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Wismar 100 Kilometer Ultramarathon für den guten Zweck
Mecklenburg Wismar 100 Kilometer Ultramarathon für den guten Zweck
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00:05 30.08.2017

Was für eine Geschichte: Vor fünf Jahren hat Che Keller noch nicht einmal von einem Ultramarathon geträumt, jetzt ist der Wismarer ihn in Leipzig gelaufen.

Che Keller bewältigte den 100-Kilometer-Lauf in Leipzig. Der 28-Jährige kam nach 8:38:30 Stunden als Sechster ins Ziel. Quelle: Fotos: Privat
Glücklich im Ziel: Auf dem Trikot finden sich alle Namen mit den Unterstützern für die „Glückstour der Schornsteinfeger“ wieder.

100 Kilometer! 44 Starter haben das Ziel erreicht, 15 mussten aufgeben. Che, so sein eingetragener Rufname, kam als Sechster nach 8:38:30 Stunden ins Ziel. Für den Kilometer hat er im Schnitt nur fünf Minuten und 15 Sekunden benötigt. „Es war einfach genial. Ich habe erst meine Familie gedrückt und bin dann durchs Ziel gelaufen. Ohne sie wäre es noch schwieriger geworden“, strahlt Che. Sein Name geht übrigens auf Che Guevara, den früheren Anführer der Rebellenarmee der Kubanischen Revolution in den 1960er-Jahren, zurück.

Mit dem Ultramarathon hat der Maschinenbauingenieur, der bei Hanse-Drehverbindungen in Wismar arbeitet, gleichzeitig Gutes für andere geleistet. 1500 Euro sind für die Glückstour der Schornsteinfeger zusammengekommen. Der eingetragene Verein unterstützt Krankenhäuser für krebskranke Kinder. Die Schornsteinfeger treffen sich jährlich einmal und fahren an sieben Tagen mit Fahrrädern einige Krankenhäuser ab, um das Geld direkt zu übergeben.

100 Kilometer verkauft

Che Keller hat jeden seiner 100 Kilometer verkauft. 75 Einzelpersonen haben zwischen einen und 100 Euro gegeben. Die Stadtwerke Wismar haben die Kosten für das sportliche Equipment übernommen.

„Die Motivation, 100 Kilometer zu laufen, ist die Glückstour der Schornsteinfeger. Damit fing alles an“, sagt Keller, der nebenbei ein Fernstudium zum Industrieingenieur absolviert.

Bis vor fünf Jahren war Che ein unbedeutender Fußballer in der Kreisklasse, der für Schlagsdorf kickte. Sport spielte kaum eine Rolle, Laufen schon gar nicht. Dann lernte er zufällig über den Kauf eines Fahrrades den Ratzeburger Andreas Walther, einen der Köpfe der Glückstour, kennen. „Er hat mir sein Triathlonrad verkauft und mich für diesen Sport begeistert.“

Neue Freundschaft

Die Fußballschuhe landeten in der Ecke, Che Keller ging in die Laufspur, spulte Kilometer auf dem Rad ab und entdeckte das Schwimmen für sich. Für das Triteam Rostock startete er im Triathlon-Regionalligateam.

Che Keller verspürt tiefe Dankbarkeit, dass er so zum Sport gefunden hat. Mit dem Schornsteinfeger Andreas Walther verbindet ihn mittlerweile eine Freundschaft. „Mit meiner Freundin habe ich überlegt, wie wir ihm Gutes tun können. So sind wir auf die Glückstour, den 100-Kilometer-Lauf und die Spende gekommen.“ Auf Leipzig fiel die Wahl, weil von dort seine Mutter stammt und dort der 100-Kilometer-Lauf seit 28 Jahren veranstaltet wird.

Seit Oktober letzten Jahres stand die Entscheidung, sich seiner bisher größten sportlichen Herausforderung zu stellen. Das Rad wurde verkauft, mit Triathlon war erst einmal Schluss. Allein 2018 lief der Wismarer 3200 Kilometer in der Vorbereitung, sein längster Testlauf war 60 Kilometer lang. „Ich habe eigentlich nichts dem Zufall überlassen.“ Eigentlich.

Böse Überraschung

Denn eine Überraschung gab es in Leipzig doch. Che hatte mit einer Asphaltstrecke gerechnet. „Statt dessen bestand die Strecke zu 80 Prozent aus Wald und Wiese. Das ist für einen eher schweren Läufer sehr anspruchsvoll“, sagt der 80-Kilo-Mann. Musik war übrigens verboten. „Man muss den Schmerz auch hören“, hat der Ultraläufer eine humurvolle Erklärung.

Sein erstes Tief hatte er zwischen 15 und 20 Kilometern. „Mir stellte sich die Sinnfrage.“ Die war beantwortet, als er bei Kilometer 20 seine zwölf Familienmitglieder sah. Das nächste Tief kam ab Kilometer 65. Bis Kilometer 90 hat ihn seine Tante Yvette Barkawitz begleitet. „Da war es besonders schwer, mich zu konzentrieren, weil bei dem Streckenprofil die Stolpergefahr groß war.“ Dass er am Ende statt der anvisierten unter acht Stunden etwas länger brauchte, damit kann der Leistungssportler gut leben.

Neue Herausforderungen

Und was kommt nach dem Ultramarathon? „Mein nächster Wettkampf ist die Hochzeit. Die Vorbereitung steht jetzt im Focus.“ Che möchte seine Freundin Wiebke, ebenfalls eine gute Triathletin, am 5. 5.

2018 heiraten. Mit dabei als Glücksbringer ist dann auch Schornsteinfeger Andreas Walther. Aber so ganz ohne den großen Sport geht es bei dem Wismarer dann doch nicht. Am 24. September steht in Berlin ein „einfacher“ Marathon an und im Oktober gibt er beim Lübecker Marathon den Pacemaker für alle, die die 42,195 Kilometer in einer Zeit von drei Stunden und 15 Minuten schaffen wollen.

Gutes für sich und andere behält Che Keller weiter im Blick. Der Gesundheitslauf im Wismarer Bürgerpark am 15. Oktober steht auch im Kalender. Das Geld für jede gelaufenen Runde wird gespendet.

Heiko Hoffmann

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