Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
260 Millionen Euro in 25 Jahren investiert

260 Millionen Euro in 25 Jahren investiert

Der Zweckverband Grevesmühlen hat seit seiner Gründung 1991 das gesamte Wasser- und Abwassernetz erneuert

Grevesmühlen Am 31. Juli 1991 wurde der Zweckverband Grevesmühlen gegründet. Heute feiert das Unternehmen das Jubiläum, gleichzeitig wird die neue Ausbaustufe des Klärwerks Grevesmühlen in Betrieb genommen. Verbandsvorsteher Eckhard Bomball (62), der seit der Gründung vor 25 Jahren das Unternehmen führt, über die schweren Anfänge und die Erfolgsgeschichte.

Wie alt waren Sie damals, als Sie 1991 Verbandsvorsteher wurden?

Bomball: Ich war 37.

Wussten Sie, worauf Sie sich einlassen?

Bomball: Ich hatte gute Berater. Aber niemand konnte sagen, wie die Zukunft sich entwickeln würde. Das Risiko haben wir durch weitsichtige Konzepte gebannt.

Wie war der Zustand der Wasser- und Klärwerke vor 25 Jahren?

Bomball: Die 19 Wasserwerke, die von den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und Volkseigenen Gütern (VEG) betrieben wurden, waren überwiegend in einem katastrophalen Zustand und die Klärwerke waren auch nicht auf dem neuesten Stand, das war bei den 15 Anlagen des VEB WAB (Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Anm. d. Red.) etwas besser. Aber es gab viel zu tun. Wir hatten schlagartig die Verantwortung für alle Werke im Altkreis Grevesmühlen.

Wie viele Mitarbeiter hatte der Zweckverband 1991?

Bomball: 35 waren es damals, heute sind wir etwa 100, dazu kommen noch 80 in den Tochterunternehmen. Die Aufgaben haben sich vervielfacht und es geht weiter.

Wie viel Geld hat der Zweckverband seit der Gründung in die Infrastruktur seiner Mitgliedsgemeinden investiert?

Bomball: Das Sachanlagevermögen, also alles, was wir in 25 Jahren investiert haben, beläuft sich auf über 260 Millionen Euro.

Die 19 Wasserwerke, die sich in der Obhut von LPG und VEG befanden, waren autarke Wasserwerke?

Bomball: Ja, es gab kein Verbundsystem im Kreis. Die Werke haben kleine Ortschaften versorgt. Unser Versorgungskonzept aus dem Jahr 1990 sah ganz anders aus.

Das heißt, der Zweckverband hat sich nach der Wende durch den Altkreis Grevesmühlen gebuddelt, um die Wasser- und Abwassernetze zu verbinden?

Bomball: Ja, wir waren uns mit der Gründung schon sicher, dass wir nach unserem Konzept mit nur vier Wasserwerken auskommen würden. Inzwischen sind es nur noch drei in Wotenitz, Klütz und Dassow.

Wie sah es beim Abwasser aus?

Bomball: Es gab ja kaum große, leistungsfähige Kläranlagen, selbst die in Grevesmühlen war sehr bescheiden, nur mit landwirtschaftlicher Verregnung. Die modernste Kläranlage befand sich in Boltenhagen, sie war 1983 in Betrieb gegangen, eines meiner ersten Projekte, die ich als Jungingenieur begleitet habe. Dafür gab es etwa 7000 Kleinkläranlagen, also private Klärgruben. Die gibt es heute nicht mehr.

Wenn man sich die Bedingungen von 1990 vor Augen führt, die Trinkwassernetze sind nicht verbunden, die Klärung der Abwässer steckt in den Kinderschuhen. Wo fängt man dann mit der Sanierung an?

Bomball: Unser Problem war, dass wir uns im Westen nicht viel abschauen konnten, da die Bedingungen, wie z. B. die dünne Besiedlung bei uns, ganz anders waren. Wir haben eigene Konzepte für überlebenswichtig gehalten. In der Wasserversorgung haben wir auf Verbund gesetzt und im Abwasser auf zentrale Lösungen, die die Kosten/Nutzenvergleiche überstehen mussten. Ein Alleinstellungsmerkmal ist unsere zentrale Schlammbehandlung in Grevesmühlen.

Und das ist aufgegangen?

Bomball: Allein am Beispiel der zentralen Schlammbehandlung, die ja die Grundlage des ersten Energie-Plus-Klärwerkes in Deutschland ist, sieht man, dass unsere Konzepte mehr als aufgegangen sind. Wir sind für die Zukunft gerüstet.

Der Zweckverband Grevesmühlen stand viele Jahre im Vergleich mit den übrigen Verbänden im Land an der Spitze was die Gebühren anbetraf. Inzwischen sind die Gebühren gestiegen. Woran liegt das?

Bomball: Wir haben einen guten Weg gefunden, zu investieren, ohne die Grundstückseigentümer mit dem höchstem Beitragssatz zu belasten und trotzdem gute Gebühren zu haben. Die Investitionen spiegeln sich auch zuerst in den Beiträgen und dann erst in den Gebühren wider. Ich kann also nicht nur die eine Seite betrachten. Im Vergleich Mecklenburg-Vorpommerns haben wir die geringsten Beiträge im Schmutzwasser und keine im Trinkwasser.

Das Wasser des Zweckverbandes Grevesmühlen liefert vergleichsweise hartes Wasser. Das ist zwar gesund, allerdings weniger gut für die technischen Geräte. Gibt es irgendwann eine Lösung?

Bomball: Die Entscheidung der Verbandsversammlung gegen eine zentrale Wasserenthärtung war damals sehr knapp, weil wir mit dieser Investition auch die Gebühren deutlich hätten anheben müssen. Aber wir werden uns auch künftig, z. B. in unserer Kundenberatung, noch deutlicher mit dem Thema beschäftigen.

Wie wird das aussehen?

Bomball: Die Kundenberatung wird schon praktiziert. Darüber hinaus planen wir für 2018 den Neubau des Wasserwerkes Wotenitz. Hinter dem jetzigen Wasserwerk wird für etwa drei Millionen Euro ein neues entstehen. Auch das Thema Wasserenthärtung wird neu auflegt und der Wasserlehrpfad bekommt neue Möglichkeiten.

Die Kläranlage in Grevesmühlen wird derzeit umgebaut. Was passiert dort?

Bomball: Wir mussten die Kapazität erweitern, vor allem weil die Industriebetriebe in Upahl und Grevesmühlen das brauchen. Wir erhöhen von 40000 Einwohnerwerten, das ist der Maßstab, auf künftig 65000 Einwohnerwerte. Die Erweiterungsmaßnahme kostet rund 11,6 Millionen Euro, der Eigenanteil des Zweckverbandes liegt bei 2,1 Millionen Euro. Wir nehmen die vierte biologische Reinigungsstufe in Betrieb, aber die gesamte Maßnahme wird noch bis Ende des Jahres dauern, weil auch noch die Sanierung ansteht, alles zusammen wird 13 Millionen Euro kosten.

Interview von Michael Prochnow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.