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Wismar Aenne Möller: Poel darf kein zweites Sylt werden
Mecklenburg Wismar Aenne Möller: Poel darf kein zweites Sylt werden
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08:00 26.10.2018
Die Poelerin Aenne Möller (30) möchte Bürgermeisterin der Insel Poel werden. Quelle: Heiko Hoffmann
Kirchdorf

Zwei Frauen wollen Bürgermeisterin der Insel Poel werden. Gewählt wird am 4. November. Amtsinhaberin Gabriele Richter möchte sieben weitere Jahre hauptamtliche Insel-Bürgermeisterin bleiben. Aenne Möller ist für einen Wechsel an der Verwaltungsspitze. Die OZ stellte beide Bewerberinnen vor. Heute Aenne Möller (30).

Als Treffpunkt für das Interview haben Sie den Schwarzen Busch vorgeschlagen. Was verbinden Sie damit?

Kindheitserinnerungen. Ich denke gerne an Wandertage mit der Kita und der Schule zurück. Dann verbinde ich mit dem Schwarzen Busch Natur und Freiheit. Man kann so herrlich auf’s Meer gucken und Kraft tanken. Hier kommt Urlaubsfeeling auf.

Sie sind SPD-Mitglied, für Sozialdemokraten ist das keine leichte Zeit.

Ich bin seit einem Jahr, also seit der Bundestagswahl, SPD-Mitglied. Eine andere Partei wäre auch nicht in Frage gekommen, weil ich eine Sozialdemokratin bin. Das heißt nicht, dass ich alles gut finde, was „oben“ gemacht wird.

Würden Sie denn eine SPD-Bürgermeisterin sein?

Ich denke, das spielt auf der Insel keine Rolle. Wenn ich gewählt werde, bin ich Bürgermeisterin für die Poeler. Das wären dann meine Wähler und Bürger, um die ich mich kümmern will. Was hier fehlt, ist die Kommunikation zwischen Politik und Bürger. Man muss wissen, was die Poeler wollen und dann auch dicke Bretter bohren können.

Mit 30 Jahren sind Sie eine junge Bewerberin für das Bürgermeister-Amt. Zu jung?

Ich sage nein. Jung ist nicht negativ und bedeutet nicht erfahrungslos. Sie müssen aktiv sein, Nerven aus Titan haben und die Zusammenhänge der Welt und der Lebenslagen erkennen können. Das kann man mit 50 oder mit 30. Das liegt an der Type.

Wenn Sie Bürgermeisterin werden, welche drei Projekte packen Sie als erstes an?

Zunächst altengerechtes Wohnen, da warten wir schon seit 13 Jahren drauf. Dann brauchen wir eine Sporthalle, die alle Bedürfnisse abdecken kann. Und wir müssen auf der Insel bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Sie haben gesagt: Die Insel befindet sich im Dornröschenschlaf, Sie möchten Poel wachküssen. An welchen Stellen konkret?

Ich denke an das Gemeindeleben, Veranstaltungen mit den Poelern zusammen – für jede Altersgruppe und für jeden Bedarf. Ein nächster Punkt sind Investitionen in die Infrastruktur. Es gibt hier Straßen, inclusive Beleuchtung, da wurde seit Ewigkeiten nichts gemacht. Und ich möchte das Heimatgefühl stärken, dass man sagt, das ist unsere Insel. Im Moment herrscht Stillstand. Man ist nicht gewillt, Risiken einzugehen.

Sie haben wiederholt kritisiert, dass die Insel nur verwaltet wird. Wie meinen Sie das?

Ein Beispiel: Seit 13 Jahren verlangt die ältere Bevölkerung betreutes Wohnen oder eine Pflegeeinrichtung. Seit 13 Jahren gibt es Diskussionen darüber. Passiert ist nichts. Ein anderes Thema: Wir wollen Touristen haben und nehmen Kurtaxe, aber tun zu wenig für die Infrastruktur. Schauen Sie sich Gollwitz an. Es gibt kein Tourismuskonzept, keine Strategie, wo will ich überhaupt hin, wie will ich das organisieren. Es wird zu wenig vorangebracht, beispielsweise bezahlbarer Wohnraum. Viele sind ins Umland gezogen. Ich muss was dafür tun, dass sich junge Leute, Familien ansiedeln. Es kann nicht immer nur um Ferienwohnungen gehen.

