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Südwestmecklenburg Sexualisiertes Mobbing-Ritual: 30 Schüler an Schule in Crivitz beteiligt
Mecklenburg Südwestmecklenburg Sexualisiertes Mobbing-Ritual: 30 Schüler an Schule in Crivitz beteiligt
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18:33 11.03.2019
Zwei Schüler prügeln sich auf dem Schulhof. (Symbolbild) Quelle: Oliver Berg/dpa
Crivitz

An einem Fall von sexualisiertem Mobbing an der Regionalschule Crivitz (Ludwigslust-Parchim) sollen 30 Schüler beteiligt gewesen sein. Wie erst jetzt bekannt wurde, erstattete die Schulleitung im vergangenen Oktober Anzeige bei der Polizei. Der Vorwurf: Nötigung. Über einen Zeitraum von vier Jahren praktizierten Schüler ein Ritual, dass sie „Stängeln“ nannten. Vier bis fünf Jungen der sechsten Klasse ergriffen dabei jeweils einen Fünftklässler, hoben ihn hoch und rieben den Schritt des Kindes an einem Baumstamm.

Die Mehrzahl der Opfer wurde im folgenden Schuljahr selbst zu Tätern. Auf diese Weise setzte sich das Ritual der Sechstklässler gegenüber Fünftklässlern über diesen langen Zeitraum fort. Am Ende waren die Schüler der fünften bis achten Klasse betroffen. Insgesamt 30 Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren konnten nach schulinterner Recherche namentlich benannt werden. Warum dieser Vorfall so lange unentdeckt blieb, ist nicht bekannt. 

„Kinder sind für ihre Taten verantwortlich“

Die Polizei in Crivitz bestätigt, dass sie die Staatsanwaltschaft Ludwigslust eingeschaltet habe. Aufgrund des Alters der Jungen sei jedoch kein Strafverfahren eingeleitet worden.

Die Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann ist Expertin für Mobbing. Sie sagt: „Strafrechtlich werden Jugendliche erst ab 14 Jahren verfolgt. Aber auch Kinder sind für ihre Taten verantwortlich. Zivilrechtlich abgemahnt werden können bereits Zehnjährige.“

Carsten Stahl kommt nach MV

Am 7. und 8. Mai wird Carsten Stahl vor Schülern in Grevesmühlen sprechen. Der Mobbing-Experte ist aus der Fernsehsendung „Stahl:hart gegen Mobbing“ bekannt.

Mit Schuldirektoren geht der 46-Jährige hart ins Gericht: Nach seinen Erfahrungen würden 50 Prozent der Schulleiter, mit denen er zu tun hatte, sagen, dass es an ihrer Schule kein Mobbing gebe.

Er spricht von Verharmlosung, Leugnen und dass Eltern betroffener Kinder mundtot gemacht würden.

Der Crivitzer Fall ist durch die direkte Konfrontation auf dem Schulhof geprägt, so Stückmann. Dies sei zwar ein extremes Beispiel, doch körperliche Übergriffe habe es unter Kindern schon immer gegeben. „Wenn Schüler zusätzlich noch das Internet einsetzen, wird es besonders dramatisch.“ Beim sogenannten Cybermobbing kommen Dienste wie WhatsApp, Instagram, Snapchat oder Facebook zum Einsatz. Dadurch könne es nicht nur die vermeintlichen Außenseiter oder Schwächeren, sondern jeden Schüler treffen.

„Schockierende Dimensionen“ durch Cybermobbing

Anders als bei Gewalt und Zudringlichkeiten in der Pause, höre das Mobbing mit digitalen Hilfsmitteln nie auf. „Das nimmt schockierende Dimensionen an. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche sind die Opfer schlimmsten Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt, so dass schon Kinder aus Verzweiflung an Selbstmord denken“, erläutert Gesa Stückmann. Zudem würden Lügen und Hetze durch Sprachnachrichten, gefälschte Nutzerprofile sowie echte und gefälschte Fotos und Videos verbreitet werden. Die Anwältin kenne aus ihrer Präventionsarbeit hunderte solcher Beispiele.

Zahlen zum Thema Mobbing gibt es in MV nicht. Laut Tilo Stolpe, Sprecher des Justizministeriums werden Schüler unter 14 Jahren in der Kriminalstatistik nicht erfasst. „Die Fälle sind zudem ganz unterschiedlich gelagert. Es gibt Beleidigung, Nötigung und diverse weitere Vergehen. Diese werden nicht unter dem Begriff Mobbing zusammengetragen.“

Am Freitag berät der Landtag in Schwerin über einen Antrag von CDU und SPD. Dieser sieht vor, dass die Landesregierung bis 2020 eine neue Anti-Mobbing-Strategie vorlegen soll.

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