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27. Januar – der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Wismar 27. Januar – der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Stolpersteine erinnern an die Wismarer Opfer der Konzentrationslager

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Frieda Karseboom mit ihrer Schwiegertochter Lucie Karseboom 1935 in Hamburg.

Quelle: Foto: Ethan Hertz

Wismar. Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, das Konzentrationslager ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden, Sinti und Roma und anderen Verfolgten. Er ist ein „DenkTag“, der Jahrestag der Befreiung wurde 1996 zum offiziellen deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und neun Jahre später auch zum Internationalen Gedenktag erklärt.

OZ-Bild

Stolpersteine erinnern an die Wismarer Opfer der Konzentrationslager

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In Wismar erinnern 23 Stolpersteine an die Opfer. Neun weitere sollen in den nächsten Monaten verlegt werden, sieben davon für die Familie Karseboom. Vorausgesetzt, es kommen genügend Spenden zusammen.

Die jüdische Familie Karseboom war bekannt, ihr Kaufhaus hinter dem Rathaus beliebt. „Ein Stolperstein soll für Frieda Karseboom in der Nähe der heutigen Sektkellerei verlegt werden“, erzählt Geschichtsforscher Falk Bersch. Seit Jahren recherchiert er zu den Wismarer Opfern des Nationalsozialismus, schreibt an ihren Biografien und spricht mit den Nachfahren. Geschichtsarbeit gegen das Vergessen, Stolpersteine zum Erinnern. Die Biografie von Frieda Karseboom ging ihm besonders nahe. Als 71-Jährige wird sie nach Theresienstadt deportiert. „Sie hatte sich geweigert, Deutschland zu verlassen, weil sie sich um eine Enkeltochter kümmern musste, die aufgrund ihrer ansteckenden Krankheit keine Ausreisegenehmigung erhielt. So sind beide – Großmutter und Enkelin – in Konzentrationslagern ums Leben gekommen“, erzählt Bersch. Die Enkeltochter Ingrid Berger hatte keine Eltern mehr, die Familie hoffte, Großmutter und Enkeltochter später, wenn sich die Lage in Deutschland verbessert habe, nachholen zu können. Ein Irrglaube.

1871 in Hamburg geboren, heiratete sie 1895 Adolf Karsebook. Das Paar hat vier Kinder, eines verstirbt kurz nach der Geburt. „Der für Wismar bedeutsame Friedrich Karseboom wird 1900 geboren“, erzählt Falk Bersch. In der Zeit muss die Familie auch nach Wismar umgezogen sein, Adolf Karseboom wurde 1902 Inhaber des Kaufhauses Hirsch und ließ es 1912 durch ein dreistöckiges Geschäftshaus ersetzen. Ab zirka 1908 ist es als Privatwohnung von Adolf und Frieda Karseboom die Adresse Lindenstraße 23P angegeben, das Haus steht nicht mehr, dort befindet sich der Neubau mit der Sektkellerei. Nach dem Tod von Adolf Karseboom im Jahr 1926 führt die Witwe das Geschäft zusammen mit Sohn Friedrich weiter, 1933 verlässt sie nach Boykottmaßnahmen durch die Nationalsozialisten und antisemitischen Anfeindungen Wismar und zieht nach Hamburg. Das Wismarer Kaufhaus wird 1935 „arisiert“. Falk Bersch: „1938 flieht ihr Sohn Friedrich Karseboom und seine Familie aus Nazi-Deutschland nach Palästina.

Frieda Karseboom weigert sich mitzukommen.“ 1939 muss Frieda Karseboom ins Hamburger Ghettoviertel umziehen, verliert große und wertvolle Teile der ehemaligen Wohnungseinrichtung sowie Schmuck und das Bankguthaben. Am 15. Juli 1942 wird sie durch die Gestapo nach Theresienstadt deportiert, genauso wie ihre Schwester. Die Enkeltocher Ingrid Berger, 1924 in Wismar geboren, wurde nach Auschwitz deportiert, auch sie überlebt das Konzentrationslager nicht.

Stolpersteine in Wismar:

2008 wurden dank Spenden die ersten Stolpersteine in Wismar verlegt, inzwischen sind es 23. Pflastersteine. Sie werden mit einer Messingplatte überzogen, darauf ist der Name, das Geburts- und Todesdatum eines Menschen, der während der Zeit von 1933 bis 1945 ermordet wurde, eingraviert.

Die Steine werden vor dem letzten freiwilligen Wohnort verlegt. Das europaweite Kunstprojekt von Gunter Demmig erinnert an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus.

Finanziert werden die Stolpersteine über Spenden – 120 Euro kostet ein Stein. Spendenkonto:

IBAN:

DE78 1203 0000 0010 2045 84

BIC: BYLADEM1001

Verwendungszweck:

Stolpersteine/410282 Es können auch Patenschaften beispielsweise durch Schulklassen übernommen werden.

Nicole Hollatz

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