Gibt es auf Poel zu viele Ferienwohnungen?

Statistisch kann ich das jetzt nicht sagen, gefühlt ja, das sind auch die Meinungen, die ich höre. Zu Kaltenhof können sie Feriendorf sagen, weil der Anteil der Bevölkerung gering ist. Das beste Beispiel ist Timmendorf-Strand. Da wohnen nur noch fünf Poeler, der Rest sind Ferienwohnungen. Da ist ein Dorfleben nicht mehr möglich.

Kommen wir zum Tourismus. Sie bemängeln einerseits, dass die Insel hinter ihren Möglichkeiten bleibt, andererseits dürfe Poel kein zweites Sylt oder Usedom werden. Welchen Weg wollen Sie gehen?

Wir brauchen eine Strategie für den sanften und nachhaltigen Tourismus. Die Natur muss erhalten bleiben, das ist der Hauptgrund, warum Urlauber nach Poel kommen. Wir müssen die Anzahl der Betten begrenzen und auch überlegen, was wir mit den Autos machen, denn die Parkflächen sind begrenzt. Man kann das nur über ein gutes Netz regeln. Ich denke an die Kärnten-Card, eine Touristenkarte, wo man mehrere Angebote, auch gewerbliche, aus einer Hand anbietet. Überlegenswert ist ein Insel-Shuttle, der auch die Insel-Bevölkerung transportiert und ihnen so die Teilnahme an Veranstaltungen ermöglicht.

Würde es mit Ihnen einen Hotelneubau in Timmendorf geben?

Definitiv nein. Wenn jemand kommt, der bezahlbaren Wohnraum schafft, der kann gerne kommen.

Warum haben Sie sich nicht früher in die Gemeindepolitik eingebracht?

Ich habe 2010 mein Studium in Rostock aufgenommen, habe dort gewohnt und konnte somit auch auf Poel nicht wählen. Ich bin aber oft an den Wochenenden und in den Semesterferien hergefahren und habe in „Kröning’s Fischbaud“ im Kirchdorfer Hafen gekellnert oder in der Küche gejobbt. Jetzt wohne ich wieder auf Poel und möchte mich gerne einbringen.

Nur in der Politik?

Nein, ich möchte auch am Vereinsleben teilnehmen. Ich freue mich, dass ich für den Poeler SV ein Drachenboot vermitteln konnte, das es bisher hier nicht gibt. Wenn es gut läuft, ist es bis Weihnachten samt Trailer da. Dann kann auch ich mit dem eigenen Drachenboot auf der Ostsee trainieren und zu Wettkämpfen fahren und muss nicht nach Warin.

Sie haben eine Kartenaktion im Wahlkampf durchgeführt, wo sie gefragt haben, was den Poelern unter den Nägeln brennt. Was waren die Schwerpunkte?

Keine Ferienhäuser mehr, endlich altengerechtes, betreutes Wohnen und mehr Veranstaltungen, die abends länger gehen.

Haben sie schon einen Plan, wie und wo Sie den 4. November verbringen?

Ich gehe wählen und werde ab dem Nachmittag den Tag mit meinen Wahlhelfern verbringen, um mich auch abzulenken. Das ist ja eine neue Erfahrung für mich.

Zur Person

Aenne Möller (30) wohnt in Oertzenhof. Die Poelerin ist seit Juni 2017 für die SPD-Landtagsfraktion als Referentin für Wirtschaft, Arbeit, Tourismus und Gesundheitswirtschaft tätig, als Elternzeitvertretung außerdem für die Bereiche Hochschule, Wissenschaft und Forschung. Zuvor hatte sie Politik- und Erziehungswissenschaft (Bachelor) und Bildungswissenschaft (Master) studiert.

Heiko Hoffmann

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