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Wismar 300 Wismarer holen sich Lebensmittel bei der Tafel
Mecklenburg Wismar 300 Wismarer holen sich Lebensmittel bei der Tafel
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06:25 28.05.2013
Nicole Höppner (l.) und Silvia Gerhards (r.) vom Verein Wismarer Tafel mit Frank Gutsch (2. v. l.), Ralf Berlin und Gisa Trenckelbach. Quelle: Norbert Wiaterek
Wismar

Karotten, Äpfel und Gurken, Baguettes, Toastbrote, Joghurt, eingeschweißte Wurst und Käse, manchmal Lachs und Fertigprodukte, zum Beispiel Pizzen, nach Feiertagen oft auch Schokolade: Das Angebot an Lebensmitteln, die sich an jedem Werktag mehr als 20 Frauen und Männer in der Ausgabestelle des Vereins Wismarer Tafel in der Mecklenburger Straße 41 abholen, ist vielfältig. „Je nachdem, was uns Supermärkte und Einzelhändler zur Verfügung stellen“, sagt Nicole Höppner. „Die Lebensmittel sind absolut in Ordnung. Sie haben das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht erreicht“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Wismarer Tafel.

Vor der Ausgabe, die montags bis freitags jeweils zwischen 11.30 und 12.30 Uhr erfolgt, werden die Lebensmittel noch einmal begutachtet und sortiert. Das machen Gisa Trenckelbach (69), Ralf Berlin (46) und Gertrud „Goldie“ Frank. Das Abholen der gespendeten Esswaren übernehmen Frank Gutsch (48) und Raimo Sager. „Gisa Trenckelbach ist der gute Geist in der Ausgabe. Sie ist schon seit fünf Jahren dabei“, lobt die Vorsitzende der Wismarer Tafel, Silvia Gerhards. Den Verein gibt es seit März 1996. „Vor etwa einem Jahr haben wir unser Ausgabesystem umgestellt. Die Unterstützung ist zunächst auf ein halbes Jahr begrenzt, sodass wir jetzt die doppelte Anzahl an Wismarer Bürgern versorgen können. Mittlerweile haben sich die Leute daran gewöhnt.“ Es gehe nicht darum, eine dauerhafte Verpflegung zu ermöglichen. „Wir möchten die Leute fit machen, ihr Leben in den Griff zu bekommen“, betont Silvia Gerhards. Und sie sagt: „Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist nach wie vor sehr groß.“

Momentan hat der Verein nicht das Problem, genügend Lebensmittel zu erhalten. „Uns fehlen jetzt Räumlichkeiten. Wir bräuchten zum Beispiel einen Raum, wo sich unsere Gäste aufhalten können“, so Gerhards. Es sei nicht gut, wenn man bei Regen, Sturm oder Schnee draußen an der Straße warten müsse. „Es gab schon Gespräche, vielleicht klappt es ja und wir können bald mehr Platz bieten.“

Silvia Gerhards schätzt, dass mit den Lebensmitteln, die die Ehrenamtlichen der Tafel ausgeben, „mindestens 300 Leute, eher sogar mehr“, versorgt werden. Neuanmeldungen sind jeden dritten Dienstag im Monat von 13 bis 14 Uhr in der Mecklenburger Straße 41 möglich. Ein Bedürftigkeitsnachweis ist erforderlich, beispielsweise ein Hartz IV-, ein Renten- oder ein Grundsicherungsbescheid. Die Arbeit der Wismarer Tafel koordiniert Renate Müller (60). Die Ansprechpartnerin ist unter ☎ 01 52/06 37 82 50 zu erreichen.

Die Tafeln — eine der größten sozialen Bewegungen
In Deutschland werden täglich viele Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch verzehrfähig sind. Gleichzeitig gibt es auch hierzulande Menschen, die nicht ausreichend zu essen haben.

Die Tafeln schaffen eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel: Sie sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte — kostenlos oder zu einem symbolischen Betrag.

Derzeit gibt es mehr als 900 Tafeln in Deutschland. Alle sind gemeinnützige Organisationen. Bundesweit unterstützen sie regelmäßig über 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln — knapp ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

Bedürftig sind für die Tafeln alle Menschen, die nur über wenig Geld im Monat verfügen können, weil sie eine kleine Rente haben, Arbeitslosengeld beziehen oder Hartz-IV-Empfänger sind.

Der Großteil der Tafeln reicht die gespendeten Lebensmittel mit festen Tafel-Läden und Ausgabestellen an die Bedürftigen weiter.

Die Tafeln finanzieren sich durch Spenden. Zahlreiche Unternehmen setzen sich für die Tafeln ein nach dem Motto „Jeder gibt, was er kann“.

Norbert Wiaterek

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