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21. März 1946: Wismar kauft wieder im Konsum

KALENDERBLATT 21. März 1946: Wismar kauft wieder im Konsum

Die Genossenschaft war 1902 gegründet und 1940 von den Nazis liquidiert worden / Aber 1994 war endgültig Schluss

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Samenverkauf über die Ladentheke: Der Konsumladen in der Bohrstraße 11 von innen.

Quelle: Foto: Detlef Schmidt

Wismar. . Mit 810 Mitgliedern, zwei Ladengeschäften in Wismar und vier Läden im Kreis wird am 21. März 1946 die Konsumgenossenschaft Wismar wieder errichtet. Zum Vorsitzenden wurde Franz Kressin gewählt. Die Neugründung erfolgte mit ausdrücklicher Billigung der sowjetischen Militäradministration, der KPD und der SPD. So war auch gleich die politische Richtung vorgegeben, der die Konsumgenossenschaft bis 1989/90 folgen musste. Und doch setzte sie eine Handelstradition fort, die am 13. Dezember 1902 mit der Gründung des „Konsumvereins für Wismar und Umgegend E.G. m.b.H.“ in Wismar begonnen hatte. Damals hatten sich 71 Personen mit der Unterschrift zum Statut der Genossenschaft zusammengeschlossen und einen Aufsichtsrat gewählt. Die schnelle Industrialisierung Deutschlands im 19. Jahrhundert hatte viele Arbeiter beim Einkauf ihrer Waren benachteiligt, das war die Geburtszeit der Genossenschaften, die preiswerter einkaufen konnten und den „Genossen“, ihren Mitinhabern, eine jährliche Vergütung auszahlen konnten. Bereits 1867 war ein preußisches Genossenschaftsgesetz erlassen worden, und am 1. Mai 1889 wurde dann das Reichsgesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften erlassen, das, wenn auch mit zahlreichen Änderungen, bis heute in Kraft ist.

 

OZ-Bild

Schon 1905 Heimstatt des Wismarer Konsums – das Haus Bohrstraße 11.

Die Wismarer Konsumgenossenschaft entwickelte sich sehr gut und als erstes Haus konnte am 30. Oktober 1905 die Bohrstraße 11 und später die Dankwartstraße 50 erworben werden. Hier waren Verkaufsraum, Lager und Büro vorhanden. Am 12. Dezember 1903 beschloss die Generalversammlung in Wismar, eine eigene Sparkasse zu gründen und zahlte auf Einlagen ihrer Mitglieder vier Prozent Zinsen. Das rief auch den Wismarer Einzelhandel auf den Plan. Als zwei Vorstandsmitglieder in der Wismarer Handelsschule einen Buchhaltungslehrgang belegen wollten, drohten Wismars Händler dem Institut mit Abzug aller ihrer Schüler und Boykott. So holten sich die Wismarer „Konsumgenossen“ ihre fachliche Bildung woanders.

Die gute Geschäftslage der Wismarer sprach sich herum, und 1913 gab es eine Fusion mit Schwerin. 1914 kamen die ersten Ladengeschäfte in Neukloster hinzu. Den ersten Weltkrieg überstand der Wismarer Konsum unbeschadet durch außerordentlichen Fleiß. Kontinuierlich wurde eine Rückvergütung von vier Prozent gezahlt – bei einer Mitgliederzahl von 2490 Personen. 1920 erfolgte eine weitere Expansion in Neuburg, Gadebusch und am 15. Januar 1921 konnte ein Ladengeschäft in Kirchdorf auf Poel eröffnet werden.

1928 fasste die Wismarer Stadtverordnetenversammlung den Beschluss, Mitglied des Konsums zu werden. Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit machte sich im Betriebsergebnis bemerkbar. Der Wismarer Konsum rutschte in die roten Zahlen, und die Jahre nach 1933 wurden bitter. Am 9. Dezember 1934 wurde der Konsum in „Verbrauchergenossenschaft Wismar E.G. m.b.H“ umbenannt, und es begann die Infiltrierung der Genossenschaft mit NSDAP-Kadern. Trotz steigendem Umsatzes wurde der Wismarer Konsum am 6. Oktober 1940 liquidiert, das Eigentum gestohlen. Das Haus Bohrstraße 11 wurde am 26. November 1942 auf das „Gemeinschaftswerk der Deutschen Arbeitsfront G.m.b.H. in Hamburg“ übertragen.

Nach 1945 kam es dann zu den Neugründungen in ganz Deutschland, wenn auch unterschiedlich. Nach der Verwaltungsreform vom 25. Juli 1952 wurden die Bezirke und Kreise gebildet, der Konsum in entsprechenden Verbänden organisiert. In der DDR wurden ihm Versorgungsaufgaben übertragen, die zu erfüllen waren. Die Konsumgenossenschaft war sogar in der Volkskammer vertreten. In Wismar hatte der Konsum neben Gaststätten, Läden, die Großbäckerei, Kaufhallen und das Konsum-Hotel am Markt.

Die Wende 1989/90 brachte schließlich die deutlichste Zäsur. Eine umfangreiche Privatisierung setzte ein. Um zu überleben, löste man die Kreisverbände auf und gründete die Konsum Nord eG. Doch das war ein Sterben auf Raten. 1994 hatte die Konsumgenossenschaft keine Läden mehr, und man befasste sich nur noch mit der Verwaltung des Restvermögens. In Wismar schloss die frühere Kaufhalle in der Philipp-Müller-Straße nach 92 Jahren Konsum Wismar.

Was sonst noch geschah

22. März 1920: Beisetzung der Opfer des Kapp-Putsches. Die Errichtung des Ehrenmales auf dem Friedhof für die Opfer des Kapp-Putsches war am 2. April 1921.

24. März 1913 : Kauf der 1910 abgebrannten Hammerschen Cichorienfabrik in der Altwismarstraße 8 durch Gustav und Reinhard Braun. Als Lichtfilmtheater „Weltspiegel“ 1914 durch die Brüder Gustav und Reinhard eröffnet. Kino bis 1995.

25. März 1909 : Abbruch des letzten Restes der Stadtmauer am Abzweig Turmstraße /Schatterau in Höhe des Fernmeldeamtes. Heute steht auf der Stadtmauer das Haus Schatterau 34.

25. März 1991 : Die Treuhandgesellschaft verfügt, dass die Seehafen GmbH zu 74,9 % der Hansestadt Wismar und zu 25,1% dem Land gehört.

26. März 1992 : Eröffnung des MEZ (Mecklenburgischen Einkaufszentrum) in Gägelow.

27. März 1949 : Eröffnung des Theaters an der Parkstraße.

Detlef Schmidt

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