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50 Jahre Wendorfer Kirche

Wismar 50 Jahre Wendorfer Kirche

Vom Bauwagen zum seltenen DDR-Kirchenneubau / Gemeinde lädt zum großen Festwochenende ein

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Dr. Torsten Pohley (l.) vom Kirchgemeinderat sowie das Pastoren-Ehepaar Helga und Mathias Kretschmer vor der Wendorfer Kirche, die vor 50 Jahren geweiht wurde. Fotos (2): Nicole Hollatz

Wismar. Vom 17. bis zum 19. Juni wird im Wendorfer „Haus der Begegnung“ gefeiert und sich erinnert. Dann hat der Kirchenneubau seinen 50. „Geburtstag“. Dabei ist es alles andere als selbstverständlich, dass Wendorf ein Kirchenhaus hat. Ein Beispiel dafür, was alles möglich ist mit Beharrlichkeit. „Und Glauben!“, kommentieren Helga und Mathias Kretschmer, das jetzige Wendorfer Pastoren-Ehepaar.

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Vom Bauwagen zum seltenen DDR-Kirchenneubau / Gemeinde lädt zum großen Festwochenende ein

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Es ist ein Wunder, dass es den Menschen damals gelungen ist, diese Kirche gegen alle Widerstände zu bauen.“

Mathias Kretschmer,

Pastor

Sie haben mit Pastor i.R. Martin Dürr, dem ersten Pastor der Gemeinde, gesprochen, alte Fotos gesichtet und Dokumente ausgewertet. All das wird zu einer kleinen Ausstellung zusammengestellt. „Wir haben versucht, auch die Menschen einzuladen, die damals hier aktiv waren“, erklärt Mathias Kretschmer. Beharrlichkeit in einer Zeit, in der eigentlich nicht viel möglich war für Christen. Eine Kirche war für Wendorf und die gut 18000 Menschen dort, für die Arbeiter der Werft, nicht vorgesehen. Aber: Seit 1957 gab es die Pfarrstelle Wendorf. Der „Bedarf“ war da. Der damalige Wismarer Oberbürgermeister erklärte im gleichen Jahr den Kirchenvertretern, dass die sich eine Kirche in Wendorf „für alle Zeiten aus dem Sinn schlagen“ sollten. Dabei wurde der Gemeinde bereits 1953 ein Bauplatz an der damaligen Karl-Marx-Schule zugesagt, die Pachtverträge gab es bereits. Umso überraschender die Absage des Oberbürgermeisters. Die Gemeinde war erfinderisch.

Fast genau ein Jahr später predigte Pastor Dürr erstmals im Wendorfer Kirchenbauwagen auf dem Hof des „Wendenkruges“. Er hatte den Besitzer des einzigen Privatgrundstücks im Bereich des Stadtteils davon überzeugt, auf seinem Hof einen „Abstellplatz“ für einen Bauwagen zu dulden. 1963 kam überraschend die Zusage der Stadt. Man habe der Gemeinde den Bauplatz in der Rudi-Arndt-Straße zugewiesen, allerdings mit der Bedingung, dass keine „staatlich geplante Baukapazität“ zur Verfügung gestellt werden könne. Heißt, der Kirchgemeinderat als Bauherr musste zusehen, woher das Material komme.

„Es war eigentlich unmöglich und ist doch gelungen mit einigen Tricks“, sagt Pastor Kretschmer schmunzelnd. Man musste ein Haus bauen, was nicht wie eine Kirche aussah, sondern vom Typus her wie ein „Rinderoffenstall“, um die Baugenehmigung zu bekommen. Helga Kretschmer staunt: „Der Dachstuhl ist aus Metall, weil es kein Holz gab. Viele der aktiven Gemeindemitglieder haben auf der Werft gearbeitet, die hatten Verbindungen und Metall.“ Ein Sinnbild für den ganzen Bau – gucken, wo bekommt man den Bagger, wo Zement oder Steine her? „Die Kirche entstand mit viel Eigenleistung und noch mehr Gottvertrauen!“, so Pastorin Helga Kretschmer. 183 Gemeindemitglieder leisteten 6536 Ehrenamtsstunden alleine im ersten Baujahr 1964. Zum Richtfest am 3. Oktober 1965 kamen über 350 Menschen.

Dr. Torsten Pohley, der 2. Vorsitzende des Kirchgemeinderates, erinnert sich. 1966, als Mitglied der jungen Gemeinde, war er beim Arbeitseinsatz auf der Baustelle der Wendorfer Kirche. „Wir haben den Hang begrünt“, erzählt er. Am 19. Juni 1966 wurde das Gebäude als „Haus der Begegnung“ geweiht, nach 13000 ehrenamtlichen und 8000 bezahlten Handwerker- und Helferarbeitsstunden. Derzeit hat die Gemeinde 750 Mitglieder und ist mit Seniorengruppen, einen Kindergitarrengruppe, Tanz-, Frauen- und Gemeindekreisen, dazu der russischen Gemeinde ein „Haus der Begegnung“, nicht nur mit dem Glauben.

Das Programm

Zum Festwochenende sind Nachbarn, Interessierte, damalige Helfer und natürlich die Gemeindemitglieder eingeladen. Am Freitag um 19 Uhr gibt der Chor der Hansestadt Wismar sein Sommerkonzert. Am Sonnabend von 10 bis 12 Uhr ist Tag der offenen Tür für all diejenigen, die das Haus nur von außen kennen. Ab 11 Uhr sind Kinder zum Fußballspielen eingeladen. Eberhard Kienast gibt um 14 Uhr ein Orgelkonzert, von 15 bis 17 Uhr wird es festlich und vergnüglich, ab 19 Uhr wird gegrillt. Das Festwochenende endet am Sonntag um 14 Uhr mit einem Dankgottesdienst mit Ausklang bei Kaffee und Kuchen.

Nicole Hollatz

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