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Südwestmecklenburg Mobbing-Ritual in Crivitz: Noch mehr Kinder betroffen
Mecklenburg Südwestmecklenburg Mobbing-Ritual in Crivitz: Noch mehr Kinder betroffen
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21:48 12.03.2019
Die Regionalschule Crivitz: Hier sollen Kinder vier Jahre lang ein Mobbing-Ritual betrieben haben, ohne dass Lehrer etwas bemerkten. Quelle: Juliane Schultz
Crivitz

Offenbar sind mehr Kinder vom Mobbing-Ritual in Crivitz (Ludwigslust-Parchim) betroffen als bislang angenommen. Einen Tag nach Veröffentlichung des Falls in der Ostsee-Zeitung, haben sich weitere Eltern telefonisch und auf einer Elternversammlung zu Wort gemeldet: Sie haben erst am Montag von ihren Kindern erfahren, dass diese Zeugen oder sogar Opfer der Vorgängen an der Regionalen Schule Crivitz seien. „Wir waren geschockt, als unser Kind am Montag mit der Sprache rausrückte“, sagt eine Anruferin.

Sechstklässler sollen dort ein Ritual betrieben haben, bei dem sie sich Schüler der fünften Klasse griffen und gegen ihren Willen den Genitalbereich an einem Baum rieben. Sie nannten diesen Vorgang „Stängeln“. Die Opfer setzten das Ritual fort, wenn sie in die sechste Klasse wechselten. Die Vorgänge wurden bereits im Oktober der Schulleitung, den Lehrern und einigen Eltern bekannt. Damals hatte man 30 Namen von Tätern und Opfern ermittelt.

Weitere Namen kursieren

Bei einem Elternstammtisch am Montagabend kursierten weitere, bislang nicht registrierte Namen von Betroffenen. Eine der anwesenden Mütter wollte weder den Namen ihres Kindes noch ihren eigenen Namen nennen, schilderte aber, dass auch ihr Kind mit den Vorgängen in Berührung kam. Gegenüber der OZ äußerten sich alle Eltern ausschließlich anonym.

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin der Kleinstadt bei Schwerin, Britta Brusch-Gamm, bestätigte schriftlich, dass sie an der Versammlung teilgenommen hat. Sie würdigte zudem die Arbeit der Elternvertretung, die dafür gesorgt habe, dass dieses Ritual seit Oktober nicht mehr ausgeführt werde. Sie und die Eltern wollen nun mit der Schulleitung alle weiteren Schritte besprechen. „Es wurde deutlich, dass Schulsozialarbeit an zwei Tagen in der Woche nicht ausreicht. Aus meiner Sicht ist vor allem die Einsetzung eines Vertrauenslehrers, gewählt von den Schülern, ein nächster wichtiger Schritt“, so die Bürgermeisterin.

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Juliane Schultz