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Südwestmecklenburg Katrin Sass: Ehrlich, emotional und ohne Starallüren
Mecklenburg Südwestmecklenburg Katrin Sass: Ehrlich, emotional und ohne Starallüren
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12:30 23.10.2016
Die Schauspielerin Katrin Sass im Jahr 2014 bei einem Fototermin zum TV-Krimi „Mörderhus“ am Strand von Bansin auf der Insel Usedom. Quelle: Stefan Sauer
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Schwerin/Berlin

Frauchen-Rollen, ohne Ecken und Kanten, würde der Schauspielerin Katrin Sass („Good Bye, Lenin!“, „Weissensee“) niemand abnehmen. Sie wirkt bodenständig, aber auch zerbrechlich, oft lebenslustig, dann kommt große Traurigkeit zutage. Und sie zeigt sich immer emotional. Die in Schwerin geborene Schauspielerin feiert am 23. Oktober ihren 60. Geburtstag.

Gerade fiel in Kanada die letzte Klappe zur ARD-Komödie „Harrys Insel“ unter der Regie von Anna Justice. Wegen der Dreharbeiten stand Sass für ein Gespräch vor ihrem Geburtstag nicht zur Verfügung. Sie spielt in dem Film Susan, die Harry (Wolfgang Stumph) von ihrer Insel vertreiben will.

Der Tag ihrer zweiten Geburt ist der 22. Juli 1998: eine Zäsur im Leben der Schauspielerin. Sie entscheidet sich ab dann für ein Leben ohne Alkohol. „Der Arzt fragte mich: Wollen sie weiter trinken oder weiter leben?“, schreibt sie in ihrer Autobiografie „Das Glück wird niemals alt“. 2001 bietet ihr Regisseur Michael Klier die Hauptrolle in „Heidi M.“ an. Dafür erhält sie den Deutschen Filmpreis. Die große Chance – und dann auch die internationale Bekanntheit – kommt 2003 mit „Good Bye, Lenin“ von Wolfgang Becker. „Das war das Glück meines Lebens“, sagte sie einmal in einem Interview.

Es folgten wieder Rollenangebote. In dem vom Publikum und der Kritik hochgelobten Mehrteiler „Weissensee“ (seit 2010) ist Sass die kritische Liedermacherin Dunja Hausmann. Sass liebt Rollen, deren Figuren Geschichten erlebt haben. In den ARD-„Usedom“-Krimis beispielsweise ist sie eine Ex-Staatsanwältin, die ihren Mann tötete und dafür ins Gefängnis ging.

Auch in ihrer eigenen Biografie gibt es viele Höhen und Tiefen. Aufgewachsen in Schwerin will sie wie die Mutter Schauspielerin werden. Doch zunächst wird sie Facharbeiterin für Fernsprechtechnik. Erfolglos bewirbt sie sich an der Ost-Berliner Schauspielschule, ein zweiter Anlauf klappt dann an der Rostocker Schule.

Ihr Bühnendebüt gibt sie am Staatstheater Schwerin und wird dort von Regisseur Heiner Carow entdeckt. Er gibt der 21-jährigen Anfängerin die Hauptrolle in dem DDR-Film „Bis dass der Tod euch scheidet“ (1978). 1982 folgt „Bürgschaft für ein Jahr“. Er beschert der 26-Jährigen bei der Berlinale einen „Silbernen Bären“ als beste Schauspielerin. Dann gibt es in der DDR zunächst keine weiteren Filmrollen für sie.

Auch nach der Wende fehlen Angebote. Ab 1993 spielt sie dann Kommissarin Tanja Voigt im „Polizeiruf 110“. Als ihre Alkoholsucht immer offensichtlicher wird, wollen Regisseure nicht mehr mit ihr arbeiten. „Aus dem Freund Alkohol wurde der Feind“, sagte sie später.Sass ist ehrlich, ohne sich zu verbiegen. Sie sagt, was sie denkt – ohne Angst. Legendär ihr Auftritt in der Talkshow „Markus Lanz“. Sehr emotional kritisierte sie das RTL-Dschungelcamp. Sass lebt heute in Berlin.

Gudrun Janicke

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