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„Power for Kids“: Vorwürfe gegen OB Gramkow

Schwerin „Power for Kids“: Vorwürfe gegen OB Gramkow

Ein Sonderausschuss der Schweriner Stadtvertretung hat sich mit den Missbrauchsfällen in einem Kinder- und Jugendverein und der Rolle des Jugendamtes befasst. Im Bericht lastet das Gremium der Oberbürgermeisterin Mitverantwortung an.

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Sven Klinger, Vorsitzender des Untersuchungsausschusses „Power for Kids“, präsentiert den Entwurf des Abschlussberichtes. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) wird von den Stadtpolitikern scharf kritisiert.

Quelle: Cornelius Kettler

Schwerin. Nach dem sexuellen Missbrauch von Jungen in einem Schweriner Kinder- und Jugendverein weisen Stadtvertreter der Jugendamtsleiterin, der Oberbürgermeisterin und dem Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses eine Mitverantwortung zu. Das geht aus dem Abschlussbericht des Sonderausschusses hervor, der den Umgang des Jugendamtes mit den Fällen des sexuellen Missbrauchs in dem Verein „Power for Kids“ untersuchte. Der Bericht wurde am Mittwochabend in Schwerin von den neun Mitgliedern mit sieben Ja- und zwei Neinstimmen der Vertreter der Linken verabschiedet.

Die Linksfraktion gab ein Sondervotum ab, in dem sie auf gravierende fachliche Mängel des Berichts hinwies. Sie monierte, dass auf die Verantwortung der Eltern und des Vereins überhaupt nicht eingegangen wurde. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Peter Brill, gehören ebenfalls der Linken an.

Der Jugendtreff war in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass der Initiator des Vereins und Leiter der Tanzgruppe jahrelang Jungen missbraucht hatte. Er war im Februar wegen des Missbrauchs in mindestens 53 Fällen zu einer Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Die Stadtverwaltung untersuchte die Vorgänge in einem internen Bericht und stellte Versäumnisse im Jugendamt fest. Das Jugendamt war demnach bereits Monate vor dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle über Vorkommnisse in dem Treff informiert worden.

Der Sonderausschuss der Stadtvertretung bemängelt, dass es bisher keine öffentliche Entschuldigung der Oberbürgermeisterin bei den Opfern und deren Angehörigen gab. Die Jugendamtsleiterin habe pflichtwidrig gehandelt, indem sie einem Hinweis auf Kindeswohlgefährdung nicht weiterverfolgte, sondern den Vorgang an den freien Träger zurückverwies. Die Frau habe als Volljuristin keine Qualifikation für das Amt gehabt, sagte Ausschussvorsitzender Sven Klinger (CDU). Der Sonderausschuss wies der Oberbürgermeisterin die Mitverantwortung für die Besetzung des Amtes zu und warf ihr vor, nicht für die Fortbildung der Amtsleiterin gesorgt zu haben. Im Ergebnis sei es zu gravierenden Auswirkungen zu Lasten von Kindern gekommen. Der Oberbürgermeisterin wird in dem Bericht auch Organisationsmängel in der Jugendhilfe angelastet.

Der Bericht soll am Montag der Stadtvertretung vorgestellt werden.

Missbrauchsskandal in Schweriner Kinder- und Jugendverein – eine Chronologie

Der Missbrauchsskandal hat vor einem Jahr den Schweriner Verein „Power for Kids“ erschüttert, der seitdem nicht aus den Negativschlagzeilen kommt. Der Leiter der Tanzgruppe des Vereins missbrauchte jahrelang Jungen. Ein Sonderausschuss der Stadtvertretung hat die Rolle des Jugendamtes in dem Fall untersucht.

August 2015: Das Amtsgericht Schwerin erlässt Haftbefehl gegen einen 41 Jahre alten Mitarbeiter des Schweriner Kinderhilfsvereins „Power for Kids“. Er soll mehrere Jungs im Alter von zehn bis 13 Jahren sexuell missbraucht haben.  

5. Januar 2016: Der Tatverdächtige - er ist Gründungsmitglied des Vereins und Leiter der Tanzgruppe - muss sich vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Ihm wird sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in mehr als 60 Fällen bis hin zur Vergewaltigung vorgeworfen. Der Mann gesteht die Vorwürfe.  

Januar 2016: Der Jugendhilfeausschuss der Schweriner Stadtvertretung fordert eine vorläufige Schließung des Jugendtreffs, bis der Verein ein pädagogisches Konzept und ein Schutzkonzept erstellt hat. Der Treff wird geschlossen.

10. Februar 2016: Das Landgericht Schwerin verurteilt den Mann wegen zehnfacher Vergewaltigung und vielfachen sexuellen Kindesmissbrauchs zu sechseinhalb Jahren Haft. Er verging sich nach Überzeugung des Gerichts in mindestens 53 Fällen an ihm anvertrauten Kindern.

17. Februar 2016: Ein Sonderausschuss der Schweriner Stadtvertretung nimmt seine Arbeit auf. Er soll untersuchen, ob das Jugendamt unzureichend auf Hinweise zu Übergriffen im Verein reagiert und die Polizei zu spät eingeschaltet hat.

8. März 2016: Die Stadtverwaltung veröffentlicht einen internen Untersuchungsbericht, wonach Versäumnisse im Jugendamt festgestellt wurden. Das Jugendamt war demnach bereits im Januar 2015 - sieben Monate vor der Verhaftung des Mannes - über Vorkommnisse in dem Treff informiert worden.

April 2016: Der Jugendtreff öffnet nach monatelanger Schließung wieder.

3. Juni 2016: Der Vorstand des Vereins „Power for Kids“ entscheidet sich für die endgültige Schließung des Jugendtreffs. Als ein Grund gilt die Inhaftierung des kurz zuvor gewählten neuen Vereinsvorsitzenden wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung.

6. Juli 2016: Der Sonderausschuss der Stadtvertretung legt seinen Abschlussbericht vor.

dpa

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