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Südwestmecklenburg Töchter missbraucht: Sechs Jahre Haft für Vater aus Boizenburg
Mecklenburg Südwestmecklenburg Töchter missbraucht: Sechs Jahre Haft für Vater aus Boizenburg
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15:42 14.03.2019
Jörg M. (l.) und sein Anwalt im Gerichtssaal des Landgerichts Schwerin. Der Vater aus Boizenburg wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt. Quelle: Cornelius Kettler
Schwerin

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner beiden Töchter hat das Landgericht Schwerin einen 53 Jahre alten Vater aus Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter sahen es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Mann sich zwischen 1996 und 2002 an ihnen mindestens neunmal vergangen hat. Angeklagt waren ursprünglich 54 weitere Fälle. Nach Überzeugung des Gerichts haben diese mit hoher Wahrscheinlichkeit stattgefunden. Für eine Verurteilung waren sie jedoch nicht konkret genug nachzuweisen. Mit dem Strafmaß folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger wollte einen Freispruch und kündigte an, das Urteil anzufechten.

Übergriffe an mehreren Orten

Die Übergriffe fanden im elterlichen Wohnhaus, im Gartenschuppen und im Wohnmobil während einer Urlaubsreise statt. Beim ersten Vorfall war das betroffene Mädchen acht Jahre alt. Der Angeklagte vermittelte seinen Töchtern anfangs, dass es vollkommen „normal“ sei, wenn er mit ihnen Geschlechtsverkehr habe. Im Laufe der Zeit gewöhnten sie sich daran und empfanden die Taten als eine Art Zuwendung des Vaters, wie der Vorsitzende Richter in seiner mündlichen Urteilsbegründung sagte. Die Mädchen achteten sogar darauf, dass der Vater keines bevorzugte. Später verhinderten Scham und eigene Schuldgefühle lange Zeit, dass sich die Mädchen offenbarten. Erst 2012 zeigten sie ihn an.

Vater äußerte sich nicht zu Vorwürfen

Der gelernte Handwerker äußerte sich während des Prozesses nicht zu den Vorwürfen. Allerdings hat er sie nach Erkenntnissen des Gerichts zumindest teilweise bei verschiedenen Gelegenheiten gegenüber der Mutter der Kinder und gegenüber einer Bekannten eingeräumt. Die detaillierten Aussagen der inzwischen erwachsenen Töchter wertete das Gericht als glaubhaft.

Verteidiger: Zweifel an Aussagen der Töchter

Die Verteidigung hingegen stützte sich auf ein psychologisches Gutachten, das Zweifel an dem Wahrheitsgehalt ergeben hatte. Vor allem eine der Töchter hatte bei einer Heilpraktikerin von sexuellen Praktiken erzählt, die offenbar nicht stattgefunden hatten. Das wurde auch vom Gericht bemängelt. Allerdings hatte die Therapie erst begonnen, nachdem die Tochter den Vater bei der Polizei angezeigt hatten.

Der Prozess hatte im Juni 2018 begonnen. Insgesamt wurden 25 Zeugen und drei Gutachter gehört. Da das Verfahren rechtsstaatswidrig lange gedauert hat, gelten sechs Monate der verhängten sechsjährigen Haftstrafe als verbüßt.

Iris Leithold