wieder Ausfälle, wieder unzufriedene Passagiere. Doch Air Berlin verkündet: Die Piloten kommen zurück. Hoffung kommt nun auch aus China: Jonathan Pang will eine Milliarde Euro für die insolvente Airline bieten – und deren Basis nach MV verlegen.

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„Dieser Flughafen wird den Berliner Flughafen ersetzen“, da ist sich Jonathan Pang, der chinesische Investor, absolut sicher. Seine neuste Vision: Die insolvente Airline „Air Berlin“ kaufen – und deren Basis nach MV verlegen.

Quelle: Filmfoto zu „parchim International“/neue Visionen Filmverleih

Berlin/Parchim. Nach zahlreichen Flugausfällen können sich Passagiere der Air Berlin an diesem Donnerstag wieder auf einen normalen Betrieb der insolventen Airline einstellen. Am Dienstag und Mittwoch waren rund 200 Flüge ausgefallen, weil etliche Piloten sich krankgemeldet hatten. Gegen Mittag gab es dann die Entwarnung, dass viele Crews an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten.

 

Die Beschäftigten fürchten um ihre Einkommen und Arbeitsplätze, wenn Air Berlin wie geplant zerschlagen wird. Vorstandschef Thomas Winkelmann appellierte am Mittwoch an die Piloten: „Meldet Euch aus dem Off freiwillig zurück.“ Auch die Bundesregierung redete den Piloten ins Gewissen. Von Arbeitgeberseite kam Kritik am „wilden Streik“.

Jonathan Pang sieht Zukunft von Air Berlin in Parchim

Am Mittwoch wurde auch bekannt, dass der Geschäftsführer der chinesischen Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, Jonathan Pang, mitbieten will für die insolvente Airline. Der Rechtsanwalt Helmut Naujoks, der das Unternehmen in Deutschland vertritt, sagte, er dementiere einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung (Mittwoch) nicht. Weitere Erklärungen dazu wollte er jedoch nicht abgeben.

„Bild“ zitierte aus einem Schreiben Pangs, wonach die Basis der Fluggesellschaft Air Berlin auf den Flughafen Parchim verlegt werden könnte. Wie es aus Kreisen hieß, würden die bis zu 500 Millionen Euro, die der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl für Air Berlin angeboten hat, die Chinesen nicht schrecken. Sie würden bis zu einer Millarde Euro bieten.

Air Berlin hatte vor vier Wochen Insolvenz angemeldet und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Airlines über einen Verkauf von Unternehmensteilen. An diesem Freitag endet die Bieterfrist.

Am Montag waren Gespräche gescheitert, in denen die Arbeitnehmerseite einen Sozialplan erreichen wollte. Das Management will erst verhandeln, wenn konkrete Kaufangebote vorliegen. Selbst die erste öffentlich bekannte Offerte der Lufthansa ist bislang noch nicht bindend, wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war.

„Es ist durchaus ein riskantes Manöver, was da von einigen Piloten ganz offensichtlich versucht wird“, kritisierte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Krankmeldungen. „Ich kann deshalb an alle nur appellieren, Vernunft wieder einkehren zu lassen.“

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) warnte vor „Störfeuer“ - „von welchen Seiten auch immer“. Ziel sei es, „möglichst viel von den Werten von Air Berlin tatsächlich noch zu retten und gegebenenfalls zu verkaufen“, sagte Zypries. „Insbesondere geht es uns auch darum, dass die Arbeitsplätze für die Beschäftigten möglichst vollständig erhalten bleiben.“

Vorstandschef Winkelmann betonte: „Potenzielle Investoren werden durch die gestrige und heutige Performance verschreckt.“ Am Dienstag hatten sich kurzfristig rund 200 Piloten krank gemeldet. Nach jüngsten Zahlen der Air Berlin waren am Dienstag sogar 164 Flüge ausgefallen, nicht wie zunächst angenommen rund 100. Hinzu kamen mehrere Ausfälle bei der Lufthansa-Tochter Eurowings, die üblicherweise mit Air Berlin-Flugzeugen durchgeführt werden.

Für Mittwoch gab das Unternehmen die Zahl der Krankmeldungen mit 149 an. Mindestens 32 Flüge wurden gestrichen, außerdem fielen 35 Eurowings-Verbindungen aus. Winkelmann sprach von einer unerträglichen Situation.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht in den Krankmeldungen einen illegalen Arbeitskampf. Diese sogenannten wilden Streiks hielten in der Luftfahrt mehr und mehr Einzug, sagte IW-Volkswirt Hagen Lesch. Er verwies auf ähnliche Vorgänge bei der Tuifly im Herbst 2016 und bei der Lufthansa im Herbst 2015.

In den Reihen der Piloten wurde jedoch darauf verwiesen, dass auch wirtschaftliche Existenzängste die sichere Flugdurchführung gefährden können. Der frühere Betriebsratsvorsitzende Hans Albrecht kritisierte in einem Offenen Brief, die Unternehmensspitze lasse die Beschäftigten im Verkaufsprozess bewusst im Unklaren, um Existenzängste zu schüren. Ziel sei es, sich „vertraglicher Altlasten“ zu entledigen und die Tarife unter Druck zu bringen. „Sie machen sich zum Handlager bei der Demontage eines Berufsstandes“, heißt in dem Brief, den „t-online.de“ verbreitete.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bekräftigte, nichts mit den Krankmeldungen zu tun zu haben. Sprecher Markus Wahl sagte, die Sozialplan-Gespräche sollten in der kommenden Woche fortgeführt werden. Die Gewerkschaft will Kriterien festlegen, in welcher Reihenfolge die Piloten zu neuen Eigentümern wechseln könnten. Kriterien könnten die Betriebszugehörigkeit und soziale Aspekte sein. „Wir wollen verhindern, dass sich jeder Pilot bei seinem neuen Arbeitgeber einzeln bewerben muss. Wir haben die Sorge, dass dann bestimmte Leute aussortiert werden“, sagte Wahl.

Christian Ebner und Burkhard Fraune

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