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40 Jahre Frühförderung im ÜFZ Sehen

Neukloster 40 Jahre Frühförderung im ÜFZ Sehen

Das Überregionale Förderungszentrum in Neukloster ist auf dem richtigen Weg

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Heilerzieherin Anne Götz an einem „Little Room“. Dort setzen sich sehbehinderte Kinder mit verschiedenen Gegenständen und ihren Geräusche auseinandersetzen. Fotos (2): Kerstin Erz

Neukloster. Im Rahmen der diesjährigen „Woche des Sehens – Chancen sehen“ lud Vera Vormelker, Leiterin der Frühförderung im Überregionalen Förderzentrum für den Förderschwerpunkt Sehen Mecklenburg-Vorpommern (ÜFZ Sehen) in Neukloster zu einer kleinen Jubiläumsfeier ein. Vor 40 Jahren, also 1976, wurde ein Vorschulteil in die 1953 gegründete eigenständige Sehschwachenschule mit Internat in Neukloster integriert.

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Das Überregionale Förderungszentrum in Neukloster ist auf dem richtigen Weg

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„Das war der Start für die Frühförderung sehgeschädigter Kinder, denn man hatte erkannt, dass die ersten Lebensjahre eines sehgeschädigten oder blinden Kindes für dessen optimale Entwicklung genutzt werden müssen“, sagte Vera Vormelker. „Andersherum gesagt: Wenn die Entwicklung in diesem Alter ohne sehgeschädigtenspezifische Förderung erfolgt, stellt dies eine erheblich Entwicklungsgefährdung für das Kind dar.“ Die 1986 mit drei Jahren in den Kindergarten der Sehschwachenschule gekommene, vollblinde Jessica Schröder war vier Jahre später die erste blinde Schülerin, die die Sehschwachenschule besuchen durfte. Durch diesen Vorstoß ihrer Mutter, die sich für die Beschulung ihres Kindes in Neukloster durchsetzen konnte, war der Weg für weitere blinde Kinder in der Sehschwachenschule geebnet. Für Jessica Schröder ebenso, denn hier in Neukloster erfuhr sie von Anfang an die Förderung, die sie brauchte, um heute – mit 33 Jahren – das zu sein, was sie ist: eine Referentin für internationale Zusammenarbeit am Deutschen Blinden- und Sehschwachen Verband (DBSV) in Berlin.

Die junge Frau beeindruckte die Gäste der Jubiläumsfeier mit ihrem Werdegang, über den sie selbstbewusst berichtete: „Bis zur 10. Klasse bin ich an diese Schule gegangen, anschließend habe ich an der Höheren Handelsschule für Blinde und Sehbehinderte mein Fachabitur gemacht, bin daraufhin nach Berlin gezogen und studierte an einer ganz normalen Fachhochschule Sozialpädagogik. 2009 reiste ich für ein Jahr nach Indien, wo ich in Kanthari Sozialmanagement studierte. Danach blieb ich länger in Indien und engagierte mich ehrenamtlich für verschiedenen Organisationen, teils für sehbehinderte, aber auch für andere Organisationen. 2011 wurde ich in Berlin Jugendreferentin für den DBSV und seit August bin ich Referentin für internationale Zusammenarbeit. Hier arbeite ich vorwiegend politisch, kontrolliere zum Beispiel Gesetzentwürfe der EU für die Tauglichkeit für Sehbehinderte.“

Wenn man den bisherigen Lebensweg von Jessica Schröder so hört, ist es schwer zu glauben, dass diese jungen Frau blind ist. Schon gar nicht, wenn sie dann erzählt, dass sie mit dem Zug von Berlin angereist war und wieder abreisen wird und dass sie in Berlin grundsätzlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Der nächsten Indientermin steht im Dezember auch wieder bevor. „Dahin fliege ich allein“, erzählte sie schmunzelnd. Dass Jessica Schröder absolut selbstständig ihren Lebensweg meistern kann, das hat sie in erster Linie ihrer frühen Entwicklungsförderung im ÜFZ Sehen in Neukloster zu verdanken.

Diese Frühförderung wurde 1993 um die mobile Frühförderung, also die fachkompetente Förderung sehbehinderter und blinder Kinder in ihrer Häuslichkeit ab dem frühsten Babyalter ergänzt. Die Erhaltung dieser Errungenschaft kostete einen harten Kampf. Das Land übertrug mit der Gebietsreform 2012 die Trägerschaft des ÜFZ Sehen auf den Landkreis Nordwestmecklenburg. Doch die Frühförderung als wesentlicher Bestandteil des ÜFZ wurde im Gesetz nicht ausdrücklich erwähnt, noch war eine Übernahme durch den Landkreis gewollt. „Damit war der Bestand der teilstationären und mobilen Frühförderung in Mecklenburg-Vorpommern extrem gefährdet. Aber es wurde gekämpft und 2013 im Juni sicherte eine Langzeitvereinbarung für zehn Jahre die organisatorische Einheit der Frühförderung und des ÜFZ in Neukloster“, erzählte Vera Vormelker. Und Karina Jens vom Ministerium ergänzte: „Dies ist gesichert durch die Landesträgerschaft. Es ist ein wichtiger Weg, der weitergegangen werden muss. Das Land stellt dazu Personal- und Materialausstattungen zur Verfügung. Nun sind wir, glaube ich, auf dem richtigen Weg!“

Kerstin Erz

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