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Südwestmecklenburg Streit um Lebensmittel: Flüchtlinge prügeln auf andere Bedürftige ein
Mecklenburg Südwestmecklenburg Streit um Lebensmittel: Flüchtlinge prügeln auf andere Bedürftige ein
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06:46 13.05.2016
Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Quelle: Ove Arscholl

Handgreiflichkeiten unter den Ärmsten: In Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sollen Flüchtlinge bei der Lebensmittel-Ausgabe der „Tafel“ andere Bedürftige abgedrängt und sogar verletzt haben. Ein seit Wochen bestehender Konflikt eskalierte: Rund 30 Zuwanderer sollen am Crivitzer Diakoniehaus Einheimische zurückgedrängt und geschlagen haben, um eher dranzukommen. Die Polizei hatte offenbar erste Hinweise nicht beachtet. Jetzt findet die Ausgabe der Tafel unter Polizeischutz statt. Landesweit sei dies aber der bisher einzige bekannte Fall.

An der Ausgabestelle sollen sich Szenen wie bei einer Prügelei abgespielt haben: Es soll zu Fausthieben gegen Köpfe und Körper gekommen sein, eine „Krücke“ habe Rippen getroffen. So stehe es im Polizeibericht, so hätten es Zeugen berichtet, sagt Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Nach Angaben der Tafel-Betreiber hätten die Flüchtlinge auch versucht, „das Eingangstor gewaltsam zu öffnen“.

Wiechmann: „Mitarbeiter sagten, sie hätten selbst Angst gehabt.“ Aus Tafel-Räumen sollen Kleidungsstücke entwendet worden sein. Der Polizei lägen drei Strafanzeigen vor. Auch eine Frau soll geschlagen worden sein.

Rund 60 Bedürftige betreut das Diakoniewerk Neues Ufer mit der Tafel in Crivitz. Hierher kommen Menschen, die nur wenig Geld für Essen haben und auf Spenden angewiesen sind. „Es gab diese Szenen“, sagt Geschäftsführer Thomas Tweer. „Leider.“ Er sorgt sich jetzt, dass Bedürftige aus Angst nicht mehr kommen, warnt jedoch vor einer Pauschalverurteilung: „Es gibt kriminelle Flüchtlinge, es gibt aber auch andere.“ Die Tafel werde durch die Gewalt vor neue Herausforderungen gestellt; Tweer will jetzt die Mitarbeiter schulen – „auch in Deeskalation“. Für die Polizei ist das, was in Crivitz geschah, ein Einzelfall. Das bestätigen Sprecher der Präsidien in Rostock und Neubrandenburg. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigt an: „Der Sachverhalt wird umgehend aufgearbeitet.“

Vermutlich hätte die Gewalt sogar verhindert werden können. Denn dass Zuwanderer andere Bedürftige bei der Crivitzer Tafel abdrängen, sei länger bekannt. Zwei Hinweise habe die zuständige Polizei in Sternberg erhalten. „Der Beamte hat aber nicht reagiert“, räumt Wiechmann ein. Er sei versetzt worden. Bei der jüngsten Ausgabe der Tafel am Mittwoch sei es ruhig geblieben. Die Polizei war die ganze Zeit über mit fünf Beamten vor Ort. Seite 2

200 Asylbewerber abgeschoben

200 Asylbewerber sind in den vergangenen drei Tagen vom Flughafen Rostock-Laage aus abgeschoben worden. Sie kommen aus Serbien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Mazedonien. Laut Bundespolizei mussten fünf Personen kurzzeitig gefesselt werden, weil sie sich gegen ihre Abschiebung gewehrt hatten. Verletzt worden sei dabei niemand. Aktivisten von „Rostock hilft“ hingegen werfen Beamten unmenschliche Härte vor.

Frank Pubantz

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