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Kampf gegen Sexismus - Boxerinnen machen mobil

Schwerin Kampf gegen Sexismus - Boxerinnen machen mobil

Die Schweriner Leistungssportlerin Sarah Scheurich macht sich mit Kolleginnen in sozialen Netzwerken für die Kampagne #coachdonttouchme stark.

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Starke Frauen: Sarah Scheurich und Ornella Wahner (beide 24) trainieren am Olympiastützpunkt in Schwerin und kämpfen gegen Sexismus im Sport.

Quelle: Matthias Kort

Schwerin. Sarah Scheurich schaute die Sendung „Panorama“ im NDR. Der Beitrag rüttelte sie und andere Boxerinnen wach. Es geht um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs - ein Fall aus dem Boxsport. Sarah Scheurich (24) kennt sowohl die Sportlerin als auch den beschuldigten Trainer - und macht sich mit ihren Kolleginnen in den sozialen Netzwerken für die Kampagne #coachdonttouchme stark. In der OSTSEE-Zeitung spricht sie über ihre Beweggründe.

 

Wie kam es zu der Aktion?

Sarah Scheurich: Durch die Sendung sind wir aufgewacht und haben uns gefragt, warum wir uns nicht schon vorher füreinander starkgemacht haben. Ich kenne die Sportlerin, um die es geht. Eine Freundin, die die Sendung ebenfalls gesehen hat, sagte: Es kann nicht sein, dass solche Sachen unter den Tisch gekehrt werden. Sie hatte die Idee, dass wir uns unter diesem Hashtag vereinen. Wir haben sofort gesagt, wir machen mit und posten unsere Erfahrungen und unsere Meinungen.

Die Sportlerin hat wie Sie in Schwerin trainiert. Wie haben Sie von den Missbrauchsvorwürfen erfahren?

Aus Sportlerkreisen. Und aus den Medien. Außerdem bin ich mit der Sportlerin befreundet und wir haben uns darüber unterhalten.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat die Ermittlungen vergangenes Jahr eingestellt...

Das kann ich nicht verstehen. Aber das ist nicht das Hauptproblem. Wir kritisieren in erster Linie das Prozedere, als die Vorwürfe öffentlich wurden. Sofort wurde die Sportlerin isoliert, allein gelassen und gemobbt. Der beschuldigte Trainer erfuhr hingegen viel Solidarität von seinen Kollegen. Das darf es nicht geben! In solchen Fällen muss man beide Seite gleichrangig beurteilen. Ein beschuldigter Trainer darf so lange nicht mit Jugendlichen arbeiten, bis die Vorwürfe geklärt sind. Sportler, die so etwas erleben, müssen vom Verband, von den Trainern und Betreuern breite Unterstützung erfahren, um ihnen in der schweren Situation zu helfen.

Sie boxen seit rund zehn Jahren. Haben Sie derartige Erfahrungen gemacht?

Gott sei Dank nicht.

Sie beklagen aber Chauvinismus im Boxsport.

Ja, diese Erfahrung hat schon jede Boxerin gemacht. Ornella Wahner und ich waren im vergangenen Jahr die einzigen Frauen in einem Trainingslager für Jungs. Da mussten wir uns von Trainern krasse Sprüche anhören. Ich hab gesagt: Leute, solche Kommentare könnt ihr nicht bringen, das ist beleidigend. Dann hieß es: ,Ach, du weißt doch, wie ich es meine. Das ist nur Spaß.’ Ich hab erwidert: Es ist egal, wie du das meinst. Vor den Jungs kommt das frauenfeindlich rüber. Alle lachen - außer wir Mädels. Ich war die Einzige, die den Mund aufgemacht hat. Ich bin eine erwachsene Frau, die nach jahrelanger Übung weiß, wie sie sich verteidigen kann. Bei anderen Mädels ist das nicht so.

Sie haben viel Zuspruch bekommen. Auch Gegenwind?

Ja, es geht ordentlich ab! Bei Instagram gab es mehrere Hasskommentare. Ich wurde beleidigt, als ,Schlampe’ und ,Drecks-Feministin’ beschimpft. Aber Neider muss man sich verdienen. Von daher haben wir alles richtig gemacht.

Studie: Jeder Dritte hat sexuelle Übergriffe erlebt

Sprüche, Grapschen oder körperliche Gewalt: Laut einer Studie der Universität Ulm und der Sporthochschule Köln unter 1800 Leistungssportlern hat jeder Dritte bereits eine Form von sexuellen Übergriffen erlebt.

Eine frühere Boxerin aus Hamburg beschuldigt ihren Ex-Trainer, sie bedroht und sexuell missbraucht zu haben. Die Vorfälle sollen sich 2011 zugetragen haben. Damals war die Sportlerin 17 Jahre alt und trainierte am Bundesstützpunkt in Schwerin.

Im Dezember 2016 zeigte sie den Trainer an. Die Staatsanwaltschaft in Schwerin leitete Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen ein.

Der Hamburger Boxverband , für den der Beschuldigte inzwischen tätig ist, hob die Suspendierung im März 2017 trotz laufender Ermittlungen auf. Fünf Monate später werden die Ermittlungen eingestellt. Die Sportlerin hat dagegen Beschwerde eingereicht.

Interview: Stefan Ehlers

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